Ostfriese im Paris-Pech Janssen-Drama bei Olympia – „ich bin sehr traurig“
Der Diskus von Henrik Janssen landete im dritten Versuch ziemlich genau auf der 65-Meter-Marke. Doch der Kampfrichter wertete den Wurf als ungültig.
Paris/Norden - Der ostfriesische Hoffnungsträger bei Olympia erlebte ein regelrechtes Drama im Wurfring. Dem Norder Henrik Janssen passierte am Montagvormittag das vielleicht größte Missgeschick, das einem Olympioniken unterlaufen kann. Dreimal schleuderte Janssen in der Qualifikation für den Endkampf am Mittwoch den Diskus aus dem Ring, doch jedes Mal hielt der Kampfrichter die Rote Fahne in die Höhe – ungültig. Mit diesen drei Fehlversuchen war für den Athleten des SC Magdeburg der Olympia-Wettkampf beendet, bevor er so richtig begonnen hatte.
Der 26-jährige EM-Fünfte war natürlich am Boden zerstört, zeigte aber großen Charakter und reagierte prompt auf die Anfrage unserer Zeitung. „Das war der schlechteste Wettkampf meiner Saison“, sagte Janssen. „Ich bin sehr traurig.“ Und dann formulierte er den Vormittag ungeschminkt: „Das war echt Scheiße.“
Besonders bitter war der letzte Versuch des 2,04-Meter-Hünen, als die Scheibe genau auf die 65-Meter-Marke segelte. Doch die Zeitlupe offenbarte, dass Janssen mit der rechten Fußspitze auf die Umrandung des Wurfrings getreten war. Bei den Würfen zuvor war es ähnlich. Mit den 65 Metern im dritten Versuch hätte er den Sprung ins Finale der besten Zwölf klar geschafft. „Letztlich reichten dazu 62,88 Meter, die ich locker, locker, locker drin habe. Die würde ich normal werfen, wenn ich nachts um 2 Uhr geweckt werde.“
Janssen trauerte, Kumpel jubelte
Während der Fernseh-Reporter bei der letzten Chance zunächst noch von einem gelungenen Versuch sprach, hämmerte sich Henrik Janssen bereits mehrfach mit der Faust gegen die Stirn und verließ fassungslos den Ring. Um 10.10 Uhr hatte die Gruppe A ihren Wettkampf begonnen, eine knappe Stunde später war Olympia für den Ostfriesen bereits wieder vorüber.
Ab 11.35 Uhr war dann Janssens Kumpel und Trainingskollege Clemens Prüfer (SC Potsdam) in der zweiten Qualifikationsgruppe am Start. Bei der Europameisterschaft im Juni war Prüfer als Sechster noch hinter Janssen platziert. Diesmal aber trat er im Gegensatz zu seinem Freund jubelnd aus dem Ring. Bereits im ersten Versuch übertraf er mit 66,36 Metern die geforderte Weite für den Endkampf. Prüfer gehört damit am Mittwoch ab 20.25 Uhr zu jenen zwölf Athleten, die um die Medaillen kämpfen.
Der dritte deutsche Starter, Mika Sosna (Bergedorf), warf die Scheibe auf 61,81 Meter und scheiterte damit ebenso wie Henrik Janssen in der Qualifikation.