Von FKK bis Hundestrand Borkums Badefelder stehen zur Diskussion
Braucht es weiterhin vier überwachte Badestellen auf der Insel? Der Tourismusausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung klar positioniert.
Borkum - Nordbad, Südbad I, Südbad II (Hundestrand) und FKK-Bereich: Diese vier Borkumer Badestellen werden von Mitgliedern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) während der aktuellen Saison (Anfang Mai bis Mitte/Ende Oktober) bewacht. Darüber, ob das auch künftig so bleiben soll oder Änderungen sinnvoll wären, ist am Donnerstag in der Sitzung des Ausschusses für Tourismus diskutiert und beraten worden.
Im Rahmen der Gästebeitragskalkulation, erklärte Tourismusdirektorin Pia Hosemann, die als Gast im Ausschuss sprechen durfte, habe man sich mit den DLRG-Einsatzorten und -zeiten für die Strandbäder auseinandergesetzt – auch vor dem Hintergrund, Ausgaben einzusparen. Die Kosten beliefen sich 2023 laut Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG) auf 222.428 Euro. „Es geht heute um einen Austausch. Möchte man weiterhin vier Bäder, möchte man sie dort oder an anderer Stelle?“, erklärte Hosemann.
Ablehnung wegen zu starker Strömung
Seitens der NBG sei es Wunsch gewesen, am Nordbad ein zweites Badefeld am Strand ganz außen, oberhalb der Wassersport- & Strandsegelschule „World of Wind“, einzurichten. Nach Rücksprache werde dies von der DLRG aufgrund der starken Strömungen jedoch nicht befürwortet und eingerichtet, berichtete die NBG-Prokuristin. Während es andernorts am Nordbad momentan keine weiteren Möglichkeiten gebe, wäre laut Hosemann darüber nachzudenken, unterhalb des Nordsee Aquariums wieder einen bewachten Badestrand, den es zu früheren Zeiten bereits gegeben habe, einzurichten. Dazu sei man mit der DLRG in Gesprächen.
Für diese Überlegung gab es mehrfach Zuspruch im Ausschuss. „Ich finde die Idee, am Aquarium wieder ein Badefeld zu installieren, gut“, sagte Christoph Michaelsen (Borkums freie Liste), der auf Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Björn Leidheiser (CDU/Grüne) in der Sitzung zu dessen Stellvertreter gewählt wurde. „Ich bin viel mit meinem Boot unterwegs am Angeln und beobachte die beiden Strände am Süd. Der neue Standort (Süd II) wird lange nicht so frequentiert wie der Hauptsüd“, so Michaelsens Beobachtung. Er wäre daher für eine Verlegung. Auch Melanie Helms (SPD) befürwortete die Idee, vor dem Aquarium einen bewachten Strandbereich einzurichten, vor allem, da man dort viele Kinder sehe. Sie plädierte aber dafür, den Hundestrand (Süd II), wenn dann auch unbewacht, beizubehalten.
Verweis auf Statistik der Badetoten
Zustimmung gab es ebenfalls von Björn Leidheiser. Er gehe dort häufig schwimmen und habe auch festgestellt, dass der Strand am Aquarium immer mehr frequentiert werde. Zudem seien die Voraussetzungen vor Ort – Wasserqualität, Anbindung über die Von-Frese-Straße, Toiletten beim Aquarium – gut. Gleichwohl sei fraglich, ob und wie es für die DLRG mit einer Wachstation dort umsetzbar ist. „Manchmal steht das Wasser schon sehr hoch und man muss sehen, ob ein Ständewerk etc. dort überhaupt errichtet werden kann“, gab Leidheiser zu bedenken. Aber er würde es begrüßen, wenn dies geprüft werde.
Olaf Look (SPD) indes sprach sich klar für weiterhin (mindestens) vier DLRG-Stationen auf der Insel aus. Borkum habe den schönsten und längsten Strand „und ich glaube, wir müssen den Badefeldern dementsprechend Rechnung tragen“. Ähnlich die Einschätzung von Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos), der auf eine traurige aktuelle DLRG-Statistik hinwies. Denn wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sind bei Badeunfällen in deutschen Gewässern bisher – Stichtag 10. September 2024 – so viele Menschen gestorben wie seit Jahren nicht, nämlich 353. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es laut dpa 278.
Ortsgruppe Borkum wird eingebunden
Auch im Meer ertranken 2024 mehr Menschen. Nach Angaben der DLRG wurden 28 Todesfälle in Nordsee (3) und Ostsee (25) in den vergangenen zehn Jahren nicht gezählt. Auch wenn die Nordsee weitaus weniger betroffen ist, mahnte Akkermann: „Wir sollten ausreichend Badestellen anbieten, sodass keiner in die Verlegenheit kommt, unbewacht baden zu müssen, der nicht so sicher ist.“ Peter de Buhr (BfL) regte – unter anderem mit Blick auf einzusparende Kosten für die Unterkunft – an, Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Borkum noch mehr in die Wachdienste einzubinden. Pia Hosemann entgegnete, man stehe in Kontakt und es würden durchaus DLRGler von der Insel zum Einsatz kommen und in den Personalplanungen berücksichtigt.
Die Ausschussmitglieder sprachen sich am Ende einstimmig dafür aus, dass es wie bisher auch künftig vier bewachte Badestrände geben und die am stärksten genutzten Hauptbäder (Nordbad, Südbad I) vom 1. Mai bis zum 2. Oktoberwochenende geöffnet sein sollen. Ferner war man sich einig, dass die Zeiten der weiteren Bäder an das Gästeaufkommen angepasst werden sollen – und dass für das relativ gering frequentierte Bad Süd II ein alternativer Standort am Aquarium gewählt werden könnte.