Ostfriesen spielten in Traditionself  So erlebten vier Hager Fußballer den Tag als HSV-Spieler

| | 12.09.2024 11:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Spielten Samstag in Norddeich für den Hamburger SV und wurden von einigen Touristen auch für Ex-Profis gehalten (von links): Keno Hinrichs, Eike Brungers, Lars Hinrichs und Tammo Büscher. Foto: Kresse
Spielten Samstag in Norddeich für den Hamburger SV und wurden von einigen Touristen auch für Ex-Profis gehalten (von links): Keno Hinrichs, Eike Brungers, Lars Hinrichs und Tammo Büscher. Foto: Kresse
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Das Quartett aus der Bezirksliga spielte in Norddeich mit Europameister Thomas Helmer und Co. im Sand. Lars Hinrichs berichtet, was die Amateure mit den Ex-Stars so erlebt haben.

Ostfriesland - Den 7. September 2024 werden Lars Hinrichs, Tammo Büscher, Eike Brungers und Keno Hinrichs sicherlich nie vergessen. Einen Tag lang durften sich die vier Bezirksliga-Fußballer des SV Hage wie Stars des Hamburger SV fühlen. „Wir mussten auch zahlreiche Autogramme schreiben, viele Touristen wussten ja nicht, wer wir wirklich sind. Das war alles schon sehr besonders“, erzählt Lars Hinrichs stellvertretend für das Quartett, das am Samstag beim Beachsoccerturnier in Norddeich mit vier Traditionsmannschaften von Bundesligisten plötzlich zum Aufgebot des HSV gehörte.

Am Ende feierte die Spielgemeinschaft HSV/Hage den Turniersieg. Foto: Kresse
Am Ende feierte die Spielgemeinschaft HSV/Hage den Turniersieg. Foto: Kresse

Am Ende feierten die ostfriesischen Siebtliga-Kicker gemeinsam mit Ex-Profis wie Europameister Thomas Helmer, Stefan Schnoor oder dem 50-fachen iranischen Nationalspieler Vahid Hashemian sogar den Turniersieg am Nordsee-Strand.

Für Schalke oder den HSV?

Dabei begann das ungewöhnliche Fußball-Wochenende mit einer kleinen Enttäuschung. Eine ostfriesische Mannschaft konnte sich am Freitag noch für das große Turnier am Samstag mit Altstars von Werder Bremen, Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach und FC Schalke 04 sowie dem Lokalmatadoren FC Norden (Bezirksliga) qualifizieren. Die regionalen Teams SV Großefehn, SV Hage, TuS Strudden und Kickers Emden U19 hatten extra ihre Ligaspiele verlegt oder waren spielfrei. „Wir sind da knapp gescheitert und Zweiter hinter Großefehn geworden“, berichtet der 23-jährige Lars Hinrichs.

Lars Hinrichs freute sich doppelt, für den HSV zu spielen: er ist großer Fan des Klubs. Foto: Archiv
Lars Hinrichs freute sich doppelt, für den HSV zu spielen: er ist großer Fan des Klubs. Foto: Archiv

Doch die Enttäuschung wich schnell Ungläubigkeit und Vorfreude. Der Veranstalter fragte bei den Hagern an, ob sie tags darauf in einem der Traditionsmannschaften aushelfen könnten. „Es fielen wohl noch manche Spieler kurzfristig aus. Es hieß, es wird der Hamburger SV oder Schalke. Keno und ich hatten natürlich gehofft, dass es der HSV wird – denn wir beide sind Hamburg-Fans durch und durch“, erzählt Lars Hinrichs.

