Kickers mit klarer Aussage  TSV Havelse mauert bei Frage zur 3. Liga-Lizenz

| | 24.01.2025 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der TSV Havelse jubelte nach dem 2:1-Auswärtssieg bei Kickers Emden. Wie es um eine mögliche Drittliga-Lizenz aussieht, wollte der Verein zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten. Fotos: Doden/Emden
Der TSV Havelse jubelte nach dem 2:1-Auswärtssieg bei Kickers Emden. Wie es um eine mögliche Drittliga-Lizenz aussieht, wollte der Verein zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten. Fotos: Doden/Emden
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Kickers Emden wird sich nicht um eine Lizenz für die Dritte Fußball-Liga bewerben. Tabellenführer TSV Havelse hielt sich in unserer Umfrage bedeckt. Wie denken Drochtersen/Assel und der SV Meppen?

Emden - Die sportlichen Vorbereitungen nach der Winterpause haben die Teams der Fußball-Regionalliga Nord bereits wieder aufgenommen, ab Ende Februar geht es in die entscheidende Phase. Und auch in einigen Bürozimmern steht derzeit Schwerstarbeit an, denn einige Top-Vereine sind dabei, die Unterlagen für die Lizenz zur 3. Liga zusammenzustellen. Kickers-Boss Henning Rießelmann hatte bei uns im Podcast schon vor Weihnachten erklärt, dass der BSV in dieser Saison die Lizenz nicht beantragen werde. Aber wie ist die Lage bei den anderen Vereinen? Und was passiert, sollte der sportliche Meister die Lizenz nicht beantragen oder bekommen?

Die Aufstiegsregelung

Der Meister der Regionalliga Nord spielt in dieser Saison in zwei Relegationsspielen mit dem Meister aus dem Nordosten einen Aufstiegsplatz aus. In der Regionalliga Nord läuft alles auf den TSV Havelse (50 Punkte) hinaus. Mit zehn Zählern Vorsprung führt der Verein aus Garbsen klar die Tabelle vor der SV Drochtersen/Assel (40) an, dahinter folgen Aufsteiger Kickers Emden (36) und der SV Meppen (34). Sollte der Meister die Lizenz nicht beantragen oder bekommen, ist die Lage klar. „Dann wird der höchst positionierte Verein mit einer Drittliga-Lizenz an den Aufstiegsspielen teilnehmen“, erklärte Reenald Koch, Vorsitzender der Regionalliga Nord und des Spielausschusses.

Wie sind die Termine?

Bis zum 1. März müssen die Vereine der Regionalligen die Lizenzanträge für die 3. Liga beim Deutschen Fußball-Bund einreichen, der DFB gibt die Klubs dann auch bekannt. In der letzten Saison beantragten vier Vereine aus der Regionalliga Nord eine Drittliga-Lizenz, nämlich Hannover 96 II, Phönix Lübeck, SV Meppen und der VfB Oldenburg. Holstein Kiel, zum Zeitpunkt des Lizenzantrages Anfang 2024 noch auf dem zweiten Tabellenplatz, verzichtete auf einen Antrag. In den vergangenen Jahren gab es vom DFB dann im April eine erste Rückmeldung an die Vereine, ob Bedingungen oder Auflagen zu erfüllen sind.

Henning Rießelmann (links) sieht Kickers noch nicht so weit, sich für die Dritte Liga zu bewerben. Foto: Doden/Emden
Henning Rießelmann (links) sieht Kickers noch nicht so weit, sich für die Dritte Liga zu bewerben. Foto: Doden/Emden

Was sind die Knackpunkte der Lizenz?

Das Anforderungsdokument für die Vereine „Statut zur 3. Liga“ umfasst 145 Seiten und kann auf der DFB-Webseite heruntergeladen werden. Neben der Wirtschaftlichkeit betreffen viele Punkte auch die Infrastruktur und das Stadion. Beispielsweise muss das Stadion über eine Kapazität von 5000 Plätzen (davon 2000 Sitzplätze) und eine Rasenheizung verfügen, zudem gibt es auch genau festgelegte Anforderungen an das Flutlicht. Alleine der Antrag zur Drittliga-Lizenz kostet übrigens 25.000 Euro.

