Zurück in der Heimat Von der Kickers-Bank zum Pewsum-Helden
Beim Oberligameister Kickers Emden bekam Heiko Visser nur noch wenig Spielzeit. In Pewsum hat er eine andere Rolle, ein anderes Ansehen und jede Menge Erfolg.
Pewsum - Für Heiko Visser beginnt mit 31 Jahren noch einmal ein neues Fußball-Leben. Nach einem Jahr auf der Ersatzbank beim Oberliga-Meister Kickers Emden begab er sich tabellarisch um zwei Stufen nach unten, während sein Selbstwertgefühl gerade ins Unermessliche nach oben steigt. Nach dem Reservistendasein in Emden schlüpft er beim Bezirksligisten TuS Pewsum in die Hauptrolle. Beim 5:0-Erfolg der Krummhörner zum Punktspielstart über Concordia Ihrhove war der Mittelfeldmann nicht nur wegen seiner beiden Tore der gefeierte Held.
„Heiko hat überragend gespielt und ist für uns ein ganz wichtiger Spieler“, sagt TuS-Trainer Jonas Petersen. Der hoch gelobte Routinier freut sich natürlich über derartige Komplimente und spazierte lange nach Spielschluss noch strahlend über die Anlage. „Es macht mir mega viel Spaß in Pewsum.“
Immer noch Kickers-Fan
Visser betont aber, dass er Emden keineswegs im Unfrieden verlassen habe. „Natürlich ist es nicht toll, wenig Spielzeit zu bekommen. Aber das ganze Drumherum bei Kickers war so super, dass mir das Meisterjahr trotzdem Spaß gemacht hat.“ Durch die Neuverpflichtungen von BSV-Macher Henning Rießelmann hatte Visser gerade im Kickers-Mittelfeld einen äußerst schweren Stand gegen überwiegend regionalligaerfahrene Akteure. „Das Niveau in der Mannschaft war schon überragend – aber auch der Teamgeist.“
So schlägt Vissers Herz mittlerweile nicht nur Grün-Rot, sondern auch noch immer Blau-Weiß. „Natürlich war ich am Freitag beim 1:0 über Meppen im Stadion“, erzählt Visser. „Wir haben in Pewsum extra früher trainiert und waren dann mit der ganzen Mannschaft im Stadion.“ Visser selber hat mit seinem Wechsel nicht nur sein Trikot gewechselt, sondern auch seine Rolle.
Chef im Mittelfeld
Er beackert nicht mehr die rechte Außenbahn wie in Emden, sondern führt nun bei den Krummhörnern als „Sechser“ im zentralen Mittelfeld die Regie. „Dabei habe ich alle Freiheiten.“ Die nutzt der Routinier zu ungewohnten Ausflügen in die gegnerischen Strafräume. Da tauchte er auch am Sonntag gegen Concordia Ihrhove mehrfach urplötzlich auf und vollendete in der ersten Hälfte zwei Angriffe zum 2:0 und 3:0. Es waren nicht die ersten Visser-Tore für die Pewsumer. Schon bei den Ostfriesland-Cup-Siegen in Bunde und im Finale gegen Süderneuland war der 31-Jährige erfolgreich. Regisseur, Torjäger und gefeierter Held – besser kann der Start bei einem neuen Klub gar nicht gelingen.
Dabei ist ihm der TuS Pewsum gar nicht so fremd. Als Uttumer ist er nur ein paar Kilometer von Pewsum entfernt aufgewachsen. Und nachdem er am Ende seiner Jugendzeit für den VfL Oldenburg in der Junioren-Bundesliga gespielt hatte, sammelte er in Pewsum erste Erfahrungen im Herrenbereich, ehe er 2014 zu Kickers wechselte. „Ich kenne hier noch immer viele Leute“, sagt Visser, der in Moormerland wohnt. Und in Pewsum gehören mit Leuten wie Joachim Groenewold, Nils Ludwig, Marek Hinrich oder Sandro Poppenga auch etliche ehemalige Kickers-Weggefährten im Kader.
Sie alle trugen dazu bei, dass die Krummhörner kürzlich im Ostfriesland-Cup triumphierten und mittlerweile von der Bezirksliga-Konkurrenz hoch gehandelt werden. „Ein Platz unter den ersten Fünf wäre schon schön“, sagt Heiko Visser. Wenn er selber die Mannschaft weiterhin so erfolgreich antreibt und nebenbei auch noch ein paar Tore schießt, dann sollte dieser Wunsch doch in Erfüllung gehen.