Unternehmen im Porträt  Gartengeräte aus Uplengen gehen bis nach Tokio

| | 14.08.2024 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
André Markwirth schraubt ein Mähwerk zusammen. Foto: Ortgies
André Markwirth schraubt ein Mähwerk zusammen. Foto: Ortgies
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Mehr als 100 Jahre lang war das Unternehmen Cramer in Leer ansässig. Jetzt heißt es Remarc und hat in Jübberde neu gebaut. Dort werden weiterhin Gartengeräte hergestellt – aber das ist nicht alles.

Jübberde - Beim Gang durch die neue Produktionshalle der Firma Remarc in Jübberde fällt eines sofort auf: Trotz sommerlicher Temperaturen draußen ist es hier angenehm kühl. Möglich machen dies die 23 Wärmepumpen, die während des Neubaus an der Hollener Straße auf dem Dach installiert wurden. Im Sommer des vergangenen Jahres zog das Unternehmen, das sich auf den Bau von Gartengeräten spezialisiert hat, von seinem langjährigen Gelände an der Reimersstraße in Leer nach Uplengen um. Wir durften uns in den neuen, insgesamt 8700 Quadratmeter großen Hallen umsehen.

Geschäftsführer Andreas Bruns (rechts) und seine Frau Sandra sind Inhaber von Remarc. Sven de Buhr ist im Vertrieb tätig und kümmert sich unter anderem um die Fremdaufträge. Foto: Ortgies
Geschäftsführer Andreas Bruns (rechts) und seine Frau Sandra sind Inhaber von Remarc. Sven de Buhr ist im Vertrieb tätig und kümmert sich unter anderem um die Fremdaufträge. Foto: Ortgies

„Wir sind noch immer beim Sortieren und Einrichten“, sagt Vertriebsmitarbeiter Sven de Buhr, während wir zum Laserzentrum gehen. Manche Kiste oder andere Gegenstände aus den alten Hallen seien noch nicht an der Stelle, wo sie endgültig stehen sollen. Das moderne Laserzentrum steht in einer Ecke der neuen Halle. Dort könne Stahl, Edelstahl, Aluminium, verzinktes Blech oder Kupfer bearbeitet werden, erläutert de Buhr. Bis zu zwölf Millimeter dick sowie 1,50 Meter mal drei Meter groß könnten die Platten sein. „Das Laserzentrum ist außerdem mit einem Regalsystem gekoppelt“, sagt de Buhr.

Das Laserzentrum (verdeckt) ist mit einem automatisierten Regalsystem gekoppelt. Dieses reicht bis unter die Hallendecke. Foto: Ortgies
Das Laserzentrum (verdeckt) ist mit einem automatisierten Regalsystem gekoppelt. Dieses reicht bis unter die Hallendecke. Foto: Ortgies

Neues Laserzentrum ist vier Mal so schnell wie in Leer

Dieses ragt bis fast unter die Decke. „Die Maschine nimmt sich automatisch die Teile, die sie braucht.“ Mit einem Gabelstapler würden dann die zugeschnittenen Teile zur nächsten Station transportiert. „Die Anlage ist vier Mal so schnell wie die in Leer“, so de Buhr. Früher sei sie den ganzen Tag gelaufen. Jetzt schaffe sie die gleiche Menge im Laufe des Vormittags.

Berufe bei Remarc

Berufsfelder

  • Industriemechaniker
  • Schweißer
  • Oberflächentechniker für Pulverbeschichtung (Lackierer)
  • Lagerlogistiker
  • Elektriker
  • Konstrukteure Maschinenbau
  • Industriekaufleute

Ausbildungsberufe:

  • Konstruktionsmechaniker
  • Technischer Produktdesigner

Inhaber des Unternehmens sind heute Andreas und Sandra Bruns. Der Maschinenbauingenieur kaufte 2012 zusammen mit Achim Peters jeweils die Hälfte der Anteile am Unternehmen von der Familie Cramer. Seit Juni 2021 sind seine Frau Sandra und er alleinige Eigentümer. Bereits seit Anfang 2021 heißt das Unternehmen Remarc. Rückwärts gelesen heißt das Cramer. Unter diesem Namen firmierte das Unternehmen mehr als 185 Jahre. Die Anfänge liegen im Jahr 1835. Damals nahm Lüpke Spanjer an der Wörde in der Leeraner Altstadt eine Schmiede und Werkstatt in Betrieb. Dort stellte er Königswellen und andere Mühlenbauteile her. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm dessen Stiefsohn Lüppo Cramer die Leitung.

