Unternehmen im Porträt  In vielen Häusern stecken Fenster und Türen aus Hesel

| | 06.10.2024 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Ein Mitarbeiter bereitet die fertiggestellten Fenster für den Transport vor. Foto: Ortgies
Ein Mitarbeiter bereitet die fertiggestellten Fenster für den Transport vor. Foto: Ortgies
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Fenster und Türen sind Teil eines jeden Hauses. Hergestellt werden sie unter anderem in Hesel. Wir durften beim Fenster- und Türenwerk Diedrich Schröder hinter die Werkstore schauen.

Hesel - Betritt man die Ausstellungsräume vom Fenster- und Türenwerk Diedrich Schröder im Heseler Gewerbegebiet Wehrden-Ost, blickt man auf zahlreiche Türen und Fenster, die dort als Muster ausgestellt werden. Manche sind klassisch, andere sehr modern. Einige Meter weiter sind in einem hohen großen Raum ganze Hauswände mit Winter- und Sommergärten ausgestellt. Doch wie werden die Türen oder Fenster, ob aus Holz, Kunststoff oder Aluminium, eigentlich produziert und wie hat sich das Familienunternehmen entwickelt? Wir durften uns im Werk umsehen.

Marco Olthoff leitet zusammen mit Hendrik Schröder das Unternehmen. Das Bild zeigt ihn in den Ausstellungsräumen. Foto: Ortgies
Marco Olthoff leitet zusammen mit Hendrik Schröder das Unternehmen. Das Bild zeigt ihn in den Ausstellungsräumen. Foto: Ortgies

In der ersten Produktionshalle ist der Geräuschpegel relativ hoch. Um sich zu unterhalten, muss man lauter reden. Fenster, Türen oder auch Hebeschiebetüren werden hier hergestellt. Allerdings sieht man in diesem Produktionsbereich für Kunststoff-Produkte nur wenige Mitarbeiter. Geschäftsführer Marco Olthoff führt uns vorbei an etwa 15 bis 20 Meter langen, automatisierten Maschinen, den sogenannten Bearbeitungszentren. Davon stehen zwei Stück in dieser Halle.

Berufe im Unternehmen

Berufsfelder

Laut Geschäftsführer Marco Olthoff arbeiten im Unternehmen unterschiedlich ausgebildete Angestellte – vom Betriebswirt, über Bürokaufleute, Techniker bis hin zum IT-Mitarbeiter sowie vor allem Tischler, Metallbauer und Monteure.

Ausbildungsberufe

  • Tischler in einer Verbundausbildung (m/w/d)
  • Metallbauer mit Fachrichtung Konstruktionstechnik (m/w/d)
  • Fachkraft für Lagerlogistik (m/w/d)
  • Büromanagement (m/w/d)

Ein optimiertes, chaotisches System

In einem großen Regalsystem liegen die unbearbeiteten Kunststoffprofile, die 6,50 Meter lang sind. „Diese liefert uns die Firma Veka aus dem Münsterland“, sagt Olthoff. Schüco stellt hingegen das Material für die Aluminium-Elemente her. Die Scheiben kommen laut dem Geschäftsführer von Semco in Westerstede und Schüt-Duis in Aurich.

In einem großen Regalsystem liegen die unbearbeiteten Kunststoffprofile. Foto: Ortgies
In einem großen Regalsystem liegen die unbearbeiteten Kunststoffprofile. Foto: Ortgies

„Die Kunststoffprofile werden frühzeitig vor Produktionsbeginn in die Halle gebracht zur Akklimatisierung. Insbesondere im Winter ist das sehr wichtig“, erklärt Olthoff. Die Profile sind unterschiedlich, je nachdem ob es sich um einen Fensterflügel oder -rahmen handelt. Ein Mitarbeiter nimmt die Stange aus dem Regal und legt sie in den vorderen Bereich des Bearbeitungszentrums. „Wir arbeiten hier in einem optimierten, chaotischen System“, sagt Olthoff. Das bedeutet, dass nicht erst alle Teile für ein Produkt nacheinander hergestellt werden. „Wir fertigen kein Fenster am Stück“, sagt Olthoff. Stattdessen errechne ein Computer, wie man aus dem Rohmaterial möglichst viele Teile für die Produkte bekommt. „Ziel ist es, möglichst wenig Verschnitt aus einer Stange zu haben“, erklärt der Geschäftsführer.