Was sagen die Nordvereine und wie ist die Lage?

Der TSV Havelse wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt zur Lizenzfrage nicht äußern. „Wir geben grundsätzlich keine Wasserstandsmeldungen ab und möchten uns voll auf das Sportliche konzentrieren, alleine schon aus Fairnessgründen“, erklärte Florian Riedel, Spieler, Sportdirektor und Vorstandsmitglied des TSV. In der Saison 2021/2022 spielte Havelse in der 3. Liga, wich für die Spiele ins Niedersachsenstadion nach Hannover aus und stieg direkt wieder ab. In dieser so erfolgreichen Spielzeit liegt der Zuschauerschnitt aktuell bei 713 Besuchern.

Im August 2024 gab der Klub bekannt, langfristig mit einem finanzstarken Investor sogar die 2. Bundesliga anzustreben. Ob der Verein jetzt schon für das nächste Abenteuer bereit ist, ist derzeit offen. Das Wilhelm-Langrehr-Stadion in Havelse ist nicht drittligatauglich, bis zum Sommer dürfte dies auch kaum hinzubekommen sein. Ein mögliches Ausweichstadion könnte jetzt die Heimspielstätte von Drittligist Hannover 96 II (Eilenriedestadion) sein.

Das sagt Drochtersen/Assel

Die Stadionfrage dürfte auch eine große bei der SV Drochtersen/Assel sein. Der Tabellenzweite erklärte, dass er sich intensiv mit der Drittliga-Lizenz beschäftigt. „Wir schauen uns das ganze Prozedere in diesem Jahr mal genau an und möchten die Lizenz beantragen. Ich würde dann auch anstreben, in unserem Stadion zu spielen. Allerdings läuft sportlich ja alles auf Havelse hinaus, aber Wunder gibt es immer wieder“, erklärte Rigo Gooßen, Präsident und Sponsor von Drochtersen/Assel. Auch bei diesem Projekt müssten sicher noch sehr hohe Investitionen ins Stadion getätigt werden. Die Spielvereinigung konnte im bisherigen Saisonverlauf 857 Fans begrüßen.

Rigo Gooßen (SV Drochtersen/Assel) verfolgt mit seinem Verein ehrgeizige Ziele. Foto: Doden/Emden
Rigo Gooßen (SV Drochtersen/Assel) verfolgt mit seinem Verein ehrgeizige Ziele. Foto: Doden/Emden

Henning Rießelmann hatte schon im Dezember gegenüber unserer Redaktion erklärt, dass ein Aufstieg für Kickers Emden viel zu früh komme und daher die Lizenz in diesem Jahr nicht beantragt werde. An dieser Meinung hat sich auch nichts geändert: „Wir sind in der Regionalliga momentan bestens aufgehoben. Die Dritte Liga ist für uns noch ganz weit weg.“

SV Meppen mit klarer Aussage

Ganz anders sieht die Lage beim Tabellenvierten, dem SV Meppen, aus. Die Emsländer sind auch der einzige Verein aus der Regionalliga-Spitzengruppe, der sich kein großes Kopfzerbrechen um die Infrastruktur und das Stadion machen muss. Das Stadion ist drittligatauglich, die Vereinsstrukturen sind ebenfalls schon auf einem sehr professionellen Niveau, der Zuschauerschnitt mit 5941 Fans schon drittligatauglich. „Wir werden eine Lizenz beantragen und ich gehe auch davon aus, dass es bei uns keine großen Probleme geben wird“, sagte Meppens Sportvorstand Heiner Beckmann.

Heiner Beckmann und der SV Meppen werden sich um eine Drittliga-Lizenz bewerben. Foto: Imago
Heiner Beckmann und der SV Meppen werden sich um eine Drittliga-Lizenz bewerben. Foto: Imago

Möglicherweise spielte die Restchance der Meppener auch in die Überlegungen mit ein, Stürmer Marek Janssen im Winter keine Freigabe für einen Wechsel nach Essen zu erteilen.

Es bleibt nicht nur sportlich spannend, wer aus dem Norden an den Aufstiegsspielen teilnehmen wird.

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