Nervös und glücklich

Als die Amateurlicker tags darauf um 12 Uhr zwei Stunden vor dem Turnierstart wieder in Norddeich erschienen, strahlten sie übers ganze Gesicht – sie kamen ins HSV-Team. Die Nervosität stieg und war sehr groß. „Aber sie verflog relativ schnell, weil uns die Spieler um Thomas Helmer super aufgenommen haben. Das sind klasse Typen. Sie haben uns das Gefühl gegeben, dass wir dazugehören. Es gab auch viele lustige Sprüche, auch gegenseitig.“

Die Hager fühlten sich im Kreise der Ex-Profis wohl, seien super aufgenommen worden. Rechts im Bild hat Thomas Helmer seine „väterliche“ Hand auf die Schulter von Lars Hinrichs gelegt. Links strahlt Stefan Schnoor mit den anderen um die Wette. Foto: Kresse
Die Hager fühlten sich im Kreise der Ex-Profis wohl, seien super aufgenommen worden. Rechts im Bild hat Thomas Helmer seine „väterliche“ Hand auf die Schulter von Lars Hinrichs gelegt. Links strahlt Stefan Schnoor mit den anderen um die Wette. Foto: Kresse

Die mehrstündige Pause zwischen dem letzten Vorrundenspiel und dem Halbfinale verbrachte man in geselliger Runde, trank mal ein Bierchen zusammen und plauderte. Und Thomas Helmer organisierte dem etwas verspannten Tammo Büscher einen Platz auf der Liege einer Physiotherapeutin. „Dann klag mal dein Leid“, soll ein lächelnder Helmer gesagt haben.

Der große Hinrichs-Moment

Sportlich rechnete sich das Team mit Torwart Sascha Kirschstein (2004 bis 2009 beim HSV), vier weiteren Ex-Profis und vier Hagern nicht so viel aus. Doch nach dem 2:3 zum Auftakt gegen den FC Norden lief es immer besser. Es folgte ein 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Dieses Spiel war für Tammo Büscher ganz besonders. „Er ist Gladbach-Fan. Das war schon toll für ihn, gegen Mike Hanke und Co. zu spielen“, so Hinrichs.

Im Halbfinale kam es zum Nordderby mit Werder Bremen. Foto: Kresse
Im Halbfinale kam es zum Nordderby mit Werder Bremen. Foto: Kresse

Der Mittelstürmer, dessen Vater früher unter anderem für Kickers Emden stürmte, hatte dann im Halbfinale seinen großen Auftritt. Im Nordderby gegen Werder Bremen mit Ailton und Co. lag der HSV schon 0:2 zurück – Sekunden vor Schluss traf Hinrichs nach Vorarbeit von Eike Brungers zum 2:2. Im anschließenden Neunmeterschießen verschoss zwar Hashemian, aber Keno Hinrichs und Tammo Büscher verwandelten und schossen den HSV ins Endspiel. Dort gab es dann nach einem Helmer-Treffer und Tor von Keno Hinrichs einen 2:0-Erfolg gegen den SV Großefehn. „Mit diesem Abschneiden hatten wir alle nicht gerechnet“, sagt Lars Hinrichs.

Besonderes HSV-Trikot

Auch die HSV-Profis nicht. Die waren auch so euphorisiert, dass die Hager ihre nagelneuen Trikots der Traditionsmannschaft mit dem Brustaufdruck „Nur der HSV“ behalten durften. „Das ist eine Sonderedition, die es auch nicht zu kaufen gibt. Ich packe das Trikot in einem Rahmen, das bekommt einen Sonderplatz.“ Den Abend ließen die vier Hager, die vor mehr als 1000 Zuschauer spielten, in Norddeich gemütlich ausklingen. Vor Ort waren auch viele Freunde und Familienmitglieder. Der Hager HSV-Auftritt machte schnell die Runde.

Nach einem Wochenende mit zwei Tagen anstrengendem Fußball im Sand wartet auf die Hager Bezirksliga-Kicker nun wieder der grüne Rasen. Nach einem bescheidenen Saisonstart kommt das Team immer besser in Tritt und knüpfte den Spitzenteams SpVg Aurich und SV Großefehn zuletzt jeweils ein 1:1 ab. Nun gastiert am Sonntag um 15 Uhr der TuS Middels am Edenhof.

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