Nachlese zur Kreismeisterschaft Uplengens Hallencoup ließ den Trainer in London jubeln
Einen packenden Finaltag erlebten die Zuschauer. Ein Firreler verließ wie geplant vorzeitig das Turnier. Und beim VfB führte der Co-Trainer Regie, der auch abseits der Halle ein Abenteuer erlebte.
Leer - Im Januar 2024 war Steffen Drewer so weit entfernt von der Heimat wie der VfB Uplengen jahrelang dem Leeraner Hallen-Kreismeistertitel. Der ehemalige VfB-Fußballer befand sich mit seiner Freundin in einem selbst umgebauten Ford-Transit-Camper auf einjähriger Europareise. Zwölf Monate später erlebte er als verantwortlicher Co-Trainer nun eine sportliche Abenteuertour in der Leeraner BBS-Halle, an dessen Ende für den Ostfrieslandligisten VfB Uplengen am Samstag überraschend der Leeraner Futsal-Kreismeistertitel stand.
Das im Achtmeterschießen gewonnene Endspiel gegen Bezirksligist Concordia Ihrhove war erst wenige Minuten abgepfiffen und die Siegerehrung in den letzten Vorbereitungen, da ging Steffen Drewer mit dem Handy in der Hand freudestrahlend durch die Spielerreihen. Trainer Carsten Gündel wollte per Videoanruf Gratulationen loswerden. Er weilt noch bis Dienstag mit seinem Kumpel Hauke Specht (Torjäger BW Filsum) in London, schaut mehrere Premier-League-Spiele. Doch viel mehr Freude als Tottenham Hotspur gegen Newcastle United (1:2) bereiteten ihm – im Liveticker verfolgend – die VfB-Spiele gegen SV Holtland/Brinkum (3:3), Germania Leer (4:1), Concordia Neermoor (2:0), TV Bunde (1:0) und Concordia Ihrhove (3:2 nach Achtmeterschießen) im fernen Leer. „Dass die Jungs das so abgerockt haben, ist einfach nur krass. Gratulation an die Mannschaft und an Steffen“, teilte Gündel aus London mit.
Uplengen glänzt als Team
Historisch war der Sieg des VfB allemal. Ob es schon mal einen Sieg gab, wusste keiner der Beteiligten mehr. Wenn, muss er sehr, sehr lange zurückliegen, wie auch der 36-jährige Marko Terviel sagte. Für ihn war es am Samstag jedenfalls eine Premiere. „Wir haben es als Team echt gut gemacht“, sagte der Routinier.
Das war auch schon in der Vorrunde am 27. Dezember so, wie Bundes Fußballobmann Bernhard Lübbers bei der Siegerehrung betonte. Sein TV Bunde hatte die viertägige Veranstaltung mit drei Vorrundenspieltagen und dem Finaltag am Samstag mit zwölf Teams wieder einmal bestens organisiert. Das Publikum dankte es mit vollen Tribünen. Auch wenn Titelverteidiger TV Bunde (3.) und die Landesligisten GW Firrel (4.) und Germania Leer (Zwischenrunden-Aus) favorisiert waren, rechnete sich der VfB nach dem starken Vorrundenauftritt durchaus etwas aus. „Wir hatten hier viel vor. Dass es dann sogar zum Turniersieg reichte, ist super“, sagte Steffen Drewer.
Und so verlief der fünfstündige Finaltag an dem aus den drei Zwischenrunden-Vierergruppen die Gruppensieger und der beste Gruppenzweiter ins Halbfinale einzogen.
Gruppe A
Für den Holter SV (1 Punkt) und Fortuna Veenhusen (3 Punkte ) war der Halbfinal-Traum früh geplatzt. Spannend ging es in der Gruppe dennoch zu. Im letzten Spiel traf Bezirksligist TV Bunde (6 Punkte) auf den SV Jheringsfehn/Stikelkamp/Timmel. Der Ostfrieslandligist hätte mit einem Sieg Bunde noch den Halbfinal-Platz „wegschnappen“ können. In einem am Ende wilden Spiel führte der SV 2:1 und 3:2. Mit einem Doppelpack kurz vor Schluss wendete Steffen Buse das Blatt noch für den Titelverteidiger. Sein Bruder Christoph traf ebenfalls doppelt und kassierte in der Partie zweimal eine Zwei-Minuten-Strafe. Das gleiche widerfuhr in der Gruppe B auch dem Germanen Zolfaqhar Nazari.