Zwei große Bearbeitungszentren stehen in dieser Produktionshalle. Foto: Ortgies
Zwei große Bearbeitungszentren stehen in dieser Produktionshalle. Foto: Ortgies

Alter Unternehmenssitz im Heseler Ortskern

Das Unternehmen ist mittlerweile 77 Jahre alt. Angefangen hat alles 1947 im Ortskern von Hesel – genauer gesagt an der Ecke Lindenstraße/Ulmenstraße. Der mittlerweile verstorbene Diedrich Schröder gründete damals eine Stellmacherei. Er spezialisierte sich 1955 auf die Fertigung von Fenstern, Türen und den Innenausbau. 1967 stieg sein Sohn Erwin Schröder in das Unternehmen ein und übernahm 1974 schließlich die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung wurde das Fenster- und Türenwerk immer weiter ausgebaut und die Produktionsstätten erweitert. Da es am alten Standort keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gab, zog das Unternehmen 1995 ins Gewerbegebiet Wehrden-Ost um. Es wurde eine rund 5.000 Quadratmeter große Produktions-, Ausstellungs- und Verwaltungsfläche errichtet.

Der Unternehmenssitz des Fenster- und Türenwerks Diedrich Schröder befindet sich im Heseler Gewerbegebiet Wehrden-Ost. Foto: Ortgies
Der Unternehmenssitz des Fenster- und Türenwerks Diedrich Schröder befindet sich im Heseler Gewerbegebiet Wehrden-Ost. Foto: Ortgies

2013 übergab Erwin Schröder die Geschäftsführung an die nächste Generation. Sein Sohn Hendrik Schröder und Marco Olthoff sind seitdem für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Im Sommer 2015 wurde ein neues Lager- und Logistikzentrum gebaut sowie die Produktionshalle erweitert. Im Frühjahr 2020 zog schließlich auch die Holzverarbeitung aus dem Heseler Ortskern in eine neue Halle im Gewerbegebiet. In diesem Jahr wurde die Produktionsfläche nochmals erweitert.

Rund 150 Mitarbeitende im Schnitt bei Fenster Schröder

Weit mehr als 90.000 Fenster- und Türeneinheiten können jährlich hergestellt werden, so Olthoff. Über 140 Mitarbeitende sind im Durchschnitt in der Unternehmensgruppe tätig. „Wir sind einer der wenigen Betriebe, die alle Rohstoffe verarbeiten – sei es Aluminium, Holz oder Kunststoff“, erklärt der Geschäftsführer. In Ostfriesland gibt es nur noch wenige Betriebe, die im großen Stil Fenster und Türen herstellen – darunter das Wiesmoorer Unternehmen Traba und das Fenster- und Türenwerk Diedrich Schröder. Hinzu kommt in Hesel unter anderem der Bau von Winter- und Sommergärten. Das sei aber ein Saisongeschäft. „Wenn die Sommer eher durchwachsen sind, werden sie stärker nachgefragt“, erklärt der Geschäftsführer.

Im Bearbeitungszentrum werden die Kunststoffprofile zugeschnitten. Foto: Ortgies
Im Bearbeitungszentrum werden die Kunststoffprofile zugeschnitten. Foto: Ortgies

Nachdem die Kunststoffprofile in der Halle zugeschnitten wurden, wird maschinell eine Stahlverstärkung eingesetzt und anschließend verschraubt. Auch das Anbringen einzelner Fensterbeschläge erfolge mittlerweile automatisch. „Früher haben das alles noch Mitarbeiter händisch gemacht“, erklärt Olthoff. Ein Roboterarm sortiert schließlich die Profile in einen Fächerwagen. „Wenn dieser voll ist, kann ein Mitarbeiter ihn zum nächsten Arbeitsbereich fahren“, erläutert der Geschäftsführer.

Profile werden zusammengeschweißt

In diesem Bereich der Halle wird es nun deutlich leiser. Hier werden die vier Profile mit hohen Temperaturen verschweißt. „Die Anlage erkennt, ob alles perfekt zusammenpasst und die Maße stimmen“, so Olthoff. Sollte es in Ausnahmefällen nicht der Fall sein, arbeite sie entweder direkt selbst nach oder – falls es nicht möglich ist – gebe sie einen Hinweis an den Mitarbeiter. Passt alles, werde im Anschluss die Schweißwulst abgefräst.

Ein Mitarbeiter bearbeitet einen Blendrahmen. Foto: Ortgies
Ein Mitarbeiter bearbeitet einen Blendrahmen. Foto: Ortgies

„Im Gegensatz zu den Kunststoffprodukten in dieser Halle ist bei den Holz- und Aluminiumprodukten deutlich mehr Handarbeit notwendig“, erklärt Olthoff. „Dort wird noch nicht so industriell gearbeitet“, sagt der Geschäftsführer. Produziert wird unter der Woche von 7 bis 15.45 Uhr.

