„Mini-Undav“ aus Bremen Was macht Nikky Goguadze? Auch Kickers Emden klopfte an
2018 kam der Niederländer nach Leer, um irgendwann Profi zu werden. Sechs Jahre später ist er als Deutschlands erfolgreichster Regionalliga-Stürmer kurz davor. Er sprach mit uns über seine Zukunft.
Bremen/Emden - Ein klein bisschen ähnelt die Geschichte von Nikky Goguadze der von Deniz Undav. Der Nationalspieler und heutige Profi vom VfB Stuttgart musste einige Anläufe nehmen und Umwege gehen, um seinen Bundesliga-Traum zu erfüllen. Auf dem langen Weg in die größten Arenen in München, Dortmund oder Madrid machte er Station beim TSV Havelse, Eintracht Braunschweig II und dem SV Meppen. In der Vita von Nikky Goguadze, der Profi werden will, stehen unter anderem Germania Leer, Grün-Weiß Firrel und Kickers Emden. Doch nach 18 Toren in 19 Regionalliga-Spielen ist der Stürmer des Bremer SV möglicherweise ein Profi-Kandidat für den VfL Osnabrück, Hansa Rostock oder Rot-Weiss Essen.
Lose Anfragen aus der 3. Liga hat der 26-Jährige schon entgegengenommen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verriet. „Ja, die gab es. Aber Vereine nenne ich nicht“, so der Mann aus den Niederlanden, der georgische Wurzeln hat. Seine beiden Brüder George und David sind in Ostfriesland auch ein Begriff, spielten ebenfalls in Leer, Firrel und Emden. Verteidiger David ist inzwischen wieder bei Grün-Weiß Firrel aktiv.
Was läuft mit Kickers?
Einen Berater hat Nikky Goguadze nicht. „Meine Brüder unterstützen mich bei Anfragen“, sagt der schnelle und schussstarke Angreifer, der seine Tore auch gerne mal mit einem Salto feiert. Das dürften auch noch die Fans von Kickers Emden wissen. Ab Sommer 2021 spielte er ein halbes Jahr für Kickers in der Oberliga, erzielte in 18 Pflichtspielen immerhin neun Treffer und war Stammspieler.
Als der Bremer SV vor wenigen Wochen in Emden 1:3 verlor, erzielte natürlich Nikky Goguadze mit einer schönen Direktabnahme nach einer Ecke die Bremer Führung. Auch er hat inzwischen mitbekommen, was sich in Emden entwickelt hat und welche Ziele der Regionalligist mit dem ambitionierten Henning Rießelmann verfolgt. Goguadze bestätigte auf Nachfrage, dass Kickers für einen Wechsel nach Emden bei ihm vorgefühlt habe. „Ich habe aber abgesagt. Innerhalb der Regionalliga möchte ich nicht wechseln“, so der Stürmer.
Keine Impfung, keine Kickers-Zukunft
Emden musste er im Januar 2022 inmitten der Corona-Pandemie verlassen, weil er und seine Brüder nicht geimpft waren. Der Verein hatte damals mitgeteilt, dass man sich von ungeimpften Spielern trennen werde. Monate später wurden die Regeln für ungeimpfte Sportler gelockert, doch da waren die Goguadzes schon weg. „Mein Nein zu Kickers hat nichts mit damals zu tun. Auch mit Trainer Stefan Emmerling verstehe ich mich gut.“
Eine Profiliga soll es für Nikky Goguadze also werden. Die beginnt in Deutschland ab der 3. Liga. „Wenn alles passt, traue ich Nikky das auf alle Fälle zu“, sagt Bremens Sportlicher Leiter Ralf Voigt. Der 59-Jährige war selbst früher Profi. Er hofft natürlich, dass der Top-Torjäger mindestens bis zum Sommer bleibt und die Bremer (derzeit 15.) zum Klassenerhalt schießt. Goguadzes Vertrag läuft auch noch bis zum Sommer. „Insofern müssten wir als Verein einem Winter-Wechsel ohnehin zustimmen. Innerhalb der Regionalliga wird das nicht passieren, das sieht auch Nikky so“, sagt Voigt. Bei einem Angebot aus der 3. Liga müsste dann die Ablöse stimmen.
Alles begann in Leer
Doch so nah ist ein Winter-Wechsel noch lange nicht. „Bisher liegt uns auch noch kein Angebot für Nikky vor. Uns ist aber schon klar, dass das noch passieren kann.“ Einem Winter-Wechsel in die 3. Liga ist Nikky Goguadze nicht abgeneigt, auch wenn es nicht zwingend so kommen muss. Er strebt nach dem Maximalen, fühlt sich in Bremen aber auch wohl.
Goguadze ist derzeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Kein anderer Stürmer in den fünf deutschen Regionalligen hat mehr Treffer als er. Begonnen hatte sein Traum vom Profifußball in Deutschland in der ostfriesischen Bezirksliga. Im Sommer 2018 waren nacheinander George, David und Nikky Goguadze zum VfL Germania Leer gewechselt.
31 Treffer im Jahr 2024
Bereits im ersten Spiel zeigte der damals 20-Jährige seine Klasse, erzielte beim 3:0 gegen TuRa 07 Westrhauderfehn alle Treffer. „Ich bin damals nach Deutschland gekommen, um irgendwann Profi zu werden“, erklärt Nikky Goguadze. Nach einem halbe Jahr kletterte er die Karriereleiter direkt, ging erstmals zum Bremer SV – damals Fünftligist. Jeddeloh (4. Liga), Firrel (6. Liga), Emden (5. Liga) und eine kurze Vereinslosigkeit zeigen das Auf und Ab in den folgenden Jahren.
Bei seiner Rückkehr im Sommer 2022 zum Bremer SV schaffte er dann den Regionalliga-Durchbruch und nach einem halbjährigen Abstecher zum TSV Havelse wurde er ab Januar 2024 zur Bremer Tormaschine. In diesem Kalenderjahr hat der 26-Jährige in 35 Regionalliga-Spielen 31 Treffer erzielt. „Ich habe immer an mich geglaubt und trainiere auch jeden Tag, um mich zu verbessern.“ Neben viermal Teamtraining legt der Niederländer auch einige Individualeinheiten auf dem Platz und im Fitnessstudio sein.
„Er ist sehr fleißig und hat einfach immer Lust auf Fußball“, lobt ihn der Sportliche Leiter Ralf Voigt. Wie lange die Bremer noch Freude an ihm haben werden, kann auch er nicht voraussagen. Im Sommer könnte Goguadze ablösefrei wechseln, der „Mini-Undav“ aus Bremen.