Trainerin wird Mama  Auricherin mit Babybauch auf Wolke sieben und Platz 1

| | 23.10.2024 16:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gespräch unter Trainern: Das Bild zeigt Imke Wübbenhorst mit David Edmondson vom FC Luzern. Fotos: Imago
Gespräch unter Trainern: Das Bild zeigt Imke Wübbenhorst mit David Edmondson vom FC Luzern. Fotos: Imago
Artikel teilen:

Imke Wübbenhorst führte die Frauen von YB Bern mit sechs Siegen in Folge auf Platz eins der 1. Liga. Die sechs Wochen bis zur Geburt, die Zeit danach und der Babyname sind schon festgelegt.

Bern/Aurich - Der Babybauch wächst und wächst. Doch auch sechs Wochen vor der Geburt ihres ersten Kindes lässt sich die Auricherin Imke Wübbenhorst in ihrem Elan als Fußballtrainerin nicht bremsen. Die „Chefin“ der Schweizer Erstligafrauen von Young Boys Bern verpasst keine Übungseinheit, steht Woche für Woche an der Seitenlinie und schwebt mit dem kleinen Mann im Bauch auch in sportlicher Hinsicht auf Wolke sieben. Mit einem 3:0-Sieg am Wochenende bei den Züricher Grashoppers kletterte die Mannschaft erstmals, seitdem sie überhaupt den YB-Namen trägt, an die Tabellenspitze der Schweizer Super League.

Engagiert wie eh und je: Imke Wübbenhorst.
Engagiert wie eh und je: Imke Wübbenhorst.

Eine hochschwangere Ostfriesin verhilft den Fußballerinnen aus den Bergen also zu neuen Höhenflügen. Zu Platz eins in der Tabelle gesellen sich die Hormone einer werdenden Mutter und sorgen für ein rundum glückliches Befinden der 35-Jährigen. „Mir geht es blendend“, plaudert sie locker drauf los. „Ich schlafe gut, fahre mit dem Rad zum Training und muss mich beim Training kein bisschen einschränken.“

Sechs Spiele – 25:3 Tore

In seltenen Fällen ist der Babybauch ein klein wenig hinderlich. „Wenn ich im Training Hütchen aufstelle, muss ich immer so eine Art Kniebeuge machen. Da lachen dann meine Mädels.“ Bei den YB-Frauen herrscht seit Wochen Heiterkeit. Mit sechs Siegen in Serie und 25:3 Toren katapultierten sie sich von ganz hinten in der Tabelle bis ganz nach vorne. Die Aufholjagd war erforderlich, weil der Start in die Saison mit zwei Niederlagen und einem Remis misslang.

Jubelzeit bei YB Bern. Das Team kletterte mit sechs Siegen in Serie an die Tabellenspitze.
Jubelzeit bei YB Bern. Das Team kletterte mit sechs Siegen in Serie an die Tabellenspitze.

Es folgte ein mühevoller Pokalerfolg nach Verlängerung bei einem Drittligisten, ehe Wübbenhorst die Mannschaft zu einem 4:0-Sieg in Rapperswil führte und die Wende einleitete. In der kritischen Phase und auch heute noch verspürte die Auricherin nie die zunehmende Gelassenheit, die werdenden Müttern nachgesagt wird. „Leider werde ich kein bisschen ruhiger, sondern rege mich immer noch auf.“

Junge soll Bendt heißen

So muss sie sich aus Vernunftsgründen bei den Spielen zügeln und schreit sich nicht in Rage. „Die meisten Anweisungen übernimmt mein Co-Trainer.“ Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz der Fußballlehrerin stehen Gesundheit und Baby natürlich an erster Stelle. Bis zur Partie gegen Servette Chenois (Genf) am 23. November will Imke Wübbenhorst den Trainerjob zu 100 Prozent ausfüllen. Lediglich beim letzten Spiel des Jahres gegen Rapperswil (7. Dezember) wird sie fehlen und wenn alles nach Plan läuft, schon ihren Sohn in den Armen halten. Auch den Namen haben die Trainerin und ihr Lebensgefährte Urs schon ausgewählt. „Bendt soll er heißen.“ Der Name weist Richtung Norden – also aus Wübbenhorst-Sicht gen Heimat.

Bendt wird mit Mama, Papa, den Halbbrüdern Maksim und Andrey sowie vielen Frauen um sich herum aufwachsen. Denn lediglich 14 Wochen will Wübbenhorst als Trainerin pausieren und dann an die Seitenlinie zurückkehren. Doch Bendt wird die YB-Spielerinnen vermutlich viel eher kennenlernen. „Ich will mit meinem Baby und meinem Partner mit ins Wintertrainingslager fliegen“, erzählt Imke Wübbenhorst. Für den 19. Januar ist der Flug nach Valencia geplant. Vom Ausruhen auf der Couch hält die Fußballtrainerin wenig.

Grünes Licht vom Arzt

Weil ihr Arzt weiterhin grünes Licht gibt, ist auch in den nächsten Wochen keine längere Schonzeit vorgesehen. Dafür ist die Auricherin zu ehrgeizig und zu fit. „Ich habe sechs Kilo zugenommen. Ansonsten fühle ich mich wie vorher“, erzählt sie. Deutlich verändert hat sich das Leistungsvermögen der Mannschaft in ihrer Amtszeit. Wübbenhorst übernahm 2022 ein Team aus der hinteren Tabellenhälfte und führte es mit Pressing-Taktik und Offensivfußball pur bis an die Spitze.

Herausragend sind die 18-jährigen Iman Beney und Naomi Luyet (mit 8 Treffern in neun Spielen Führende der Torjägerliste), die aus der eigenen Jugend stammen. Dieses Duo schaffte es unter Wübbenhorst vom Talentstatus bis ins Nationalteam. „Sie haben großen Anteil an unserem Erfolg.“

Die Hinrunde hat YB nun als Nummer eins abgeschlossen. Nach den Rückspielen folgt noch eine Play-off-Phase um die Meisterschaft. Doch Rang eins in der regulären Runde wird immerhin mit einem Platz in der Euro League belohnt. Das ist das Fernziel von Imke Wübbenhorst. Erst einmal will sie die anstehenden Spitzenspiele gegen die drei Verfolger aus Basel, St. Gallen und Genf erfolgreich absolvieren. Und dann stehen endgültig Bendt und das Familienglück im Vordergrund.

Ähnliche Artikel