Holz-Aluminium-Kombinationen im Denkmalschutz gefragt

„In Ostfriesland ist die Nachfrage nach Holzfenstern eher geringer“, so Olthoff. Anders sehe es aber beispielsweise in Bremen und Hamburg aus. „Dort werden Holz- und Holz-Aluminium-Kombinationen immer mehr nachgefragt“, sagt der Geschäftsführer, „vor allem in Bereichen mit Denkmalschutz.“ Die Aluminium-Seite befindet sich dabei außen und ist witterungsbeständig, auf der Innenseite ist hingegen Holz.

An dieser Anlage (im Hintergrund) werden die vier Profile mit hohen Temperaturen verschweißt. Foto: Ortgies
An dieser Anlage (im Hintergrund) werden die vier Profile mit hohen Temperaturen verschweißt. Foto: Ortgies

Die Nachfrage nach Fenster und Türen für Neubauten sei in den vergangenen Jahren – vor allem nach den angekündigten Einsparungen durch die Bundesregierung Ende 2022 – merklich zurückgegangen, sagt Olthoff. Das betreffe vor allem den privaten Sektor. Dort seien die meisten Kunden mittlerweile Bauträger. Im privaten Bereich sei 2023 zunächst auch die Nachfrage für Sanierungsarbeiten zurückgegangen. „Das hat sich aber erholt“, sagt der Geschäftsführer. „Früher hatten wir deutlich mehr Lieferungen für Neubauten, heute ist es eher der Sanierungsbereich.“

Der Transport in der Produktion wurde automatisiert

Selbst hat das Unternehmen vor zwei Jahren in eine 90-KW-Photovoltainkanlage auf dem Dach investiert. „Das deckt über das Jahresmittel einen Großteil unseres Energiebedarfs“, sagt Olthoff. Zudem werde die Druckluft, mit der in der Produktion gearbeitet werde, für die Wärmeerzeugung genutzt. Auch in die Automatisierung des Transports von Arbeitsbereich zu Arbeitsbereich habe man investiert. So nimmt beispielsweise ein Wagen die fertigen Bauteile auf und bringt zum nächsten Bearbeitungsschritt. „Durch die Investitionen konnten wir unsere Produktionseinheiten deutlich ausbauen“, sagt der Geschäftsführer.

In einem Ausstellungsraum kann man sich Fenster- und Türenmodelle anschauen. Foto: Ortgies
In einem Ausstellungsraum kann man sich Fenster- und Türenmodelle anschauen. Foto: Ortgies

Wenn sowohl Flügel als auch Rahmen fertiggestellt sind, kommt es zur sogenannten Hochzeit. „Dabei wird der Flügel in den Rahmen gehängt“, so Olthoff. Dann ist der Großteil der Produktion erledigt. Was noch fehlt, ist die Scheibe. Die Scheiben werden in einem anderen Bereich der Halle fertig angeliefert und dort überprüft. Der Hintergrund der Wand ist dabei schwarz. Mit einem grünlichen Licht wird die Scheibe beleuchtet. „Dadurch kann der Mitarbeiter Verunreinigungen im Glas erkennen“, erläutert der Geschäftsführer. Im Anschluss geht die Scheibe zur Glassortieranlage. „Die kann mehr als 300 Scheiben aufnehmen“, sagt Olthoff. Ein Roboter setzt schließlich die Scheiben vollautomatisch in die Bauteile ein.

Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben

Für besondere Aufträge gibt es in dieser Halle noch eine spezielle Abteilung, den Sonderbau. Auch die Kunststofftüren werden nach Fertigstellung des Rahmens in einem eigenen Bereich bearbeitet und fertiggestellt.

Diese Fenster wurden für den Transport vorbereitet. Foto: Ortgies
Diese Fenster wurden für den Transport vorbereitet. Foto: Ortgies

In der Logistik werden die Fenster schließlich für den Transport vorsortiert. Fenster Schröder ist in der Region zum einen selbst in der Montage tätig, arbeitet aber auch mit Dachdeckerbetrieben und Tischlereien zusammen. „In diesem Bereich sind wir auch überregional unterwegs“, sagt Olthoff. Wer allerdings wissen will, ob die eigenen Fenster oder Türen in Hesel produziert wurden, muss genau hinschauen. „Den Namen findet man nicht mehr in den Produkten“, sagt Olthoff. Das liege vor allem daran, dass man auch für Handwerksbetriebe produziere. An einem Merkmal erkennt man es aber doch: Das Logo des Traditions-Unternehmens ist auf den Beschlägen zu sehen.

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