Blick in die Bezirksliga  Das sind Wallinghausens Neue aus Guinea und Hamburg

| | 15.08.2024 17:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kevin Genske (rechts, mit schwarzem Sachweißband) fühlte sich in Wallinghausen direkt willkommen. Foto: Vortanz
Kevin Genske (rechts, mit schwarzem Sachweißband) fühlte sich in Wallinghausen direkt willkommen. Foto: Vortanz
Artikel teilen:

Im Kader des SVW finden sich zwei in der Region noch unbekannte Kicker. Ihr Weg nach Aurich verlief sehr unterschiedlich. Kevin Genske hat in seiner alten Heimat viele Tor-Spuren hinterlassen.

Ostfriesland - Ein ungewöhnlicher Spieltag steht in der Fußball-Bezirksliga an. Von den acht Partien werden nur zwei am Sonntag, 18. August, ausgetragen. Vier am Samstag und zwei schon am Freitag. Hintergrund ist teilweise auch das Auricher Stadtfest an diesem Wochenende, bei dem die Mannschaften gerne einige gesellige Stunden verbringen wollen. So auch der SV Wallinghausen, der an diesem Freitag, 16. August, um 19 Uhr den SV Hage empfängt. Zeitgleich tritt der SV Großefehn beim FC Norden.

Jurek Klukowski (links) ist ein kommunikativer Trainer. Foto: Gronewold
Jurek Klukowski (links) ist ein kommunikativer Trainer. Foto: Gronewold

„Wenn wir gewinnen oder unentschieden spielen, gehe ich nach dem Spiel mit zum Stadtfest, bei einer Niederlage nicht“, kündigte Wallinghausen-Trainer Jurek Klukowski an. Der erfahrene Coach hat den SVW im Sommer übernommen und mit seinem Team einen tollen Saisonstart hingelegt. Drei von vier Pflichtspielen wurden gewonnen, darunter beide Ligaspiele in Strudden und gegen Borssum (jeweils 3:1). Nur in der 2. Runde des Bezirkspokals hatte der SVW in Larrelt mit 3:4 das Nachsehen.

Zufallstreffen in der Kaserne

Im SVW-Kader tauchen auch zwei in der Region noch unbekannte Namen auf. „Das waren Zufallstreffer, über die wir uns freuen“, sagt Klukowski. Beide – Kevin Genske und Bangaly Conde – erzielten am Sonntag gegen Borssum auch jeweils ein Tor. Conde „tänzelte“ dabei in der Nachspielzeit wie eine Zaubermaus seinen Gegenspieler aus und schloss gekonnt zum 3:1 ab. „Das kann er“, sagt Klukowski, der neuen Mann aber nicht in den Himmel loben will. „Er hat im Grunde keine taktische Fußball-Ausbildung und braucht noch Zeit. Er ist ein Straßenfußballer.“

Der Mann aus Guinea ist als Flüchtling nach Deutschland gekommen und lebt derzeit in Moordorf. Der Kontakt zum SVW entstand laut Jurek Klukowski vor wenigen Wochen zufällig. „Einige unserer Spieler hatten auf dem Auricher Kasernenplatz in ihrer Freizeit Fußball gespielt, auch mit einigen Flüchtlingen. Da fiel ihnen Bangaly auf.“

Kommunikation ist schwierig

Problematisch ist derzeit noch die Kommunikation. Der Afrikaner spricht noch kein Deutsch, beim SVW kaum einer Französisch. So muss mit Händen und Füßen und ein paar technischen Übersetzungshilfen gearbeitet werden.

Ebenfalls neu bei den Aurichern ist Kevin Genske. Der Mann mit der Rückennummer 63 ist aus familiären Gründen nach Aurich gezogen, hat zweijährige Zwillinge. Zuvor lebte der gebürtige Hamburger in Neu-Wulmstorf. „Das ist zwar Niedersachsen. Aber das Ortsschild von Hamburg ist nur einen Steinwurf entfernt“, sagt der 34-Jährige.

Ja-Wort nach dem 1. Training

Er hatte nach dem Umzug zwei Bezirksliga-Vereine aus der Nähe ins Auge gefasst, nach dem ersten Probetraining in Wallinghausen sich aber schon direkt entschieden. „Mir hat es hier gleich gefallen. Der Klub ähnelt von seiner familiären Art auch meinem langjährigen Verein TSV Elstorf. Auch die grünen Vereinsfarben sind gleich.“

In Elstorf (Landkreis Harburg) machte sich der Offensivspieler einen echten Namen, wie man aus den Internetstatistiken erahnen kann. In einigen Spielzeiten gelangen ihm in der Bezirks- und Kreisliga mehr als 20 Treffer, auch mal für Klubs aus der Nähe. Auch Einsätze in der Landes- und Oberliga kann der Neu-Ostfriese vorweisen. Die vergangene Saison spielte er bei den Alten Herren, weil er auch mehr Zeit für die kleinen Zwillinge haben wollte. Nun hat er aber wieder Lust auf mehr.

Guter Kicker und lustiger Kerl

„Die Zahlen und Statistiken sprechen für ihn. Er ist fußballerisch gut. Und was noch genau so schön ist: Menschlich ist er fantastisch. Er hat auch einen tollen Humor“, sagt Trainer Jurek Klukowski, der selbst ein „Schlitzohr“ ist.

Die beiden gehen das Abendprogramm nach dem Hage-Spiel auch ähnlich an. Denn ob es eine Auricher-Stadtfest-Premiere von Kevin Genske gibt, entscheidet sich erst nach dem Abpfiff. „Ich bin so ein Typ, der es vom Ergebnis abhängig macht. Wenn wir verlieren, ist ein Wochenende auch mal für mich gelaufen. Läuft es gut, schaue ich da vielleicht mal vorbei.“

Ähnliche Artikel