Mitarbeit bei Projekt  Leeraner Familie lebt bald im Himalaya

| | 25.06.2024 19:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Jonas und Mechthild Molkenthin starten mit ihren Söhnen bald in ein neues Abenteuer. Sie werden fünf Jahre lang in Bhutan leben. Foto: Bothe
Jonas und Mechthild Molkenthin starten mit ihren Söhnen bald in ein neues Abenteuer. Sie werden fünf Jahre lang in Bhutan leben. Foto: Bothe
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Vom ostfriesischen Flachland ins höchste Gebirge der Welt geht es Ende Juli für Familie Molkenthin aus Leer. Dort werden sie die nächsten fünf Jahre wohnen.

Leer - Es ist ein großes Abenteuer, auf das sich Mechthild und Jonas Molkenthin zusammen mit ihren Kindern Nate, Chris und Theo begeben. In wenigen Wochen geht es für sie vom Flachland in Ostfriesland ins höchste Gebirge der Welt, in den Himalaya. Es ist aber kein kurzzeitiger Urlaub. Die Leeraner Familie wird die nächsten Jahre ihres Lebens im Königreich Bhutan verbringen.

Jonas Molkenthin wird dort – auf rund 2600 Metern Höhe – an einem Projekt mitarbeiten, durch das eine Gemüseproduktion nach westlichen Standards in dem Land aufgebaut werden soll. „Ich wurde 2019 angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, als Techniker dabei zu sein“, sagt der 35-Jährige. Er hatte ein duales Studium bei der Meyer-Werft zum Schiffbauingenieur und Konstruktionsmechaniker absolviert und im Anschluss dort zunächst gearbeitet. „Durch Corona hat sich das ganze Projekt enorm verzögert“, sagt Molkenthin. Das hatte aber auch Vorteile.

1,2 Hektar sollen bewirtschaftet werden

„Ich konnte mich dadurch gut vorbereiten.“ Schließlich soll er sich in Bhutan unter anderem um die Konstruktion der Gewächshäuser kümmern. Daher habe er in den vergangenen drei Jahren in der Gewächshausautomation bei Otte Metallbau in Harkebrügge (Gemeinde Barßel) gearbeitet. Im Himalaya werde er sich dann unter anderem um die Klimaautomation, die Bewässerung und die Heizung der Gewächshäuser kümmern. Ziel sei es, schließlich 1,2 Hektar zu bewirtschaften.

So sehen die Häuser in dem Tal aus, in dem Familie Molkenthin leben wird. Foto: Molkenthin
So sehen die Häuser in dem Tal aus, in dem Familie Molkenthin leben wird. Foto: Molkenthin

„Wir sind ein Team von fünf internationalen Fachkräften“, erläutert Molkenthin, der wie seine Frau aus Stendal stammt. Die anderen kämen aus asiatischen Ländern sowie aus der Schweiz und aus Irland. Bis zu 40 Einheimische sollten schließlich beim Gemüseanbau mitarbeiten. Die Zahl werde aber erst nach und ansteigen. Angebaut werden sollen Tomaten, scharfe Chili, Paprika und Gurken. Im Anschluss werde es auf dem lokalen Markt verkauft.

Durch die Arbeit werde die Familie nicht reich

Das Team sei von den Einheimischen gebeten worden, dieses Projekt umzusetzen, sagt der Leeraner. „Das Gemüse wird meist aus Indien nach Bhutan importiert“, sagt Mechthild Molkenthin, die zuletzt als Gymnasiallehrerin an der FCSO in Veenhusen gearbeitet hat, bevor ihre drei Söhne zur Welt kamen. „Als während der Corona-Pandemie die Grenzen dicht waren, gingen die Preise für Chilis in die Höhe“, ergänzt ihr Mann.

Offiziell angestellt ist der 35-Jährige bei einer internationalen Investmentfirma. „Wir werden durch den Job nicht reich“, betont Molkenthin. Er verdiene zwar das Dreifache eines Einheimischen, aber diese erhielten umgerechnet 150 Euro pro Monat. Das ganze Projekt ist auf fünf Jahre ausgelegt. „Ziel ist es, das Gewächshaus im Anschluss in einheimische Hände zu übergeben“, sagt er. „Wir sehen das Projekt als Entwicklungshilfe an. Es soll ein Modellgewächshaus sein und es sollen einheimische Gärtner ausgebildet werden.“

Typischerweise werde draußen abgewaschen

Die Molkenthins gehen als Familie nach Bhutan. Die drei Söhne – vier, sieben und neun Jahre alt – werden von Mechthild Molkenthin zu Hause unterrichtet. „Ich werde mich dort um die Kinder und das normale Leben kümmern“, sagt sie. Das ist durchaus anders als in Ostfriesland. „Es gibt dort keine Supermärkte“, sagt die 38-Jährige. Obst, Gemüse und Fleisch werde dort auf den lokalen Märkten eingekauft.

