Neue Stolpersteine  In der Leeraner Altstadt wird bald NS-Opfern gedacht

| | 25.10.2024 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit den Stolpersteinen soll an die ehemaligen jüdischen Mitbürger erinnert werden. Foto: Brahms/Archiv
Mit den Stolpersteinen soll an die ehemaligen jüdischen Mitbürger erinnert werden. Foto: Brahms/Archiv
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In ganz Deutschland erinnern Stolpersteine an Mitbürgerinnen und Mitbürger, die im Holocaust von den Nazis vertrieben oder ermordet wurden. Im kommenden Jahr werden in Leer weitere verlegt.

Leer - Der Holocaust-Überlebende und Leeraner Ehrenbürger Albrecht Weinberg hat viele Jahre dafür gekämpft, „einen Platz der Erinnerung für diejenigen zu schaffen, die keinen Grabstein haben“. Vor gut zwei Jahren zahlte sich seine Beharrlichkeit in dieser Sache aus: Die ersten 15 Stolpersteine zum Gedenken an umgebrachte oder vertriebene jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden in der Bremer Straße und in der Reimersstraße verlegt. Mittlerweile liegen insgesamt 52 Stolpersteine im Leeraner Stadtgebiet – und im kommenden Sommer sollen weitere hinzukommen.

Im Juni 2025 sollen 24 Stolpersteine in der Rathausstraße in der Leeraner Altstadt verlegt werden. Das teilte Bürgermeister Claus-Peter Horst kürzlich in einem Pressegespräch mit. Ein Stolperstein soll für den ehemaligen Bürgermeister Dr. Erich vom Bruch verlegt werden. Dieser war von 1920 bis zur Machtübernahme durch die Nazis Stadtoberhaupt. Von der NSDAP wurde er allerdings aus dem Amt getrieben und haltlose Vorwürfe gegen ihn vorgebracht, woraufhin er sich am 7. Mai 1933 das Leben nahm. Seit 1949 ist die Rathausbrücke nach ihm benannt. Weitere Stolpersteine werden für die Familien Aussen, Aron, de Vries, Landsberg und Zilversmit verlegt, so Horst. Der genaue Termin stehe noch nicht fest.

Künstler Gunter Demnig war bei jüngster Verlegung nicht dabei

Bei der jüngsten Aktion im Juni dieses Jahres hatten die Mitglieder der Initiativgruppe „Stolpersteine für Leer“ die Steine selbst verlegt. Der Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, konnte nicht kommen. Er werde erst im Juni 2025 bei der bereits in Vorbereitung befindlichen Veranstaltung wieder nach Leer kommen, hatte Bernd-Volker Brahms von der Initiativgruppe damals dieser Zeitung gesagt.

Rund 20 Mitstreiter bringen das Projekt in Leer unter dem Dach der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit voran. Auch das Stadtarchiv, die Ehemalige Jüdische Schule (EJS) des Landkreises Leer sowie das Heimatmuseum seien beteiligt. „Wichtig ist uns die Zusammenarbeit mit den Schulen und der Kontakt zu den Angehörigen“, hatte Susanne Bracht von der EJS gesagt. Viel Energie hatte die Recherchegruppe in die Erforschung der Lebensläufe der Menschen gesteckt, für die jetzt Stolpersteine verlegt werden. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Fotos, Dokumente und Literatur zu den einzelnen Menschen ausfindig gemacht werden können“, sagte Brahms. Dennoch sei die Recherche sehr aufwendig. Viele Informationen würde man in den Arolsen Archives finden. Das ist eigenen Angaben zufolge das weltweit größte Archiv über die Opfer und die Überlebenden des NS-Regimes. Es hat seinen Sitz im nordhessischen Bad Arolsen. Die Gruppe suche aber auch den Kontakt zu noch lebenden Verwandten.

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