Verein in Not  Paukenschlag – Borssum, Larrelt und Co. verlassen JFV Emden

| | 14.01.2025 11:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Domizil des JFV Eintracht Emden befindet sich im Emder Herrentorviertel. Seit gut zehn Jahren ziert das Eintracht-Wappen die Eingangspforte. Fotos: Doden
Das Domizil des JFV Eintracht Emden befindet sich im Emder Herrentorviertel. Seit gut zehn Jahren ziert das Eintracht-Wappen die Eingangspforte. Fotos: Doden
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BW Borssum wird künftig wieder mit eigenen Fußballteams von der C- bis zur A-Jugend antreten. Auch Larrelt, Wybelsum und Twixlum stehen vor dem Absprung beim JFV, dessen Existenz in Gefahr gerät.

Emden - Am 14. Mai 2024 beging der Jugendförderverein (JFV) Eintracht Emden den 10. Geburtstag. Ob nach dem 11. Ehrentag im Frühjahr noch viele hinzukommen, scheint nach den aktuellen Entwicklungen äußerst fraglich. Denn BW Borssum wird definitiv im Sommer den Jugendförderverein verlassen und wieder eigene Mannschaften im Spielbetrieb anmelden. Und aller Voraussicht nach gehen SF Larrelt, SV Wybelsum und TB Twixlum denselben Weg. „Die Tendenz geht dahin“, sagt Erich Saueressig als Jugendleiter und 2. Vorsitzender der Sportfreunde Larrelt. Der Eintracht-Vorsitzende Tom Sprengelmeyer will von einem möglichen Aus des JFV Eintracht beim Wegfall von vier Klubs aber nicht sprechen. „Das muss man sehen – wir sind gerade in der Findungsphase.“

Längst in die Wege geleitet hat hingegen BW Borssum die zukünftige Jugendarbeit. „Wir werden eigene Mannschaften bei der A-, B- und C-Jugend stellen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Stefan Klaassen. Und auch die Trainerteams stehen dafür laut Klaassen schon zu „80 bis 90 Prozent“ fest. Die Blau-Weißen versprechen sich durch die älteren Jugendteams in Eigenregie langfristig größeren Vorteile für die Herrenmannschaften. Christian Fraas vom BW-Vorstand nennt ein Beispiel: „Im vergangenen Sommer haben wir nur einen Spieler aus der JFV-A-Jugend für die Herren bekommen. Im kommenden Sommer wird es kein einziger sein.“

Borssum nennt JFV-Probleme

Solch einen „Ertrag“ halten die Borssumer für dürftig. „Wir übergeben dem JFV immer eine komplette D-Jugend. Da müssten nach der A-Jugend eigentlich mehr Spieler für uns übrig bleiben.“ Stefan Klaassen nennt ein grundsätzliches Problem: „In den Jahren beim JFV geht bei den Jugendlichen die Identifikation mit dem Verein verloren.“ Deshalb ist es kein Automatismus, dass sie als Herrenspieler zu ihren Stammvereinen zurückkehren.

Der JFV Eintracht Emden verfügt auch über einen Kunstrasen. Den dürfen auch die Herrenteams der Stammvereine (hier BW Borssum im Spiel gegen Bunde) nutzen.
Der JFV Eintracht Emden verfügt auch über einen Kunstrasen. Den dürfen auch die Herrenteams der Stammvereine (hier BW Borssum im Spiel gegen Bunde) nutzen.

Neben den Borssumern stehen auch SF Larrelt, SV Wybelsum und TB Twixlum – diese drei Vereine bilden von der G- bis zur D-Jugend die JSG Emden-West – vor dem Absprung beim Jugendförderverein. Die Eintracht würde dann mindestens vier der acht Stammvereine verlieren. Das ist besonders bitter, weil diese vier Klubs den Großteil der Jugendspieler beim JFV stellen. Auf dem Papier verbleiben derzeit noch Amisia Stern Wolthusen, SV Petkum, FT 03 Emden und SuS Emden im JFV. „Vielleicht können wir ja den JFV irgendwie in abgespeckter Form fortführen“, hat Tom Sprengelmeyer noch Hoffnung. Derzeit existieren beim JFV eine A- und eine B-Jugend, drei C-Jugendteams sowie zwei Mädchenmannschaften (B- und C-Juniorinnen).

Kinderboom bei Blau-Weiß

Ohne Jugendliche aus Borssum und Emden-West wird der JFV bei den Jungen kaum noch eine A- und eine B-Jugend melden können. Dagegen boomt es aktuell bei BW Borssum. „Wir haben unfassbar viele Kinder“, sagt Stefan Klaassen. So gehen aktuell neun Teams von der G- bis zur D-Jugend für die Blau-Weißen auf Torejagd.

Der Borssumer Christian Fraas gehört zu den Mitgründern des JFV Emden.
Der Borssumer Christian Fraas gehört zu den Mitgründern des JFV Emden.

Auch die JSG Emden-West klagt nicht über Nachwuchsmangel. Sieben Teams mit jungen Kickern sind gemeldet. Zur neuen Saison würden die „Westler“ vermutlich eine eigene C-Jugend auf die Beine stellen können. Für eine B- und eine A-Jugend wird es laut Saueressig nicht reichen. Trotzdem möchte man den JFV Eintracht verlassen. „Bei uns kommen als zusätzlicher Grund noch die weiten Wege hinzu.“ Die Jugendlichen müssen von Wybelsum, Larrelt oder Twixlum bis zum Sportgelände der Eintracht im Herrentorviertel gefahren werden. Das sei natürlich auf Dauer ein beträchtlicher Aufwand.

Die Auflösungserscheinungen des JFV schmerzen ihn genauso wie den Borssumer Christian Fraas. „Ich gehöre zu den Mitbegründern“, sagt Fraas. „Aber ich muss auch einsehen, dass der JFV mittlerweile keine Riesenerfolgsgeschichte mehr ist.“

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