Ostfriese glänzt mit Holstein Kiel So erlebte Lasse Rosenboom die Sensation gegen Dortmund
Der Willmsfelder ist derzeit Stammspieler beim Aufsteiger, der einen der größten Siege der Klubgeschichte feierte. Der 22-Jährige sprach mit uns über das 4:2, die Saison und einen Dortmunder Star.
Kiel - Dieser für Holstein Kiel epische Fußballabend setzte auch bei Lasse Rosenboom Energie frei. Als Borussia Dortmund am Dienstag, 14. Januar, in Überzahl auf das 3:3 drängte und Kiels Fiete Arp nach einem abgewehrten Eckball aus der eigenen Hälfte Richtung verwaistes BVB-Tor sprintete, eilte wenige Meter dahinter auch Mitspieler Rosenboom im Höchsttempo hinterher – in der 96. Minute. Arp traf schließlich aus rund 50 Metern zum 4:2-Endstand und Lasse Rosenboom war einer der ersten Gratulanten von Arp vor dem Fanblock.
„Es war ein toller Fußballabend, der etwas von einem DFB-Pokalspiel hatte. Es war alles ganz besonders, auch die Atmosphäre“, sagte der ostfriesische Bundesliga-Profi nach der Kieler Sensation im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Ostfriese selbst durfte diese aus der Spieler-Perspektive erleben. Zum fünften Mal in Folge stand der 22-Jährige in der Startelf, hielt seine rechte Seite dicht und bereitete das zwischenzeitliche 2:0 durch Phil Harres mit einer tollen Flanke vor. Es war Rosenbooms erste Bundesliga-Torvorlage – sein erstes Bundesliga-Tor hatte er kurz vor Weihnachten beim 5:1 gegen den 1. FC Augsburg geschossen.
Jamie Gittens als Gegenspieler
Die Kieler sind einer der größten Außenseiter der Bundesliga-Historie. Bis kurz vor Weihnachten hatten sie in 14 Spielen auch nur fünf Punkte gesammelt, hier und da aber auch knapp verloren. Nun war das 4:2 gegen den letztjährigen Champions-League-Finalisten Dortmund der zweite Sieg aus den vergangenen drei Spielen. Beim 2:3 in Freiburg am vergangenen Samstag vergab Fiete Arp kurz vor Schluss noch die Großchance zum 3:3. „Wir haben uns inzwischen an das höhere Tempo gewöhnt und machen das als Mannschaft zusammen auch immer besser“, erklärt Lasse Rosenboom, der in elf von 17 Bundesligaspielen auf dem Feld dabei war. Sechsmal in der Startelf, fünfmal als Joker (zwei Halbzeit-Einwechslungen).
Der Coup gegen den BVB war nun der bisherige Saisonhöhepunkt der Kieler Störche, die zur Pause 3:0 führten. „Das hatte man sich natürlich im Vorfeld so nicht ausmalen können. Es war auch klar, das Dortmund nochmal den Druck erhöhen wird“, so Rosenboom, der eine der schwierigsten Aufgaben hatte. Sein Gegenspieler war Jamie Gittens, der vermutlich in der Zukunft kommende Mega-Transfer des BVB in die Premier League. Der 20-jährige Engländer ist wieselflink, trickreich und torgefährlich. „Das ist ein unfassbarer Eins-gegen-Eins-Spieler. Er war auch der bisher beste Gegenspieler von mir überhaupt. Alles ist nochmal schneller“, sagt Lasse Rosenboom, der aus Willmsfeld bei Westerholt stammt. „Zusammen haben wir das aber gut verteidigt. Alles kann man gegen so einen Mann, der auch in der Champions League Leute stehen lässt, nicht verhindern.“
Starke Kicker-Noten
Gittens traf mit seinem siebten Saisontor in der Schlussphase zum 2:3. Zu mehr reichte es für den BVB nicht mehr, bei dem seit dem Abpfiff Krisen-Stimmung herrscht. Ganz anders ist die Laune bei den Kielern um Lasse Rosenboom, der im Sommer 2023 vom Regionalliga-Absteiger Werder Bremen II zum Zweitligisten Holstein Kiel wechselte – und anderthalb Jahre später nun momentan Bundesliga-Stammspieler ist. Seine Entwicklung steht exemplarisch für den Kieler Weg, junge Talente zu entwickeln. Nach elf Zweitliga-Einsätzen (meist als Joker) hat er nun nach der Hälfte der Saison schon genau so viele Erstliga-Spiele absolviert. „Es ist schön, das Vertrauen des Trainers zu spüren“, sagt der Außenspieler.
„Bessermacher“ Marcel Rapp stellte Rosenboom auch nach einem schwächeren Spiel bei in Mönchengladbach (Kicker-Note 5,5) im nächsten Spiel direkt wieder auf. Rosenboom dankte es gegen Augsburg mit einer starken Leistung (Note 2,0), die er nun auch gegen Dortmund (2,5) zeigte.
Besuch beim Aurich-Cup
Der heimatverbundene Ostfriese tankte in der Winterpause Kraft in der Heimat, besuchte die Familie und Freunde in Willmsfeld für mehr als eine Woche – am 1. Januar startete schon wieder das Training. Seine gestiegene Bekanntheit bekam Lasse Rosenboom auch beim Aurich-Cup zu spüren. Als er sich interessiert die Jugendmannschaft seines Bruders Finn (D2 TuS Esens) anschaute, war er auch schnell von Autogramm- und Selfiejägern umgeben. Geduldig erfüllte der Ostfriese alle Wünsche und schaute am Abend noch Herrenspiele seines Heimatvereins TuS Holtriem.
Nach dem Sensationssieg gegen Dortmund ist der Glaube an ein „Klassenerhalts-Wunder“ präsenter denn je. „Der Glaube war auch nach Niederlagen aber nie weg“, sagt Rosenboom. An diesem Samstag, 18. Januar, nun steht das Kellerduell gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) an, wieder ein Heimspiel. Mit einem Sieg könnte der Aufsteiger die direkten Abstiegsplätze verlassen, der Rückstand beträgt nur drei Punkte. Das wäre für Lasse Rosenboom doch ein passendes Geburtstagsgeschenk an sich selbst. Am Sonntag, 19. Januar, feiert der Ostfriese mit der Familie und seiner Freundin in Kiel seinen 23. Geburtstag.