Lasse Rosenboom in der Bundesliga  Von BVB bis Bayern – wenn sich ein Kindheitstraum erfüllt

| | 23.08.2024 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit zwei Joker-Toren war der Ostfriese Lasse Rosenboom am Samstag Kiels Pokalheld in Aachen. Foto: Imago
Mit zwei Joker-Toren war der Ostfriese Lasse Rosenboom am Samstag Kiels Pokalheld in Aachen. Foto: Imago
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Mit 15 Jahren verlässt der Ostfriese sein Elternhaus, um bei Werder zu spielen. Nun feiern Holstein Kiel und der 22-Jährige das Erstligadebüt. Sein Pokal-Doppelpack animierte einen anderen Pokalhelden.

Kiel/Willmsfeld - Das Fußballmärchen von Lasse Rosenboom wurde am Samstag um ein beeindruckendes Kapitel erweitert. Als der Ostfriese in der 79. Minute auf dem Aachener Tivoli den Platz betrat, lag Bundesliga-Aufsteiger Holstein Kiel bei der Alemannia 1:2 zurück – beim Abpfiff war der 22-Jährige nach einem Doppelpack zum 3:2-Sieg der große Held im DFB-Pokal. „Das war schon Wahnsinn. Ich habe es erst ein paar Tage später so richtig realisiert“, sagt der Rechtsverteidiger im Gespräch mit unserer Zeitung. Das nächste Kapitel ist bereits vorbereitet. Möglicherweise wird es schon am Samstag, 24. August, geschrieben: der erste Einsatz in der Fußball-Bundesliga. „Damit würde ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.“

Elf Einsätze absolvierte Lasse Rosenboom (links) vergangene Saison in der 2. Liga für Holstein Kiel. Foto: Imago
Elf Einsätze absolvierte Lasse Rosenboom (links) vergangene Saison in der 2. Liga für Holstein Kiel. Foto: Imago

Am Freitagnachmittag sitzt der aus Willmsfeld im Landkreis Wittmund stammende Profikicker schon mal mit im Charterflieger, der den Holstein-Tross von Kiel nach Speyer fliegt. Im 40 Kilometer entfernten Sinsheim wird dann am Samstag ab 15.30 Uhr Geschichte geschrieben, wenn die Partie zwischen der TSG Hoffenheim und Holstein Kiel angepfiffen wird. Erstmals spielen die Störche in der Bundesliga, erstmals ein Klub aus dem nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein.

Lob vom Trainer

Und ist der 24. August 2024 auch der Tag, an dem Lasse Rosenboom nach Sepp Piontek, Volker Ohling, Hermann Rülander, Albert Voß, Dieter Eilts, Lennart Thy (alle Werder Bremen), Ralf Ewen (Hansa Rostock), Christian Alder (Arminia Bielefeld), Ferydoon Zandi (SC Freiburg, 1. FC Kaiserslautern, Karsten Fischer (VfL Wolfsburg), Timo Schultz (FC St. Pauli) und Jens Wemmer (SC Paderborn) zum 13. Ostfriesen in 61 Jahren Bundesliga aufsteigen wird? „Wir werden sehen, wann es sein wird. Ich bin geduldig und freue mich einfach auf das, was kommt.“

Sein Trainer Marcel Rapp kam auf der Spieltagspressekonferenz natürlich auch auf den jungen Matchwinner vom Sieg beim Drittligisten zu sprechen, der in Aachen seine ersten beiden Profitore überhaupt erzielte. „Wer ihn beobachtet hat, sieht, dass er Schritt für Schritt immer besser wird und immer näher an die erste Elf heranrückt.“

Ein märchenhafter Wechsel

Der Wechsel zu Holstein Kiel vor einem Jahr hat sich für den Ostfriesen voll ausgezahlt. Nach vier Jugend-Jahren bei Werder Bremen (ab der U16), zwei Spielzeiten im Bremer Regionalliga-Team und gelegentlichen Trainings-Ausflügen zu den Profis war es für ihn Zeit für etwas Neues. Die Kieler und Trainer Marcel Rapp eilt der Ruf voraus, junge Spieler weiterzuentwickeln – Lasse Rosenboom ist dafür auch ein Paradebeispiel geworden. Der langjährige Jugendnationalspieler lernte im Training, stand regelmäßig im Spieltagskader der. 2. Bundesliga und sammelte Kurzeinsätze. Und er war sich nicht zu schade, im Kieler Regionalliga-Team auch Spielpraxis zu sammeln. So stand er am 21. April nochmals 90 Minuten in Eimsbüttel auf dem Platz.