Seit Ende der 1970er werden Gartengeräte hergestellt

Das Unternehmen wuchs. Schließlich wurde die Werkstatt zu klein und man zog in die Hallen an der Reimersstraße. Das Gelände war vorher von der Eisengießerei Dirks genutzt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man erstmals auch Landmaschinen wie Heugebläse, Hackgeräte und Kartoffellegemaschinen. Letztere wurden noch bis 2012 vom Unternehmen produziert. „Der überwiegende Teil ging in den Export nach Russland oder in die Ukraine“, sagt Bruns. Im Sommer 2012 trennte man sich aber von der Agrartechniksparte und verkaufte sie an die niederländische Firma Wifo. Seitdem liegt der Fokus auf Maschinen und Geräte für die Garten- und Landschaftspflege, die seit Ende der 1970er zum Sortiment gehören.

Zwei Schweißroboter sollen die Effizienz erhöhen. Sven de Buhr verdeutlicht, wie groß diese Maschine ist. Foto: Ortgies
Zwei Schweißroboter sollen die Effizienz erhöhen. Sven de Buhr verdeutlicht, wie groß diese Maschine ist. Foto: Ortgies

Diese werden nun nicht mehr in Leer, sondern in Uplengen produziert. „Die Lage hier ist traumhaft“, sagt der Geschäftsführer. Ein großer Vorteil sei unter anderem die direkte Autobahnanbindung. Zudem konnte man nach dem neuesten Energiestandard KfW40+ bauen. Auf dem Dach befindet sich eine 600 kW Photovoltaikanlage. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien mit nach Jübberde gekommen, betont der Geschäftsführer. Man habe zudem einen Haustarifvertrag abgeschlossen. „Dadurch hat jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein E-Auto bekommen“, so Bruns. Auf dem Parkplatz gibt es zudem zahlreiche Ladesäulen.

Fünf Grundbereiche bei Remarc-Produkten

Die heutige Produktpalette lasse sich in fünf Grundbereiche einteilen: Aufsitzmäher, Laubsauger, Kehrmaschine, Gartenhäcksler und Vertikutierer. „Bei den Laubsaugern sind wir Marktführer“ betont Bruns. Zusammen mit den Häckslern seien das auch die meistverkauften Produkte. Da die fünf Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten nachgefragt würden, habe man das ganze Jahr über Arbeit, erläutert der Geschäftsführer. Die Produktion sei um etwa ein bis zwei Monate von der Nachfrage verschoben. Jetzt würden beispielsweise Laubsauger für den Herbst produziert. „Grundsätzlich müssen wir immer sofort liefern, wenn das Produkt nachgefragt wird“, betont Bruns.

Die fertigen Produkte stehen verpackt im Lager. Foto: Ortgies
Die fertigen Produkte stehen verpackt im Lager. Foto: Ortgies

Verkauft werden die Remarc-Produkte ausschließlich im Fachhandel – an Privatleute oder an Unternehmen beziehungsweise Kommunen. „Wenn wir in den Baumarkt gehen würden, fliegen wir im Fachhandel sofort raus“, macht er deutlich. Mehr als 800 Fachhändler in Deutschland bieten Produkte aus Uplengen an. Es gebe aber auch Kunden im europäischen Ausland und in Asien. „Die Stadtreinigung von Tokio bekommt jedes Jahr einen Container Laubsauger von uns“, sagt Bruns. Auch nach Sri Lanka und Korea würden bald Container gehen.

Schweißroboter sorgen für hohe Effizienz

„Wir machen hier alles, was mit lasern, kanten, schweißen und pulvern zu tun hat selbst“, sagt Sven de Buhr, während er beim Rundgang auf zwei große Kantbänke zeigt. Motoren, Reifen, Drehteile oder Riemen würden hingegen zugekauft. Während in einem Bereich der Halle die Handschweißgeräte stehen, erfolgt das Schweißen auf der anderen Seite automatisiert. Dort verrichten zwei große Schweißroboter ihre Arbeit. „Bei neuen Teilen werden die Roboter einmal angelernt, wo sie genau schweißen müssen“, erklärt de Buhr. Danach laufe es vollautomatisch. „Durch ein Zwei-Kammer-System erreichen wir eine höhere Effizienz und kürzere Durchlaufzeit“, erläutert er. So könne der Roboter in einer Kammer bereits schweißen, während in der anderen das nächste Teil durch einen Mitarbeiter vorbereitet werde.

