„Olympionike“ seit 1992  Achter Olympiastart – Leeraner im Einsatz fürs ZDF

| | 06.08.2024 14:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch die grandiose Atmosphäre beim Beachvolleyball gleich neben dem Eiffelturm ließ sich Bernd-Volker Brahms nicht entgehen. Fotos: Privat
Auch die grandiose Atmosphäre beim Beachvolleyball gleich neben dem Eiffelturm ließ sich Bernd-Volker Brahms nicht entgehen. Fotos: Privat
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Bernd-Volker Brahms ist einer der größten Badminton-Experten Deutschlands. Weil er aus Paris die Infos lieferte, sparte sich das ZDF einen Reporter vor Ort.

Paris/Leer - Die georgische Sportschützin Nino Salukwadze (55) nahm in Paris bereits zum 10. Mal an Olympischen Spielen teil und teilt sich in dieser Rangliste mit dem nicht mehr aktiven Springreiter Ian Millar (Kanada) Platz eins. Ein Leeraner aber ist dem Duo in anderer Position dicht auf den Fersen. Seit 1992 „startete“ Bernd-Volker Brahms bereits achtmal als Journalist bei Olympia. „Seit meinem Debüt fehlt mir nur Peking 2008 in der Sammlung“, sagt er lächelnd.

Seine unendliche Badminton-Leidenschaft führte den Mitarbeiter des MDR, der mit Frau und Tochter in Stendal lebt, einst zu den olympischen Ringen. Über die Jahrzehnte hat der ehemalige Spieler des VfR Heisfelde derart viel Wissen über diese Sportart angehäuft, dass selbst das ZDF auf seine Kenntnisse nicht mehr verzichten mag. „Ich arbeite mit Reporter Martin Wolff zusammen“, erzählt Brahms. Wann immer das ZDF in den vergangenen Tagen aus der Badmintonhalle in Paris berichtet hat, war auch der Ostfriese involviert.

Ostfriese schrieb Badminton-Handbuch

„Das ZDF hat nicht in allen Sportarten Reporter vor Ort“, erklärt Brahms. „Martin Wolff kommentierte nicht aus der Halle, sondern aus dem Sendezentrum in Mainz und ich habe ihm die Informationen geliefert.“ Bei jedem Einsatz stand Wolff mit dem Experten im Hintergrund per Whatsapp in direktem Kontakt. „Und wenn die Kamera dann einen Trainer zeigte, habe ich ihm beispielsweise mitgeteilt, dass es sich um den Indonesier Rexi Mainaky handelte, der 1996 Gold für Malaysia im Doppel gewonnen hat.“

Es gibt fast nichts in dieser Sportart, was das ostfriesische Badminton-Superhirn nicht weiß. „Ich bin da tatsächlich ein wandelndes Lexikon.“ Sein umfassendes Wissen hat Bernd-Volker Brahms im weltweit geschätzten Handbuch des Badmintons niedergeschrieben. Die zweite Auflage seines Werkes wurde vor zehn Jahren sogar auf chinesisch veröffentlicht. „Das war für mich natürlich ein Ritterschlag“, sagt Brahms, der just in diesem Jahr die dritte Auflage mit Historie, Zahlen, Daten und Geschichten über die Weltstars dieser Sportart veröffentlicht hat.

Superstimmung wie 2000 in Sydney

Eigentlich müsste er nun schon wieder ein Kapitel hinzufügen. Denn die Badminton-Wettbewerbe, die in Paris am Montag endeten, boten ein großartiges Spektakel. Die 8000 Zuschauer fassende Arena Porte de la Charpelle war durchweg ausverkauft. Der Ostfriese war überwältigt von der Stimmung auf den Rängen: „Es herrschte ohrenbetäubender Lärm – auch während der Ballwechsel.“ Brahms liebt regelrecht die Spiele in Paris. „Ähnlich war die Stimmung nur 2000 in Sydney“, sagt der ewige Olympionike. „Es ist super und wirklich speziell hier“, schildert er die Szenerie. „Auf der Straße sind die Franzosen ganz gelassen und sprechen kaum von Olympia, und an den Wettkampfstätten machen sie richtig Bambule.“

Der Arbeitsplatz des Ostfriesen war die Arena Porte de la Charpelle im Norden von Paris.
Der Arbeitsplatz des Ostfriesen war die Arena Porte de la Charpelle im Norden von Paris.

Der Journalist hat sich natürlich viel in der Badmintonhalle aufgehalten, nutzte aber seine Akkreditierung auch für Ausflüge zu anderen Sportarten. Er schaute sich Beachvolleyballspiele am Eiffelturm an und verfolgte auf der Tennisanlage von Roland Garros den Sieg von Novak Djokovic über Rafael Nadal. „Auch die dramatische Niederlage von Angie Kerber gegen die Chinesin Zheng habe ich live gesehen.“

Kontrast zu Corona-Spielen 2021

Die Menschenmassen und die Begeisterung allenthalben faszinierte den „Badminton-Papst“. Schließlich hat er noch die Corona-Wettkämpfe von Tokio im Gedächtnis. „Da waren ja keine Zuschauer zugelassen. Ich habe dort ein Djokovic-Match vor 50 Organisatoren und Journalisten gesehen. In Paris waren es 15.000 Zuschauer.“

Natürlich pochte das Herz des Leeraners am heftigsten beim Badminton – etwa, als der Däne Viktor Axelsen den Asiaten den Goldtitel wegschnappte und fast noch mehr beim Drama um die Spanierin Carolina Marin. Sie hatte sich nach zwei Kreuzbandrissen zuletzt in die Weltspitze zurückgekämpft, führte haushoch im Halbfinale gegen eine Chinesin, als sie wieder mit dem Knie wegknickte und unter Tränen aus der Halle gebracht werden musste. „Auch diese Dramen gehören zu Olympia“, sagt Brahms.

Bernd-Volker Brahms kennt sie alle. Das Bild zeigt ihn mit dem Olympiasieger Viktor Axelsen.
Bernd-Volker Brahms kennt sie alle. Das Bild zeigt ihn mit dem Olympiasieger Viktor Axelsen.

Ihn haben die Spiele seit 1992 regelrecht süchtig gemacht. Am Dienstag feierte er bei seinem persönlichen Abschluss noch den Sieg der deutschen Basketballer über Griechenland und verfolgt auch das Basketball-Viertelfinale der USA gegen Brasilien. Damit sind dann die 8. Olympische Spiele für Bernd-Volker Brahms beendet. Aber wer ihn kennt, der ahnt schon, dass „Mr. Badminton“ auch 2028 in Los Angeles wieder „starten“ wird.

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