2023 halbe Million Schulden  Kickers Emden nähert sich einem Millionen-Etat

| | 31.05.2024 14:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gute Laune herrschte bei den Kickers-Leuten. Das Foto zeigt (von links) den einstigen Vorsitzenden Günther Schmaler, den aktuellen Klubchef Hendrik Poppinga und Vorstandsmitglied Nils Andersson. Foto: Doden
Gute Laune herrschte bei den Kickers-Leuten. Das Foto zeigt (von links) den einstigen Vorsitzenden Günther Schmaler, den aktuellen Klubchef Hendrik Poppinga und Vorstandsmitglied Nils Andersson. Foto: Doden
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Mit Hendrik Poppinga und Ute Specht stehen Steuer-Experten an der Spitze. Dank ihrer Arbeit gelang Kickers die Entschuldung. Spieler und Trainer kosteten den BSV in dieser Saison 600.000 Euro.

Emden - Fußball-Regionalligist BSV Kickers Emden ist längst kein herkömmlicher Sportverein mehr, sondern ein Wirtschaftsunternehmen mit einem Millionen-Etat. Mit dieser Überzeugung verließen am Donnerstag wohl alle 65 Mitglieder die Versammlung, nachdem Kickers-Vorsitzender Hendrik Poppinga und Schatzmeisterin Ute Specht im Wechsel ein mehr als zweistündiges Zahlen- und Datenfeuerwerk aus der Materie des Steuerwesen abgebrannt hatten. Allen war nach diesen Auftritten klar, dass die Führung solch eines Regionalligisten allein mit rührigen Ehrenämtlern nicht mehr zu stemmen ist.

Schatzmeisterin Ute Specht erklärte den Mitgliedern das Zahlenwerk.
Schatzmeisterin Ute Specht erklärte den Mitgliedern das Zahlenwerk.

Die Führungsleute der Steuerkanzlei Poppinga, Stomberg und Kollegen haben es mit Unterstützung von Sponsoren und Gläubigern innerhalb eines Jahres geschafft, einen Schuldenberg von fast einer halben Million Euro abzutragen. So konnte am Donnerstag die Ausgliederung der 1. Herrenmannschaft in eine GmbH rückwirkend zum 1. März auf den Weg gebracht werden. Das war die Voraussetzung dafür, dass Fußballunternehmer Henning Rießelmann mit seiner Firma und seinen Leuten von „Onside Sports“ auch künftig die sportlichen Geschicke gestalten und den BSV möglicherweise in eine rosige Zukunft lenken wird.

Mitglieder staunten

Neben den Rießelmännern ist aber auch das Duo Poppinga/Specht ein Glücksfall für den BSV. Die Mitglieder konnten am Donnerstag über deren Ausführungen nur staunen, aber längst nicht alles aus der komplizierten Steuermaterie nachvollziehen. Der Jurist und Ehrenpräsident Günther Kunz brachte es auf den Punkt: „Steuerfachleute halten uns hier Vorträge über Steuerdinge, die wir alle nicht verstehen. Ich weiß auch nicht, was positive Rechnungsabgrenzungsposten sind. Aber diesen Leuten können wir vertrauen. Sie haben es geschafft, dass wir nun ausgliedern können.“

Weil nur solche Experten den BSV Kickers nach einer Insolvenz in der Vergangenheit und der Beinahe-Pleite 2023 vor dem nächsten Schlamassel bewahren können, mag sich keiner ausmalen, wenn diese Expertise im Vorstand einmal fehlen wird. Der Pewsumer Hendrik Poppinga wollten den Chef-Posten beim BSV eigentlich nur bis November übernehmen. Wer sollte ihn dann beerben? „Das ist eine gute Frage“, zuckte Vorstandsmitglied Reiner Bruns im Gespräch nach der Sitzung nur die Schultern. Und Poppinga selber gab auch keine klare Antwort auf die Frage, ob er vielleicht doch noch etwas länger den Vorsitz beim Fußball-Aushängeschild der Region behalten wird.

Hohen Schulden im Regionalligajahr

Mit Fachleuten wie Specht und Poppinga bildet der Verein ein starkes Gegengewicht zu den „Rießelmännern“. Und da der BSV künftig über 51 Prozent der GmbH und „Onside“ über 49 Prozent verfügt, kann es für Kickers nur gut sein, wenn beide Seiten hochklassig besetzt sind.

Schließlich wird der künftige Etat an der Millionengrenze kratzen. Das zeigten die vorgetragenen Zahlen ebenso wie die Tatsache, dass der Klub alleine in der sportlich verheerenden Regionalligasaison 2022/23 mehr als 220.000 Euro zusätzliche Schulden angehäuft hat. Seit dem Einstieg der „Rießelmänner“ und der Steuer-Experten gelang nun die Entschuldung, obwohl die Spielergehälter sogar stiegen.

Welche Einnahmen hat der BSV künftig?

Für 2022/23 betrugen Gehälter (313.000) plus Sozialabgaben 440.000 Euro. Wegen der rückwirkenden Ausgliederung zum 1. März berechneten Poppinga und Specht die Ausgaben der zurückliegenden Serie zum Stichtag 29. Februar – also nur für die ersten acht Monate. Allein für diesen Zeitraum mussten an Gehältern und Nebenkosten 398.000 Euro gezahlt werden – hoch gerechnet bis zum 30. Juni sind es also rund 600.000 Euro.

Dieses Geld muss aber künftig die GmbH – also die Tochterfirma von Kickers – zahlen und nicht mehr der Verein. Weil aber die GmbH auch die Sponsorengelder sowie die Spieltagseinnahmen (Ticketerlös, Catering) erhält, muss der Verein nun mit „Onside“ verhandeln, welche Einnahmen außer dem spärlichen Jahresbeitrag der knapp 300 Mitglieder des BSV noch für durchaus kostspielige Jugendmannschaften und weitere Ausgaben bekommt. Auf Hendrik Poppinga, Ute Specht, den GmbH-Geschäftsführer Bastian Dassel und das Team von Henning Rießelmann wartet also noch viel Arbeit.

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