Großprojekt auf der Insel Wie läuft’s bei Borkums Wasserwerk-Neubau?
In den Ostlanddünen entsteht ein neues Wasserwerk, das einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge in den nächsten Jahrzehnten leisten soll. Bis zur Inbetriebnahme ist aber noch einiges zu tun.
Borkum - Wenn Frank Schönball von den Stadtwerken Borkum über die Trinkwasser-Gewinnung auf der Insel spricht, ist er im wahrsten Sinne in seinem Element. Das ist beim Baustellenbesuch in den Ostlanddünen nicht anders. Dort geht der Neubau des Wasserwerks, das in absehbarer Zeit die bisherige, seit 1965 betriebene und technisch in die Jahre gekommene Anlage vis-à-vis ersetzen soll, langsam in die finale Phase.
Zum Zeitpunkt der Stippvisite warten Schönball und die für die Anlagentechnik beauftragte Fachfirma auf einige Einbauplatten. „Teile, die deutschlandweit nicht so leicht zu beschaffen sind, und ohne die man nicht weiterbauen kann“, erklärt Schönball. Er ist mit seinem Kollegen Silas Poppinga bei den Borkumer Stadtwerken für den Bereich Trinkwasser-Erzeugung zuständig und führt durch das neue Gebäude. Auf der To-Do-Liste steht aber noch mehr. 595 Düsen zum Beispiel, mit denen der Boden jedes Filters bestückt werden muss, um später mittels Luft eine Art Whirlpool-Effekt zu erzeugen. Bei insgesamt sechs Filtern wartet da noch reichlich (Hand-)Arbeit.
Die Mikrobiologie muss stimmen
Und selbst wenn die Filterdüsen alle auf Position sind, kann der Betrieb noch nicht starten. „Die Inbetriebnahme eines Wasserwerks heißt nicht einfach ,Knopf an und los‘“, hatte Axel Held, Stadtwerke-Direktor und derzeit Geschäftsführer der Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG), bereits auf der Hinfahrt deutlich gemacht. „Da kommt noch ungefähr zwei Meter Filterkies drauf; der wird maschinell eingebracht“, ergänzt Frank Schönball beim Halt im Filterraum – und er weist darauf hin, wie wichtig es ist, dass der Kies sauber gespült wird, dass Filter und sämtliche Leitungen desinfiziert werden, bakterien- und keimfrei sind, damit überhaupt Wasser reinkommen darf.
Nicht zu vergessen: Die Mikrobiologie in den Filtern muss stimmen, etwa für die Reduzierung des Eisen- und Manganwertes im Rohwasser. Das wird über zahlreiche Brunnen in der Waterdelle und im Ostland aus der Süßwasserlinse in die Wasserwerke in der Hindenburgstraße und im Ostland gepumpt und dort mittels Zugabe von Sauerstoff zu Trinkwasser – dem wie die Stadtwerke betonen „Lebensmittel Nummer 1“ – aufbereitet. Klar, dass die gesetzlichen Vorgaben, Verordnungen, Grenzwerte da besonders streng sind. Aber weil das Trinkwasser auf Borkum zu 100 Prozent aus gesäubertem Regenwasser entstammt, liegt es laut Stadtwerken „ein Vielfaches über den europäischen Mindestanforderungen“.
Ein Projekt für die nächsten Jahrzehnte
Dieser Standard soll natürlich erst recht mit dem neuen Werk gehalten werden, durch das Frank Schönball weiter führt. Durch den Schaltraum, wo der Kabelsalat vom letzten Pressebesuch im Juni mittlerweile in Schränken verschwunden und die Technik an ihrem Platz ist, geht es weiter ins Untergeschoss. Dort sind mächtige Rohre zu finden sowie Durchspül-Wasserpumpen für die Filter. Im ersten Geschoss befindet sich der Gebläseraum. Hier läuft später das Wasser über Kaskaden, wird belüftet, während Methan und stinkender Schwefelwasserstoff ausgeblasen werden, erläutert Frank Schönball, der aufgrund des großen Halls im Raum nur schwer zu verstehen ist. Einen ähnlichen Soundeffekt gibt es wenig später nach Betreten von einem der drei Reaktionsbecken (Fassungsvermögen jeweils rund 300 Kubikmeter) im „Keller“ des Neubaus. Auch hier sorgt der Spezialbeton für ein unüberhörbares Echo.
Wenn die neue Anlage läuft, werden Frank Schönball und sein Kollege nicht jeden Tag vor Ort sein, aber mehrmals pro Woche zum Filterspülen, zur Kontrolle, für Reparaturen. Einen Tag X, an dem das alte Wasserwerk komplett abgeschaltet und das neue alleine übernehmen wird, können Axel Held und Frank Schönball noch nicht nennen. Vielmehr wird es wohl zunächst einen Parallelbetrieb geben, bis mit der neuen Anlage alles so läuft wie gewünscht. In der sollen künftig dann über drei Millionen Liter Wasser am Tag aufbereitet werden – und das für Jahrzehnte. Axel Held hatte in der Vergangenheit mehrfach die generationsübergreifende Bedeutung des Neubaus betont, der einen zentralen Bestandteil der Daseinsvorsorge auf der Insel darstelle.
Kosten liegen jetzt bei rund acht Millionen Euro
Bei der Umsetzung des Großprojektes – die Planungen dauerten über zehn Jahre – machten sich unter anderem aber auch die allgemeinen Preissteigerungen bemerkbar. War zunächst immer von rund sechs Millionen Euro Kosten die Rede, werden jetzt um die acht Millionen Euro veranschlagt, bestätigt Axel Held. Die Zahl hatte auch Bürgermeister Jürgen Akkermann zuletzt schon öffentlich genannt.