Bei Werder Bremen trainierte Lasse Rosenboom (links) gelegentlich auch bei den Profis mit und reiste auch mit in Trainingslager. Rechts im Bild ist Ex-Werder-Spieler und Nationalspieler Niclas Füllkrug. Foto: Imago
Bei Werder Bremen trainierte Lasse Rosenboom (links) gelegentlich auch bei den Profis mit und reiste auch mit in Trainingslager. Rechts im Bild ist Ex-Werder-Spieler und Nationalspieler Niclas Füllkrug. Foto: Imago

Danach mischte er im Aufstiegsendspurt kräftig mit. Beim historischen Aufstiegsspiel gegen Fortuna Düsseldorf (1:1) gab er nach einer Verletzung von Tim Becker sein Startelf-Debüt. Und was für eines. Der Rechtsverteidiger erhielt tolle Kritiken. Nur zwölf Monate nach dem Regionalliga-Abstieg mit Werders U23 stieg er mit Kiel in die Bundesliga auf. „Das hätte man sich alles natürlich so nicht erträumen lassen.“

Kraft getankt in Ostfriesland

In Griechenland, Spanien und einige Zeit bei Freunden und Familie in Ostfriesland tankte er nach der Saison Kraft, schaute auch mal bei einem Jugendtraining des TuS Holtriem vorbei und kickte mit den Jungs. Bei seinem Heimatverein spielte er bis einschließlich zur D-Jugend. Über den JFV Norden und JFV Nordwest ging es mit 15 Jahren zu Werder. Erst zu einer Gast-Familie, ein halbes Jahr später ins Internat, das direkt im Weserstadion untergebracht ist. So ist das Kieler Gastspiel Mitte November in Bremen für ihn auch ein absoluter Höhepunkt. „Da geht dann noch ein Traum in Erfüllung.“

Am 11. Mai stand Kiel Kopf: Holstein war in die Bundesliga aufgestiegen. Lasse Rosenboom stand erstmals in der Startelf und wurde nach dem Spiel auch von seinen begeisterten Eltern Andre (links) und Katrin gefeiert. Foto: Imago
Am 11. Mai stand Kiel Kopf: Holstein war in die Bundesliga aufgestiegen. Lasse Rosenboom stand erstmals in der Startelf und wurde nach dem Spiel auch von seinen begeisterten Eltern Andre (links) und Katrin gefeiert. Foto: Imago

Die Kieler gehen als Außenseiter in die Saison. Das ist wenig überraschend. Aber das taten sie auch schon vergangene Spielzeit. Deshalb sagt Trainer Marcel Rapp vor dem Hoffenheim-Spiel auch. „Wir wollen dort drei Punkte holen.“ Lasse Rosenboom gefällt diese Herangehensweise, auch wenn die Aufgaben diese Saison nochmals um ein Vielfaches größer werden. „Wir wollen bei uns bleiben und uns als Team zusammen weiterentwickeln“, so der Ostfriese.

Werder-Held meldete sich

Die Vorfreude bei Lasse Rosenboom auf Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen, große Spielernamen und größere Stadien ist jedenfalls riesig. Das merkt man im Gespräch mit dem Mann, der am vergangenen Samstag im siebten Fußball-Himmel war. Mit zwei Toren in der 82. und 91. Minute schoss der Joker Kiel noch zum 3:2-Pokalsieg in Aachen. Neben der Auszeichnung „Man of the Match“ gab es unzählige Nachrichten auf dem Handy. „Das war unfassbar viel. Ich konnte sie erst nach und nach beantworten.“

Mit Keke Topp wohnte Lasse Rosenboom im Werder-Internat. Beide waren Pokalhelden am Wochenende. Foto: DPA
Mit Keke Topp wohnte Lasse Rosenboom im Werder-Internat. Beide waren Pokalhelden am Wochenende. Foto: DPA

Unter den Gratulanten war auch Keke Topp. Mit dem zwei Jahre jüngeren Stürmer lebte Rosenboom einige Jahre im Werder-Internat. Der 20-jährige Topp ließ auf den Rosenboom-Doppelpack bei Werders Pokalsieg in Cottbus (3:1) einen Dreierpack folgen. „Er hat das offensichtlich als Challenge gesehen und wollte mich nochmal toppen.“

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