Kebé überragt Slapstick-Eigentor und neuer Kickers-„Chef“ beim Werder-Test
Kickers Emden siegte gegen Werder Bremen II mit 5:2. 300 Zuschauer sahen einen überragenden BSV-Neuzugang und eine turbulente erste Hälfte mit fünf Treffern.
Emden - Heimspiele des BSV Kickers Emden gegen die U23 von Werder Bremen sind ganz offenbar eine Garantie für Spektakel-Fußball. Im August besiegten die Ostfriesen die Bremer in einer mitreißenden Regionalligapartie mit 5:1. Selbst der Test am Mittwoch im Ostfriesland-Stadion gegen denselben Gegner geriet nicht zu einem tristen Vorbereitungskick. 300 Zuschauer erlebten beste Fußball-Unterhaltung und beinahe die Wiederholung des August-Resultats. Statt 5:1 hieß es diesmal 5:2 für die Ostfriesen. Darüber hinaus wurden Traumtreffer und auch Slapstick-Einlagen samt Eigentor geboten.
Den positivsten Eindruck beim BSV, der am Donnerstag zum Trainingslager nach Ostwestfalen (Klosterpforte) aufbricht, hinterließ Winterneuzugang David Kebé. Nach Trainingseinheiten am Montag und Dienstag sah er seine neuen Mitspieler beim Test gegen sein bisheriges Werder-Team erst zum dritten Mal. „Ich hatte nur noch ein bisschen Schwierigkeiten mit den Namen“, sagte der 21-Jährige lächelnd. „Aber ich denke, ich habe ein ganz gutes Spiel gemacht.“
Lob für Neuzugang
Kebé agierte sogar überragend und war mit Eleganz und Zweikampfstärke der auffälligste Akteur auf dem Feld. Da freute sich nach dem Abpfiff auch der Emder Fußball-Chef und Kader-Planer Henning Rießelmann über seinen persönlichen Coup. Er hatte Kebé nach Emden gelotst, weil Innenverteidiger Fabian Herbst mit Schambeinentzündung längere Zeit auszufallen droht. Für den Ex-Bremer kam die Rießelmann-Offerte zur rechten Zeit. „Ich habe die ersten sechs Saisonspiele in Bremen von Beginn an gespielt, aber danach kaum noch Einsatzzeiten bekommen“, begründete er seinen Wechselwunsch.
In Emden schlüpfte er direkt in eine Art Chefrolle in der Abwehr. Er stoppte Gegenspieler, fing Bälle manchmal gar elegant mit der Brust ab und spielte selbst in Bedrängnis kluge Pässe zum Nebenmann. So gelang es „Mr. Eleganz“ sogar, dem typisch zurückhaltenden Testspiel-Publikum zweimal Szenenapplaus zu entlocken. „Er hat spielerisch was drauf“, lobte auch Trainer Stefan Emmerling. Mitspieler Pascal Steinwender zeigte sich ebenso angetan vom neuen Nebenmann. „David hat sich sehr gut eingefunden. Er hat Ruhe am Ball und gibt unserer Abwehr Stabilität.“
Tolle Eickhoff-Tore
Auch die anderen Emder wussten zu überzeugen. Emmerling schickte nach der 3:2-Pausenführung quasi eine komplett neue Elf aufs Feld, die die zweite Hälfte mit 2:0 gewann. Neben Kebé stand noch Luis Podolski 90 Minuten auf dem Feld – und André N’Diaye immerhin 79 Minuten. In der Start-Elf trumpfte noch ein weiterer Ex-Bremer auf. Mika Eickhoff glänzte mit zwei herrlichen Treffern. Das erste Tor des Tages gelang aber den Gästen. Als die neu formierte BSV-Abwehr noch Abstimmungsprobleme offenbarte, lief Ricardo-Felipe Schwarz urplötzlich alleine Richtung Kickers-Tor, spielte quer auf David Igboanugo, der den Ball zum 0:1 ins Tor schob.
Dies war der Auftakt einer 20-minütigen Torflut, bei der es nach 35 Minuten 3:2 stand. Das 1:1 leitete Kebé mit ein, als er einen der Mega-Einwürfe von David Schiller unter Kontrolle brachte. Sein Abspiel und ein weiterer Querpass führten zum Tor durch Eickhoffs Schuss aus 18 Metern.
Kurioses Eigentor
Zwei Minuten später wurde es kurios. Ein Podolski-Rückpass zum BSV-Torhüter versprang auf einer Platz-Unebenheit. So schlug der bedauernswerte Torwart Marcel Bergmann in Slapstick-Manier ein Loch in die Luft, während der Ball unter seinem Fuß hindurch zum 1:2 ins Netz kullerte. Es folgte die nächste Eickhoff-Antwort. Aus 16 Metern zirkelte er den Ball nach Vorarbeit von Tido Steffens wunderschön zum 2:2 Richtung Torwinkel (29.). Sechs Minuten später bugsierte Steffens den Ball nach einer Ecke zum 3:2 ins Netz.
Kickers (1. Halbzeit): Bergmann. Podolski, Kebé, Dietrich, N‘Diaye, Kaissis, Siderkiewicz, Abbey, Eickhoff, Steffens, Schiller. 2. Halbzeit: Djokovic, Podolski, Eilerts, N`Diaye (79. Kroon), Kebé, Schmidt, Stöhr, Steffen, Igwe, Steinwender, Dudock. Tore: 0:1 Igboanugo (15.), 1:1 Eickhoff (23.), 1:2 Eigentor Podolski (25.), 2:2 Eickhoff (29.), 3:2 Steffens (35.), 4:2 Steinwender (61.), 5:2 Schmidt (67.).Statistik
Die B-Elf, in der bis auf Pascal Steinwender überwiegend Reservisten standen, machte ihre Sache laut Emmerling „ebenso gut“. Der Coach bemängelte nur zwei zu kurz geratene Rückpässe von Marvin Eilerts und Julian Stöhr. Beide Chancen ließ Werder ungenutzt. Ansonsten kontrollierte Kickers die Partie. Nach toller Vorarbeit von Joshua Dudock erhöhte Steinwender auf 4:2, ehe Marten Schmidt nach einem Eckball das 5:2 köpfte. Am Ende zeichnete sich noch BSV-Torhüter Isaak Djokovic aus, als er einen Schuss von Daniel Ihendu aus kurzer Distanz überragend parierte. „Man of the Match“ war aber ein neues Gesicht im Kickers-Trikot: David Kebé.