Mauer Start Borkums Dehoga-Chef mit Saison bisher unzufrieden
Volkmar Vogel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband auf der Insel zieht ein ernüchterndes Fazit der bisherigen Saison 2024. Dabei spielt auch die gestiegene Mehrwertsteuer eine Rolle.
Borkum/Landkreis Leer - „Mit den ersten vier Monaten ist überhaupt keiner zufrieden.“ Volkmar Vogel, Vorsitzender des Dehoga-Inselverbandes Borkum, zieht ein ernüchterndes Fazit der bisherigen Saison 2024. Ein Faktor dabei: die Rückkehr zu 19 Prozent Mehrwertsteuer für den Restaurantbesuch.
Zur Erinnerung: Seit der Corona-Zeit, während der Betriebe lange schließen mussten, klagen Restaurant- und Hotelbesitzer bundesweit über zu wenige Einnahmen. Hinzu kamen gestiegene Kosten für Lebensmittel und Energie. Um die Betriebe nach den Schließungen während der Pandemie zu stärken, hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer für Speisen im Restaurant zeitweise von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Seit 1. Januar 2024 gelten allerdings wieder die alten Steuersätze – natürlich auch auf Borkum.
Nudelgericht ohne Fisch und Fleisch für fast 18 Euro?
Und wie hat sich die Lage auf der Insel entwickelt? „Ich persönlich würde sagen, es gibt viele, die haben gut kalkuliert mit der Preiserhöhung“, so die Einschätzung von Volkmar Vogel. Die meisten hätten die Preise moderat angezogen, eine 1:1-Weitergabe der Kosten würde ohnehin nicht funktionieren. Der ein oder andere Gastronomie-Betreiber habe es aber auch übertrieben, das hätten ihm Gäste gespiegelt. Vogel nennt ein Beispiel: Ihm sei von einem Nudelgericht, ohne Fisch oder Fleisch, für knapp 18 Euro berichtet worden. „So toll kann auch keine Soße sein“, scherzt der Dehoga-Vorsitzende.
Osman Kalkinc, 2. Beisitzer im Inselverband Borkum und Chef des Restaurants Alt Borkum, bestätigt, dass man die Preise nicht zu viel erhöhen dürfe. Ein Schnitzel für 30 Euro sei kaum zu verkaufen. „Wenn der Kunde den Preis nicht akzeptiert, hilft das auch nicht.“ Insgesamt stellten die 19 Prozent Mehrwertsteuer eine große Herausforderung dar, unterstreicht Osman Kalkinc. Waren- und Fixkosten, Einnahmen und Ausgaben, bedingten wirtschaftliches Kalkulieren und eine ständige Kontrolle. Mit der Rücknahme der Steuersenkung habe die Politik „eine völlig falsche Entscheidung“ getroffen, deren ganze Auswirkungen man vermutlich erst richtig im dritten oder vierten Quartal sehe. „Es sind sehr schwierige Zeiten, man kann nicht planen für Investitionen“, moniert Osman Kalkinc.
In Sorge um die Esskultur
Dass sich mitunter auch die Planungen beim Essengehen ändern und gespart wird, hat nicht nur Volkmar Vogel festgestellt. „Da wird vielleicht ein Dessert weggelassen oder man teilt sich den Nachtisch.“ Eine weitere Beobachtung: Viele Gäste gehen im Urlaub nicht (mehr) jeden Tag Ausessen. Manchmal tue es eben auch das Fischbrötchen auf die Hand. Unabhängig davon, betont Volkmar Vogel: „Essengehen hat auch eine soziale Komponente. Ich gehe nicht essen, um zu überleben. Du willst einen geselligen Abend haben, machst ein nettes Geschäftsessen. Das hat etwas mit Geselligkeit, mit Kommunikation zu tun – und das muss beibehalten werden.“
Ähnlich hatte sich kürzlich Christian Oltmanns, Erster Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreisverband Leer und Inhaber des Landhaus Oltmanns in Moormerland, geäußert. Er fürchte um die Esskultur, wenn Restaurantbesuche für immer weniger Menschen erschwinglich werden. „Wir brauchen zum Beispiel Angebote für Familien mit Kindern. Sonst werden die nur noch die günstigeren Fast-Food-Restaurants aufsuchen, wenn sie auswärts essen wollen.“ In dem Kontext hatte Oltmanns hervorgehoben, dass man Gäste von außerhalb brauche, „sonst funktioniert es nicht. Die haben in der Regel mehr Geld zur Verfügung für Restaurantbesuche oder Ähnliches“.
Ein weiterer Faktor: das maue Wetter
Außerdem wollten Touristen und die Bevölkerung Vielfalt. „Brechen viele gastronomische Betriebe weg, können wir diese nicht mehr bieten“, so Christian Oltmanns Befürchtung. Volkmar Vogel ergänzt: „Ich kenne ja nur die Kolleginnen und Kollegen, die auch im Dehoga-Verband sind. Ich denke, dass jeder von ihnen, der gut aufgestellt ist, auch weiterhin am Markt sein wird.“ Auf Borkum – wo es im Verhältnis zur Bettenzahl viel weniger Restaurantplätze gebe – hätten die Gäste selbst über Ostern noch ausreichend freie Plätze in der Gastronomie gefunden. Das sei vor Corona mitunter anders gewesen.
Für die bislang mäßige Jahresbilanz macht Vogel übrigens auch das bisher maue Wetter auf Borkum verantwortlich. „Ostern war es gefühlt voll, aber nur, weil keiner am Strand war. Dadurch, dass alle spazieren gegangen sind, haben sich viele im Ort aufgehalten, da wirkte alles voll.“ Selbst der Mai mit zahlreichen Feiertagen sei bisher bei weitem nicht ausgebucht. „Der Rest des Jahres muss besser werden!“, so Vogel.