Kommunale Wärmeplanung So wird in der Stadt Leer geheizt
Für die Stadt Leer wird derzeit die Wärmeversorgung unter die Lupe genommen. Jetzt liegen erste Ergebnisse zum aktuellen Stand und künftigen Möglichkeiten vor.
Leer - In der Stadt Leer wird noch zu 90 Prozent mit Erdgas geheizt. Das ist eines der Ergebnisse der Bestandsanalyse für die kommunale Wärmeplanung. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, wurde bei dem Projekt die Halbzeit erreicht. Der aktuelle Stand und die zukünftigen Möglichkeiten der Wärmeversorgung seien in enger Abstimmung mit dem Energienetzbetreiber EWE Netz erarbeitet worden. Hier sind einige Ergebnisse der Datenerhebung und -auswertung.
Wärmebedarf
Der Gesamtwärmebedarf in Leer beträgt rund 390 Gigawattstunden pro Jahr, teilt die Stadt Leer mit. Dabei wurden Privathaushalte, Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen zusammengefasst. Der Wohnsektor ist dabei der größte Verbraucher, der etwa 70 Prozent des Gesamtwärmebedarfs ausmacht.
Erdgas dominiert als Energieträger mit einem Anteil von rund 90 Prozent, während Heizöl zehn Prozent beiträgt. Mit wenigen Prozentpunkten vertreten sind zusätzlich Strom und Holz, zum Beispiel für Wärmepumpen und Holzöfen.
Gebäude- und Versorgungsstruktur
Gut 70 Prozent der Gebäude in Leer wurden vor dem Jahr 1979 erbaut, „was auf einen hohen Modernisierungsbedarf hinweist“, schreibt die Stadt. Weniger als zehn Prozent der Gebäude wurden nach dem Jahr 2001 errichtet.
Heizsysteme
Ein Viertel der Heizsysteme ist laut Mitteilung älter als 20 Jahre. Das führe dazu, dass diese in den nächsten Jahren vermehrt ausgetauscht werden müssten. Dies bedeute zudem, „dass viele Heizsysteme ineffizient sind und durch moderne, umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden sollten“.
Zukunftsperspektiven
Mit diesen Ergebnissen sei dann eine umfassende Potenzialanalyse durchgeführt worden. Sie beleuchte die Möglichkeiten der zukünftigen Wärmeversorgung in Leer.
Erneuerbare Energien und Abwärme
Erneuerbare Energien sowie industrielle Abwärme könnten genutzt werden. „Besonders die Nutzung von Photovoltaik (PV) in Kombination mit Wärmepumpen stellt eine vielversprechende Option dar“, heißt es in der Mitteilung. Die PV-Anlagen könnten ausreichend Strom erzeugen, um eine große Anzahl von Wärmepumpen zu betreiben, was zur Reduktion des fossilen Energieverbrauchs beitragen würde.
Effizienzsteigerung und Sanierung
Durch gezielte Energieberatung und Sanierungskonzepte könnte der Energiebedarf verringert werden, schreibt die Stadt. Dafür wären finanzielle Förderungen wichtig. „Eine jährliche Sanierungsquote von zwei Prozent ist notwendig, um die Klimaziele in Leer zu erreichen“, heißt es weiter. Dies bedeutet, dass jährlich etwa 320 Gebäude energetisch saniert werden müssten, um den Energieverbrauch langfristig zu senken.
Wärmenetze
Es wurde auch geschaut, in welchen Gebieten Wärmenetze für eine zentrale Wärmeversorgung möglich seien. Diese Netze würden es ermöglichen, verschiedene erneuerbare Wärmequellen effizient zu nutzen und großflächig zu verteilen – etwa Biogas, Solarthermie und industrielle Abwärme. Allerdings bräuchte man zunächst weitere Machbarkeitsstudien.
Wie geht es weiter?
Die ersten zwei der vier Projektphasen sind abgeschlossen. Die nächsten Schritte umfassen das Zielszenario und eine ganzheitliche Wärmewendestrategie.
Zunächst wird ein Zielszenario entwickelt und ein Maßnahmenkatalog erstellt. Innerhalb der ersten fünf Jahre sollen mindestens fünf Maßnahmen umgesetzt werden, heißt es weiter. Dazu gehört unter anderem die Förderung von Sanierungsmaßnahmen und der Ausbau von Wärmenetzen. Dafür sollen auch Förderprogramme genutzt werden.
Damit die Wärmeplanung schließlich erfolgreich umgesetzt werden kann, müssten „Schlüsselakteure“ eingebunden werden. Dazu zählen Energieversorger, Industrie- und Gewerbebetriebe sowie die Bürgerinnen und Bürger. „Die aktive Beteiligung der Bevölkerung ist entscheidend, um die Wärmewende gemeinsam zu gestalten“, heißt es in der Mitteilung.
Bürgermeister Claus-Peter Horst betonte die Bedeutung dieser Schritte: „Die kommunale Wärmeplanung ist entscheidend, um unsere Klimaziele zu erreichen. Mit den vorliegenden Analysen haben wir eine solide Grundlage, um Leer zukunftsfähig und klimaneutral zu gestalten.“
Die Antworten auf die häufigsten Fragen von Bürgern zur kommunalen Wärmeplanung wurden auf der Homepage der Stadt veröffentlicht. Sie ist hier abrufbar.