Zoff am Ring „Skandal“ – Boxverband sperrt 100 Auricher Kinder aus
Der MTV Aurich ist fassungslos. Dreimal stellte er den Antrag, in den Landesverband der Boxer aufgenommen zu werden. Dreimal erteilten die Funktionäre eine Absage. Nun prüft der Klub andere Schritte.
Aurich - Die Boxsportsparte des MTV Aurich wächst und wächst. Trotz des Engagements etlicher Trainer und 100 Kämpfer aller Altersklassen im vielfach ausgezeichneten Großsportverein formiert sich der Boxsportverband Niedersachsen als eisenharter Gegner der Ostfriesen. Anfang November reichte der MTV Aurich zum dritten Mal einen Antrag auf Aufnahme in den Landesverband ein, um seinen Faustkämpfern den Start bei offiziellen Meisterschaften auf Bezirks- oder Landesebene zu ermöglichen. Doch der Verband schaltet auf stur und verwehrt 100 Jungen und Mädchen aller Altersklassen weiterhin den Zutritt zum Boxring.
Bislang hielten es die Funktionäre noch nicht einmal für nötig, den MTV über die neuerliche Absage zu informieren. Erst die Nachfrage unserer Zeitung beim Vizepräsidenten des Niedersächsischen Boxsportverbandes sorgte für Klarheit. „Wir haben den Antrag des MTV Aurich in unserem Hauptausschuss einstimmig abgelehnt“, teilte Nico Fiedler mit. „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass das Schreiben an den Verein auch rausgegangen ist.“
Theessen ratlos
Wilfried Theessen ist seit fast 40 Jahren Vorsitzender des 2800 Mitglieder und zahllose Sparten umfassenden Vereins. Er zeigt sich angesichts der Boykotthaltung des Boxverbandes völlig ratlos. „Das habe ich noch nie erlebt. Jeder Verband freut sich über neue Mitglieder. Aber die Boxer wollen uns einfach nicht.“
Theessen und seine Mitstreiter wollen auch nach der Niederlage in der 3. Runde im Duell mit den Funktionären nicht aufgeben. Sie alle loten nun aus, ob dem Zoff am Ring nun mit rechtlichen Schritten zu begegnen ist oder Gespräche mit dem Deutschen Sportbund oder dem nationalen Boxverband sinnvoller erscheinen. „Die ganze Sache ist auf jeden Fall ein Skandal“, sagt Theessen. Die Gründe für die Ablehnung der Ostfriesen wirken für Außenstehende wenig überzeugend. Ein Trainer des MTV Aurich soll versucht haben, Boxer anderer abzuwerben und sich abfällig über die Arbeit benachbarter Klubs geäußert haben. Das wäre in der Tat nicht die feine Art, würde aber in jeder anderen Sportart in der Kategorie Lappalie verbucht werden und hätte nirgendwo zur Folge, dass alle Kinder eines Vereins beharrlich der Wettkampfsport verwehrt wird.
Beste MTV-Integrationsgruppe
Dabei wäre gerade für die Auricher Boxtalente Anerkennung so wichtig. „Mehr als 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund“, sagt Abteilungsleiter Otto Schmidt. Und Wilfried Theessen ist stolz auf diese jungen Faustkämpfer. „Das ist die beste Integrationsgruppe im gesamten MTV Aurich.“ Nur die Integration in die offizielle Sportszene verwehren Funktionäre mit einer Begründung, die für neutrale Betrachter fadenscheinig wirkt.
Die ablehnende Haltung teilt allerdings Michael Bochardt. Er ist nicht nur Vorsitzender des Nachbarvereins BC Norden, sondern auch Box-Sportwart des Unterverbandes Weser-Ems. Während er das angeblich wenig vorbildliche Verhalten eines MTV-Trainers moniert, wählte er selber in einer Sprachnachricht an den Verein für den von ihm geforderten Ausschluss des Trainers aus dem MTV das Wort „entsorgen“. Dafür entschuldigte er sich allerdings, als dies öffentlich wurde.
MTV kämpft weiter
Die Forderung nach dem Rauswurf des Trainers haben die Auricher mittlerweile sogar entgegen ihrer Überzeugung erfüllt. „Es tut uns für ihn sehr leid“, sagt Schmidt. „Aber wir wollen alles tun, damit unsere Kinder Boxsport betreiben dürfen.“ Doch der NBSV-Vizepräsident bezweifelt einfach die Trennung des MTV Aurich vom betreffenden Übungsleiter. „Warum ist er dann noch immer auf Bildern zu sehen?“, lautet seine rhetorische Frage.
Otto Schmidt hat einfache Erklärung. „Das sind alte Fotos. Seit Dezember betritt der Trainer unsere Halle nicht mehr.“ Dabei sind die Auricher keinesfalls von seinem Fehlverhalten überzeugt. „Aber wir werden auch weiterhin alles tun, um unseren Boxern den Sport zu ermöglichen.“ Trotzdem hat der MTV im Kampf mit dem übermächtigen Verband schon drei Runden verloren. Aber von einem K.o. ist der Klub laut Schmidt weit entfernt. „Was der Verband macht, ist Willkür. Wir kämpfen weiter.“