Sieg beim HSV II Kickers Emden feiert Abbeys Traumtor mit seiner ersten Aktion
Said Abbey kam in der Schlussphase ins Spiel, schnappte sich sofort den Ball und ließ ein Traumtor folgen. Nach Emder Eigentor und 0:1-Rückstand tippte ein Bundesligaprofi zur Pause den Kickers-Sieg.
Hamburg - Said Abbey hatte beim Fußball-Regionalligisten BSV Kickers Emden keinen leichten Saisonstart. In sieben Partien erhielt er nur 25 Minuten Einsatzzeit. Doch in den weiteren zwölf Minuten am Samstag beim Hamburger SV II belohnte er sich für den Trainingseifer der vergangenen Wochen. Der 20-Jährige strahlte beim Abpfiff in alle Richtungen. Er feierte mit Mitspielern, jubelte mit den Fans und lachte beim Gespräch mit dem Pressemann. Per Traumtor hatte er für den Emder 2:1-Sieg gesorgt.
„Ein wunderschönes Tor“, schwärmte Trainer Stefan Emmerling. „Es freut mich ungemein für Said.“ Direkt nach seiner Einwechslung hatte Abbey ein Zuspiel zu seinem Gegenspieler an der Mittellinie erahnt und spritzte dazwischen. Dann legte er den Turbo ein, kurvte nach links und nach rechts, enteilte allen HSV-Akteuren und krönte sein Supersolo mit einem Schuss hoch ins Eck. Beim Abpfiff gab es für das vielleicht spektakulärste Emder Saisontor Lob von allen Seiten. Der Joker selber blieb bescheiden: „Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“
Stau stoppte Rießelmann
BSV-Macher Henning Rießelmann war übrigens bei diesem Tor und dem Sieg nicht live vor Ort. Ein Unfall samt Stau auf der A1 hatten ihn und etliche BSV-Anhänger ausgebremst. Der Fanbus erreichte das Stadion Hoheluft immerhin noch mit dem Anpfiff. Derartige Probleme hatte der ostfriesische Bundesliga-Spieler Lasse Rosenboom von Holstein Kiel nicht. Der Kieler ist mit etlichen Emdern befreundet und ahnte trotz bescheidener erster BSV-Hälfte und einem 0:1-Rückstand die Wende. „Kickers dreht das noch.“
Ein bisschen war der Wunsch Vater des Gedanken. Denn seine besten Kumpels Tim Dietrich und Janek Siderkiewicz traten nach der Partie nicht die Heimreise an, sondern zogen mit Rosenboom noch durch Hamburg. Insofern hoffte er auf fröhliche Emder. Rosenboom selber hatte beim Kieler 1:0-Testsieg am Donnerstag beim HSV-Zweitligateam einen 90-Minuten-Einsatz und durfte ein freies Wochenende mit Freunden genießen. „Am Freitag habe ich mir auch schon das Kickers-Training in Bremen angeschaut.“
Podolskis Eigentor
Diese Einheit war die einzige BSV-Möglichkeit, sich ein klein wenig auf den HSV-Kunstrasen vorzubereiten. „Es blieb letztlich ein schwieriges Geläuf für uns“, räumte BSV-Mann Pascal Steinwender ein. „Am Ende sind wir immer besser ins Spiel gekommen und haben trotz einiger Rückschläge hochverdient gewonnen“, sagte der Torschütze zum 1:1. Mit Rückschlägen meinte er auch das Eigentor zur HSV-Führung (6.). Ein Hamburger war Niklas von Aschwege enteilt. Den Pass vors Tor wuchtete Luis Podolski unhaltbar ins eigene Netz. Das Tor erlebten die verspäteten Emder Fans beim Einmarsch ins Stadion. Danach machten sie umso lauter Alarm. „Die waren bis zum Abpfiff atemberaubend“, lobte Steinwender.
Statistik
Emden: Bergmann - Podolski, von Aschwege (46. Eilerts), Dietrich, Engel - Kaissis (46. Schmidt), Stöhr - Steinwender (73. Igwe), Eickhoff (78. Abbey) - Steffens, Schiller (73. Dudock).
Tore: 1:0 Eigentor Podolski (6.), 1:1 Steinwender (53.), 1:2 Abbey (80.).
Trotzdem kam Kickers lange Zeit mit Gegner und Platz nicht zurecht, so dass Rosenbooms Pausen-Prognose durchaus mutig erschien. Emmerling ersetzte schon ab der 46. Minute die gelb-rot-gefährdeten Kai Kaissis und von Aschwege durch Marvin Eilerts und Marten Schmidt. Später folgten die Offensivkräfte Michael Igwe, Abbey und Joshua Dudock.
Lehrbuch-Angriff zum 1:1
Mit Anpfiff der zweiten Hälfte erspielte sich der Gast die bis dahin beste Chance, als Mika Eickhoff nach Steinwender-Flanke nur die Latte traf. Kickers war nun am Drücker, hatte nach Eckbällen und David Schillers Mega-Einwürfen Pech, dass Schüsse aus kürzester Distanz übers Tor flogen und ein Podolski-Tor nicht anerkannt wurde, ehe ein Lehrbuch-Angriff das 1:1 bescherte. Der Ball landete über Dennis Engel, Tido Steffens, Schiller und Eickhoff letztlich im Lauf von Steinwender, der das Leder am Torwart vorbeispitzelte (53.).
Nun kippte die Partie immer mehr Richtung Kickers-Seite, auch wenn BSV-Torhüter Marcel Bergmann bei HSV-Angriffen ein paarmal bravourös klären musste. Es folgte das Traumtor von Abbey, die Mega-Chance zum 1:3 in letzter Minute, als hintereinander drei Emder frei vor dem Tor den Ball nicht ins Netz brachten und der Siegestaumel beim Abpfiff. Vermutlich hatte Lasse Rosenboom später in der Stadt noch Spaß mit seinen überglücklichen Kickers-Freunden.