Jonas und Mechthild Molkenthin gehen gemeinsam mit ihren Söhnen Nate (vorne, von links), Chris und Theo nach Bhutan. Foto: privat
Jonas und Mechthild Molkenthin gehen gemeinsam mit ihren Söhnen Nate (vorne, von links), Chris und Theo nach Bhutan. Foto: privat

Auch der Haushalt ist anders als in Deutschland. So werde typischerweise draußen abgewaschen. Dort gebe es auch fließend Wasser. „Wir können uns aber auch vorstellen, unser Haus dann so umzubauen, dass wir drinnen eine Küche mit Wasser haben“, sagt Jonas Molkenthin. Wenn es Ende Juli nach Bhutan geht, haben sie zunächst eine Bleibe, wo sie die erste Zeit leben können, sagt seine Frau. Es werde aber auch schon vor Ort nach einem dauerhaften Heim gesucht. „Im Zweifel schauen wir nochmal selbst vor Ort“, sagt sie.

Viele Kurven, wenig Tunnel und Brücken

Der Ort, in dem sie wohnen werden, habe insgesamt rund 500 Einwohner. Er ist in der Nähe der Provinzhauptstadt Wangdue Phodrang (5000 Einwohner). Bhutan selbst ist in etwa so groß wie die Schweiz und hat insgesamt rund 800.000 Einwohner. „Die Menschen leben in den Tälern des Himalayas“, sagt Jonas Molkenthin. Die Hauptstadt Thimphu hat etwa 180.000 Einwohner. „Dort leben auch die meisten Ausländer“, sagt der 35-Jährige. Diese bräuchten besondere Genehmigungen, wenn sie die jeweilige Provinz verlassen wollen. Dadurch, dass es in Bhutan wenige Tunnel und Brücken gibt, schlängeln sich die Straßen durch die Täler. Die Höchstgeschwindigkeit liege daher bei 50 Stundenkilometern, meist aber nur bei 30.

Als Jonas Molkenthin im März bereits für eine Woche im Land gewesen war, um nach einem geeigneten Land für das Projekt zu suchen, sei er mit weiteren Team-Mitgliedern einen ganzen Tag im Auto unterwegs gewesen und hätten am Ende nur 120 Kilometer auf dem Tacho gehabt. „Das war schon ein wenig frustrierend“, sagt er und lacht.

Sehr gute Internetverbindung in Bhutan

Pakete und Post zu schicken, ist daher eher schwierig. Anders sehe es hingegen bei der Internetverbindung aus. „Die ist in Bhutan sehr gut“, sagt der Leeraner. Dadurch sei es auch für Freunde und Familie leichter, ergänzt seine Frau. „Man kann gut in Kontakt bleiben.“ Eins betont sie aber auch: „Wir werden vor Ort immer gucken, ob es noch für die Kinder passt.“ Ansonsten müsste jemand anderes den Job dort weitermachen.

Ein Stück weit hinter den Bäumen auf der linken Seite befindet sich die Fläche, die bewirtschaftet werden soll. Foto: Molkenthin
Ein Stück weit hinter den Bäumen auf der linken Seite befindet sich die Fläche, die bewirtschaftet werden soll. Foto: Molkenthin

Mit den Einheimischen könne man sich häufig auf Englisch unterhalten. Das werde im Unterricht gelehrt. „Jedes Tal hat aber auch seine eigene Sprache“, sagt Mechthild Molkenthin. Insgesamt gebe es zwölf Hauptsprachen im Land. Am häufigsten werde noch Dzongka, die Sprache der Hauptstadtregion gesprochen. Diese werde ebenfalls im ganzen Land im Unterricht gesprochen. „Wir wollen auf jeden Fall die einheimische Sprache lernen“, betont Jonas Molkenthin.

Zwei Koffer mit je 23 Kilogramm pro Person

Temperaturtechnisch sind Bhutan und Ostfriesland gar nicht so verschieden. Weil es näher am Äquator ist, sei es trotz der Höhe ähnlich warm wie hier, sagt Mechthild Molkenthin. Es sei aber auch Monsun-Gebiet. Die Winter seien trocken, aber der Sommer sehr nass.

Staatsreligion ist der tibetische Buddhismus. Auch kulturell sei Bhutan Tibet sehr nah. Ihren eigenen, christlichen Glauben dürfen die Molkenthins aber ohne Einschränkungen praktizieren.

Derzeit seien sie fleißig am Packen. Jeder dürfe zwei Koffer mit je 23 Kilogramm mitnehmen. „Es ist ein Stück weit ein Abenteuer“, sagt Jonas Molkenthin. „Es ist schon ein krasser Unterschied – vom flachen Ostfriesland in die hohen Berge des Himalaya.“ Sie wollen ganz sicher auch einmal wandern gehen, betont seine Frau. „Wir werden bestimmt in Gegenden kommen, die höher sind, als viele Ostfriesen jemals sein werden.“ Ende Juli geht es nun los.

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