Nach der Pulverbeschichtung werden die Teile zum Trocknen aufgehängt. Foto: Ortgies
Nach der Pulverbeschichtung werden die Teile zum Trocknen aufgehängt. Foto: Ortgies

Damit die Metallteile lange halten, werden sie im Anschluss lackiert. Die große Anlage dafür besteht aus verschiedenen Bereichen. Zunächst werde das Material entfettet und gespült. Anschließend werden die Bauteile im sogenannten Viant-Verfahren getaucht. „Das Material haftet dadurch selbst in Hohlräumen und versiegelt sie“, betont de Buhr. Nach der Trocknung folge dann nochmal eine Pulverlackierung per Hand in der gewünschten Farbe. Auch die neue Lackieranlage in Jübberde habe den Verarbeitungsprozess deutlich beschleunigt. „Das geht jetzt 3,6-mal so schnell wie vorher“, sagt er.

Ersatzteile für Produkte von vor 20 bis 30 Jahren

Dann folgt der nächste Schritt zum fertigen Gartengerät. Zunächst werden in den Vormontagegruppen beispielsweise die Kabelbäume und elektronischen Anschlüsse eingebaut. Schließlich werden an vier Montagebänder alle Einzelteile zusammengesetzt. Apropos Einzelteile: „Wir haben noch Ersatzteile für Produkte, die vor 20 bis 30 Jahren produziert wurden“, sagt Geschäftsführer Andreas Bruns.

Besichtigung des Werks

Wer Interesse hat, das Werk von Remarc in Jübberde zu besichtigen, kann sich an Sven de Buhr wenden. Er ist erreichbar unter Tel. 04956/4068413 oder per Mail an Sven.deBuhr@remarc.eu.

In Jübberde wird aber nicht nur produziert. Es werden auch neue Geräte entwickelt. Die neueste Idee ist ein spezieller Akkuladeschrank, der Brände durch technische Defekte verhindern soll, erklärt Vertriebsleiter Jörg Kollecker. Dort könnten Akkus in einer Schublade sicher geladen werden. Unter der Decke dieser Schublade befänden sich ein Rauchmelder und ein Temperaturfühler. Sollte die Temperatur des Akkus einen bestimmten Wert erreichen oder sich Rauch entwickeln, werde die Schublade mit Wasser geflutet. „Das befindet sich in einem darüberliegenden Tank“, so Kollecker. Die Schublade könne nicht einfach wieder geöffnet werden. Erst müsse das Wasser abgelassen werden. „Der Schrank ist auch kompatibel mit einer Brandmeldeanlage.“ Die Idee dazu habe man schon länger gehabt. Mit der neuen Halle in Jübberde sei der Kopf nun dafür frei gewesen. Auch im eigenen Unternehmen sollten die Schränke bald aufgestellt werden.

Vertriebsleiter Jörg Kollecker (links) und Christian Lage-Eggen aus der Versuchsabteilung stellen den neuen Akkuladeschrank vor. Foto: Ortgies
Vertriebsleiter Jörg Kollecker (links) und Christian Lage-Eggen aus der Versuchsabteilung stellen den neuen Akkuladeschrank vor. Foto: Ortgies

Nachdem es während der Corona-Pandemie noch Probleme mit Lieferzeiten von Einzelteilen wie Motoren gab, seien diese mittlerweile verschwunden. „Das waren zwei harte Jahre“, sagt Bruns. Bis ins vergangene Jahr habe es Auswirkungen gegeben. Jetzt wolle man am neuen Standort Fahrt aufnehmen. Dort sollen nicht nur eigene Produkte hergestellt werden. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, auch Fremdaufträge anzunehmen“, sagt Bruns. Von Laserteilen, über Fertigbauteile bis zur fertigen Maschine sei jetzt einiges möglich. „Das war in Leer noch nicht absehbar.“

In einem Bereich der Halle werden Ersatzteile gelagert. Teilweise sind sie für Produkte, die 20 bis 30 Jahre alt sind. Foto: Ortgies
In einem Bereich der Halle werden Ersatzteile gelagert. Teilweise sind sie für Produkte, die 20 bis 30 Jahre alt sind. Foto: Ortgies

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