Emden gegen Hildesheim  Kickers-Mann vom Wochenmarkt will neuen Serien-Rekord

| | 03.05.2024 14:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
BSV-Co-Trainer Markus Unger steht für Kickers an der Linie und für Vorwerk auf dem Emder Wochenmarkt. Foto: Doden
BSV-Co-Trainer Markus Unger steht für Kickers an der Linie und für Vorwerk auf dem Emder Wochenmarkt. Foto: Doden
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Markus Unger hat seinen Lebensunterhalt immer mit dem Fußballsport bestritten. Nun arbeitet er im Nebenjob als Staubsaugervertreter für Vorwerk. Mit Kickers peilt er am Samstag einen Rekord an.

Emden - Niemand aus der Mannschaft des aktuellen Oberliga-Meisters Kickers Emden hat das Ohr so nahe am Emder Bürger wie Co-Trainer Markus Unger. Jeden Freitag steht er von 7 bis 13 Uhr auf dem Emder Wochenmarkt und plaudert mit den Leuten. Dort verrichtet Unger seinen Nebenjob, den er selber „Nebenspaß“ nennt, und pflegt als Vertreter des Staubsauger-Konzerns „Vorwerk“ den Direktkontakt zu den Kunden. „Da dreht sich natürlich so manches Gespräch auch um Fußball“, sagt der 42-Jährige. Gerne thematisiert er die unendliche Siegesserie seines BSV Kickers. 17-mal in Folge haben seine Kicker schon gewonnen. Und am Samstag um 18 Uhr folgt nun für ihn das Spiel der Spiele gegen seinen Ex-Klub VfV Hildesheim.

Mit Sieg Nummer 18 könnte Kickers den Unger-Rekord brechen. Vor mehr als zehn Jahren gewann er als spielender Co-Trainer von Eintracht Braunschweig II die ersten 17 Oberliga-Punktspiele in Folge. „Das habe ich natürlich unserer Mannschaft längst erzählt.“ Und nun streben alle danach, die „Unger-Marke“ auszulöschen.

Auf dem Emder Wochenmarkt ist Markus Unger regelmäßig vertreten. Foto: Schuurman
Auf dem Emder Wochenmarkt ist Markus Unger regelmäßig vertreten. Foto: Schuurman

Wiedersehen mit Freunden

Dieses Kunststück könnte ausgerechnet gegen den früheren Klub des Co-Trainers glücken. „Für mich ist das ein ganz besonderes Spiel“, sagt der Assistent von Trainer Stefan Emmerling. Beim VfV war Unger bis zum vergangenen Sommer im Einsatz. Er kennt noch viele Spieler und freut sich auf das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Co-Trainern Björn Kollerbeck und Marcel Hartmann, die seine Nachfolge an der Seitenlinie antraten.

Doch diese Freundschaft ruht für 90 Minuten. Für die Gäste geht es um die wohl letzte Chance auf Platz zwei, der zur Regionalliga-Relegation berechtigt – für Kickers um die einmalige Rekordmarke. „Ich weiß nicht, ob jemals einem Verein in der Oberliga Niedersachsen solch eine Marke geglückt ist“, rätselt Unger.

Nebenjob ist schöne Erfahrung

Die Gespräche über die vielen Siege, die gerade gefeierte Meisterschaft mit Kickers und die Perspektiven in der Regionalliga bereiten dem Mann vom Wochenmarkt auch mit seinen Kunden viel Freude. Er genießt es, erstmals im Leben nicht allein als Profi im Fußball seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. „Das ist eine schöne Erfahrung.“ Und sein Job als Staubsauger-Vertreter sorgt bei Freunden für Erstaunen und manchmal auch für Erheiterung.

So weilte der BSV-Coach am Dienstag zu einem Legendenspiel bei Eintracht Braunschweig. Bei diesem Klub war er neuneinhalb Jahre aktiv. Unger genoss die Hobby-Partie vor sage und schreibe 14.000 Zuschauern. „Hinterher wurde mit den Ex-Freunden geplaudert“, erzählt er. „Da gab es auch lustige Reaktionen auf meinen Nebenjob.“ Auf dem Wochenmarkt steht Unger nur freitags. „Ansonsten besuche ich Kunden in Emden, Hinte und manchmal auch auf Borkum für Service-Termine.“

Bayern-Rekord bei 19 Siegen

Nun aber konzentriert er sich ganz auf die Hildesheim-Partie und die Superserie. In den Profiligen sind sie selten. Die längste Erfolgsserie in der 3. Liga steht bei lediglich neun Siegen (Karlsruher SC, 2012/13), in der 2. Liga bei zehn Triumphen (ebenfalls KSC, 19 86/87 und St. Pauli, 2022/23), während Bayern München 2013/14 in der 1. Liga tatsächlich 19-mal hintereinander jubelte.

Auch das ist jetzt beim BSV Kickers möglich. „Ich habe den Spielern gesagt, dass sie so etwas nie wieder erleben werden und deshalb immer weitermachen sollen“, erzählt Unger. Bereits zu Saisonbeginn hatte er spaßeshalber seine Bestmarke ins Spiel gebracht. Als Kickers dann ab Herbst einen Erfolg an den anderen reihte, wurde die Unger-Marke wieder Thema. Nun heißt es 17:17 zwischen Unger und Kickers. Die BSV-Akteure können gegen Hildesheim an ihm vorbeiziehen.

„Das ist doch eine tolle Motivation für uns als Meister.“ Mit welchen Akteuren die nächsten drei Punkte angepeilt werden, ist laut Unger völlig offen. „Wir haben wie immer die Qual der Wahl. Da tut die Entscheidung auch manchmal weh.“ Es fehlt vom Stammpersonal allein der verletzte Pascal Steinwender. Trotz Rotation lief es am 1. Mai auch gegen BW Bornreihe (5:1) rund beim BSV. Das erhofft sich Markus Unger nun auch gegen seinen Ex-Klub. Das Hinspiel endete übrigens am 4. November 0:0. Danach begann jene Emder Siegesserie, die bis heute einfach nicht enden will.

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