Schon 5200 Karten verkauft  Pokal-Euphorie in Emden und große Sorgen in Osnabrück

| | 04.11.2024 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Sorgen beim VfL Osnabrück sind groß. Nach dem 0:2 im Kellerduell in Rostock ist der letztjährige Zweitligist weiter Drittliga-Schlusslicht. Fotos: Imago/Doden
Die Sorgen beim VfL Osnabrück sind groß. Nach dem 0:2 im Kellerduell in Rostock ist der letztjährige Zweitligist weiter Drittliga-Schlusslicht. Fotos: Imago/Doden
Artikel teilen:

Am Mittwoch kommt es zum Halbfinale. Der Zweitliga-Absteiger ist Favorit auf den Pokalsieg. Doch im Herbst 2024 ist die sportliche Lage explosiv. Das sagen zwei Klublegenden von Kickers und dem VfL.

Emden - Zwei Fußballlegenden aus Emden und Osnabrück bringen die jeweilige Stimmungslage vor dem Pokalkracher am Mittwoch, 6. November, auf den Punkt. Während „Mister Kickers“ Uwe Groothuis von einem Fußball-Fest für den Regionalligisten redet, erklärt der frühere VfL-Stürmer Christian Claaßen: „In der Situation, in der wir uns befinden, ist das ein fieses Ding.“

Uwe Groothuis trainierte in Ostfriesland zuletzt die SpVg Aurich. Foto: Doden/Blomberg
Uwe Groothuis trainierte in Ostfriesland zuletzt die SpVg Aurich. Foto: Doden/Blomberg

Um 19 Uhr stehen sich an diesem Mittwoch der euphorisierte Regionalligist Kickers Emden und der taumelnde Drittligist VfL Osnabrück im Verbandspokal-Halbfinale im Emder Ostfrieslandstadion gegenüber. Der Sieger ist noch einen weiteren Sieg von der DFB-Pokal-Qualifikation und damit verbundenen hohen Einnahmen entfernt. Als letztjähriger Zweitligist und als Profimannschaft ist der VfL natürlich Favorit in diesem Wettbewerb mit lauter niedersächsischen Regionalligisten. Doch im Herbst 2024 ist die Stimmung beim VfL im Keller, Druck auf dem Kessel. Oder wie es die „Neue Osnabrücker Zeitung“ („NOZ“) in einem Analyse-Stück am Montag betitelte: „Willkommen am Abgrund, VfL Osnabrück: Ein Traditionsklub auf dem Weg in die 4. Liga.“

Trainerwechsel schon verpufft

Die Lila-Weißen sind nach einem Drittel der Saison mit nur zehn Punkten Tabellenletzter der 3. Liga. Nach dem 0:2 im Kellerduell bei Hansa Rostock am vergangenen Samstag beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer vier Punkte. Die Pleite vor fast 25.000 Zuschauern, bei der auch Emdens Teammanager Bastian Dassel zuschaute, ließ die Stimmung noch weiter sinken. Denn auch der Effekt des Trainerwechsels ist rein punktemäßig schon etwas verpufft. Uwe Koschinat holte aus den ersten sechs Spielen fünf Punkte – Nachfolger Pit Reimers hat nach dem 0:2 in Rostock dieselbe Bilanz. Er war zuvor Scout und erfolgreicher U23-Trainer beim Hamburger SV II.

Christian Claaßen (Mitte) im Trikot der VfL-Traditionsmannschaft beim Budenzauber in Lingen. Archivfoto: Imago
Christian Claaßen (Mitte) im Trikot der VfL-Traditionsmannschaft beim Budenzauber in Lingen. Archivfoto: Imago

Besonders die schon lange anhaltende Auswärtsschwäche konnte er bisher auch noch nicht in den Griff bekommen. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen“, sagte der frühere VfL-Stürmer Christian Claaßen in einem Videoformat der „NOZ“. „Sie scheinen auswärts nicht in Gang zu kommen.“

„Stollen-Ansage“ von Claaßen

Ob das nun bei einem Team, das letztes Jahr noch Oberliga spielte, auch zum Tragen kommt? Uwe Groothuis hat als Spieler, Co-Trainer und Trainer Kickers-Geschichte Jahrzehnte mit geprägt. Er ist zuversichtlich, dass Emden überraschen kann. „Osnabrück ist natürlich Favorit. Aber der VfL kommt aus einer schlechten Phase, muss bei uns das Spiel machen. Darin liegt eine große Chance für uns“, sagt der 70-Jährige. Er selbst hat vor allem in den 90er Jahren viele Duelle mit dem VfL Osnabrück erlebt: im Ostfrieslandstadion und an der Bremer Brücke. „Da war alles dabei. Es waren immer packende Spiele, die viel Spaß gemacht haben.“ Letztmals standen sich beide Vereine im April 2007 in der damals drittklassigen Regionalliga Nord gegenüber. Danach bewegte sich Osnabrück zwischen 3. und 2. Liga. Kickers strandete nach Drittliga-Rückzug 2009 und Insolvenz 2011 zwischenzeitlich in der 6. Liga.

Nun ist man zurück in der 4. Liga und ein Spitzenteam der Regionalliga – als Aufsteiger. „Kickers ist echt gut dabei“, lobt Christian Claaßen bei der „NOZ“. Der frühere VfL-Stürmer (1998 bis 2004) hat auch einen Rat für die Osnabrück-Spieler für das Spiel in Emden: „Die sollten die längsten Stollen rausholen, die es gibt. Das ist ein enges Stadion, da wird es krachen.“

Erinnerungen von Groothuis

Es wird auch so voll werden wie bei früheren Duellen zwischen Kickers und dem VfL. Bis Montagmittag waren im Vorverkauf schon 5200 Karten verkauft worden. Darunter sind 1000 Gäste-Tickets. Weitere 500 VfL-Fans könnten im Gästeblock Platz finden. „Dafür wird es am Mittwoch eine eigene Kasse im Gästebereich geben“, so Emdens Marketingchef Nils Janzen. Die noch verfügbaren 1500 Stehplätze für dem Heimbereich sind noch online zu erwerben. Vermutlich wird auch eine Tageskasse öffnen.

Thilko Boekhoff (vorne) schoss Kickers Emden in der Saison 2010/2011 in den DFB-Pokal. Archivfoto: Doden/Emden
Thilko Boekhoff (vorne) schoss Kickers Emden in der Saison 2010/2011 in den DFB-Pokal. Archivfoto: Doden/Emden

Kickers-Legende Uwe Groothuis wird natürlich auch dabei sein. Diesmal wieder als Co-Kommentator des Emder Livestreams, der auch bei OZ-Online.de zu sehen sein wird. „Ich glaube fest daran, dass Kickers eine Chance hat“, sagt der 70-Jährige. Mit einem Sieg wäre Kickers nur noch einen Sieg von der DFB-Pokal-Qualifikation entfernt. Letztmals gelang dies in der Saison 2010/2011 – unter der Regie von Trainer Uwe Groothuis. Nach Auswärtssiegen in Cloppenburg und Heeslingen folgte ein Coup gegen den höherklassigen SV Wilhelmshaven im Elfmeterschießen und das entscheidende Spiel gegen den VfB Oldenburg. „Wir waren Außenseiter und haben durch ein Freistoßtor von Thilko Boekhoff 1:0 gewonnen. Das wurde dann auch spontan und kräftig gefeiert.“

Ähnliche Artikel