Für Lizenzantrag  Kickers benötigt „mindestens 2 Millionen Euro für die 3. Liga“

| | 27.01.2025 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Henning Rießelmann (rechts) und Nils Janzen basteln intensiv an der Zukunft von Kickers Emden. Foto: Doden/Emden
Henning Rießelmann (rechts) und Nils Janzen basteln intensiv an der Zukunft von Kickers Emden. Foto: Doden/Emden
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Die Entscheidung ist schon länger gefallen: Kickers Emden wird auf einen Lizenzantrag für die 3. Fußball-Liga verzichten. Boss Henning Rießelmann sieht noch einen gewaltigen Investitionsbedarf.

Emden - Kickers Emden spielt als Aufsteiger eine sehr überzeugende Saison in der Fußball-Regionalliga Nord, liegt 14 Punkte hinter Tabellenführer TSV Havelse auf dem dritten Platz. Zu diesem Zeitpunkt des Jahres müssen sich alle Spitzenteams entscheiden, ob sie sie einen Lizenzantrag für die Dritte Liga stellen, denn bis zum 1. März müssen die Unterlagen beim Deutschen Fußball-Bund eingegangen sein.

Kickers-Boss Henning Rießelmann hatte schon vor Weihnachten angekündigt, dass der BSV auf dieses aufwendige und auch kostspielige Verfahren (25.000 Euro) in diesem Jahr verzichten wird. Da stellt sich die große Frage, was fehlt den Emdern denn noch, um sich möglicherweise in der Zukunft mal mit diesem Thema intensiver beschäftigen zu können.

Stadion

Das Ostfriesland-Stadion wurde vor der Saison modernisiert, die Sitzplatzkapazität auf 750 erweitert, die Stehplatzgegengerade überdacht. Für eine Zulassung zur 3. Liga sind aber noch weitere, kostenintensive Modernisierungen notwendig. Um eine Drittliga-Lizenz zu bekommen, ist eine Gesamtkapazität von 5000 Zuschauern notwendig (Ostfrieslandstadion: 7200). Von diesen 5000 Plätzen müssen 2000 Sitzplätze sein. Da fehlen den Emdern also noch 1250 Sitzplätze. Zudem würden die Emder eine neue Flutlichtanlage benötigen. „Mit unserer jetzigen können wir so gerade eben Regionalliga spielen“, meinte Henning Rießelmann.

Das Ostfrieslandstadion müsste für die 3. Liga in vielen Bereichen modernisiert werden. Foto: Doden/Emden
Das Ostfrieslandstadion müsste für die 3. Liga in vielen Bereichen modernisiert werden. Foto: Doden/Emden

Des weiteren ist für die 3. Liga eine Rasenheizung obligatorisch. Bei der letzten Platzsanierung im Ostfrieslandstadion im Sommer 2024 wurde an diesen Punkt schon gedacht, entsprechende Vorkehrungen getroffen, um eine Heizung installieren zu können. Die Spielerkabinen müssten erneuert werden, zudem sind mehr Presseplätze mit Wlan-Zugängen notwendig.

Weitere Infrastruktur

Für die 3. Liga ist auch die Parkplatzsituation am Ostfrieslandstadion unzureichend. Da könnte sich die Freifläche gegenüber dem Stadion anbieten. Zudem müssten mehrere Bedingungen, Plätze und Infrastruktur für die TV-Übertragungen geschaffen werden. Derzeit liegen die 3. Liga-Rechte bei der Telekom, Magenta TV Sport übertragt alle Partien live.

Personal

Aktuell hat Kickers Emden neben dem Trainerteam keine festangestellten Mitarbeiter für die Regionalliga-Mannschaft. In der 3. Liga sind die Voraussetzungen andere. Alleine für den Spielbetrieb um die Mannschaft herum müssen fünf festangestellte Mitarbeiter vorhanden sein (Geschäftsführer, Finanzchef, Marketingleiter, Pressesprecher, Fanbeauftragter). Zudem arbeiten alle Drittliga-Teams unter Profibedingungen, Kickers ist aktuell semiprofessionell unterwegs, so gut wie alle Spieler sind berufstätig oder studieren.

3. Liga eine Herkules-Aufgabe

So stellte Henning Rießelmann mit seinem Team schnell fest, dass ein Lizenzantrag unter den aktuellen Voraussetzungen keinen Sinn ergeben würde. „Wir müssen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln und erst einmal zusehen, dass wir den Regionalliga-Etat sauber durchfinanzieren. Ohne das Onside-Netzwerk und Zuschüsse von uns könnten wir jetzt schon die Regionalliga nicht finanzieren. Klar ist ja auch, dass wir nur das ausgeben, was uns zur Verfügung steht.“ Die dritte Liga sei in allen Bereichen eine Herkulesaufgabe und für Kickers Emden momentan noch sehr weit weg, auch wenn es sportlich nicht so den Anschein hat.

Kickers-Trainer Stefan Emmerling ist Profi, Torjäger Tido Steffens geht noch einem normalen Beruf nach. Foto: Doden/Emden
Kickers-Trainer Stefan Emmerling ist Profi, Torjäger Tido Steffens geht noch einem normalen Beruf nach. Foto: Doden/Emden

Rießelmann glaubt auch, dass es ohne die Stadt Emden nicht gehen wird: „Wenn wir mal dazu in der Lage sein sollten, muss sich auch die Stadt Emden die Frage stellen, ob sie wieder Profifußball haben möchte. Wir wissen auch, dass Emden nicht auf Goldkoffern sitzt, aber ohne die Unterstützung der Stadt wird es nicht gehen.“

Hohe Kosten für Infrastruktur

Er habe mal die Kosten grob überschlagen. „Alleine für die Infrastruktur und das Stadion sind defensiv kalkuliert mindestens zwei Millionen Euro notwendig, da reden wir noch lange nicht über die Kosten für eine Profi-Mannschaft.“

Auch wenn Kickers vom Profifußball noch weit entfernt scheint, hat sich Marketingleiter Nils Janzen vor einigen Tagen an den DFB gewandt. „Wir möchten uns schon genauer damit befassen, welche Voraussetzungen wir in einem Lizenzierungsprozess erfüllen müssten. Bei unserem nächsten Sponsorentreffen im März möchte ich auch unsere Partner zu dem Thema genauer informieren.“

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