Gruppe B
Uplengen gewann die Gruppe mit sieben Punkten souverän, auch wenn es sehr spannend zuging. Theoretisch hätte Neermoor im letzten Spiel gegen Uplengen noch von Platz vier auf eins springen können – mit einem Sieg mit drei Toren Differenz. Doch dieses „Wunder“ lag nicht in der Luft, der VfB gewann souverän 2:0.
Besonders beim 4:1 gegen Landesligist Leer ließ der Kreisligist aufhorchen. Der Landesligist siegte gegen Neermoor 2:1 und kam im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Holtland/Brinkum nur zu einem 2:2. Beide Teams benötigten einen Sieg, um noch hoffen zu dürfen. Der SV schied mit drei Remis ungeschlagen aus.
Gruppe C
Der spielfreudige Landesligist GW Firrel marschierte mit drei klaren Siegen bei einem Torverhältnis von 13:4 durch die Gruppe. Bezirksligist Concordia Ihrhove schaffte das Kunststück, nach einem 2:5 zum Start gegen Firrel noch als bester Gruppenzweiter ins Halbfinale einzuziehen. Dank zweier Siege gegen Stern Schwerinsdorf (5:1) und TV Bunde II (1:0).Bei GW Firrel spielte Manuel Suda nur die ersten beiden Spiele mit. Dann düste er nach Wilhelmshaven, wo der andere Teil der Mannschaft bei einem Turnier von Frisia Wilhelmshaven mitwirkte. „Das war auch so abgesprochen“, verriet GW-Trainer Bernd Grotlüschen. In Wilhelmshaven feierte Firrel am späten Samstagabend den Turniersieg.
Halbfinale
Im ersten Halbfinale traf der VfB Uplengen durch Malte Sandersfeld schon nach 24 Sekunden zum 1:0 – ein weiterer Treffer in der zwölfminütigen Spielzeit fiel nicht mehr. Titelverteidiger TV Bunde kam kaum zu gefährlichen Aktionen.
Ebenfalls spannend, aber dramatischer verlief Halbfinale Nummer zwei. Der Spielplan wollte es so, dass GW Firrel (Gruppensieger C) und Concordia Ihrhove (bester Zweiter) wieder aufeinandertrafen. Die Führung des Favoriten durch Steffen Busemann konterte Ihrhove mit drei Toren von Kevin Kalabin, dem mitspielenden Trainer Christian van Hoorn und Ole Janssen. Der starke Concordia-Torwart Florian Hillebrand parierte anschließend stark, wurde dann aber doch noch zweimal bezwungen. Eine Minute vor Schluss traf der bärenstarke Reinhard Grotlüschen, eine Sekunde (!) vor dem Abpfiff Torben Lange zum 3:3 – Achtmeterschießen. Nach je drei Schützen pro Team hatte Ihrhove 2:1 gewonnen.
Spiel um Platz drei
Dieses wurde im Achtmeterschießen ausgetragen. Hier setzte sich der TV Bunde mit 5:4 gegen Firrel durch und sicherte sich so noch eine Geld-Prämie von Turniersponsor Sparkasse Leer-Wittmund.
Endspiel
Ein spannendes Endspiel ohne Treffer in der regulären Spielzeit sahen die rund 300 Zuschauer. Und das, obwohl die Concordia sechs der 15 Finalminuten in Unterzahl spielen musste. Hennes Janssen, Marek Akkermann und Rene Akkermann hatten jeweils Zwei-Minuten-Strafen kassiert. So kam es zum Achtmeterschießen. Die ersten zwei Schützen jedes Teams trafen: Hendrik Jünke und Malte Sandersfeld für den VfB, Rene und Marek Akkermann für Condordia.
Weil dann Marko Terviel den Ball bei seinen Achtmeter über das Tor donnerte, bot sich Henk Graalmann die Chance zum Ihrhover Siegtreffer. Aber VfB-Keeper Jan Ebbers parierte. Als es dann mit den Schützen von vorne losging, Hendrik Jünke für den VfB zum 3:2 verwandelt hatte und Ebbers den Achtmeter von Rene Akkermann pariert hatte, stand der Kreismeistertitel des VfB Uplengen fest. Es folgten großer Jubel in der Leeraner BBS-Halle – und im fernen London in einer U-Bahn-Station bei Carsten Gündel.