Ossiloop startet am Dienstag  Ossiloop-Königin Hilde Steinke muss nach 42 Jahren passen

| | 24.04.2024 11:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch Kälte und Dauerregen konnten Hilde Steinke vor einem Jahr nicht stoppen. Doch dieses Jahr wird sie nicht starten. Foto: Ortgies
Auch Kälte und Dauerregen konnten Hilde Steinke vor einem Jahr nicht stoppen. Doch dieses Jahr wird sie nicht starten. Foto: Ortgies
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Alle 252 Etappen seit 1982 hat die 79-Jährige absolviert. Dieses Jahr wird keine weitere hinzukommen. Wir kennen die Gründe und die Person, die sie in der ewigen Bestenliste vermutlich überholen wird.

Moormerland - Sie lief und lief und lief – bei Sonne oder Regen, bei Hitze oder Kälte. Nichts konnte die „ewige“ Hilde Steinke seit der Premiere des Ossiloops 1982 bislang stoppen. Doch nach 252 Etappen in Serie muss die unbestrittene Königin des Ossiloops diesmal passen. Wenn am Dienstag in Bensersiel der Startschuss zum 43. Sechs-Etappen-Lauf durch Ostfriesland ertönt, dann wird sich Hilde Steinke mit der Zuschauerrolle begnügen. „Diesmal laufe ich nicht mit“, erklärt die 79-Jährige. „Ich habe es mir lange überlegt und mich vor ein paar Tagen gegen einen Start entschieden.“

Hilde und Dietrich Steinke gehören eigentlich zum Ossiloop wie der Wind, das Meer und auch Leer. Foto: Ortgies
Hilde und Dietrich Steinke gehören eigentlich zum Ossiloop wie der Wind, das Meer und auch Leer. Foto: Ortgies

Seit Wochen macht der „Grande Dame“ das rechte Bein zu schaffen. „Mit Physiotherapie habe ich die Schmerzen wegbekommen“, erklärt sie. „Aber ich ziehe das Bein noch immer etwas nach.“ Und so glaubt sie nicht, das Erscheinungsbild auf der Strecke abgeben zu können, das sie anstrebt. „Ich will in Würde laufen.“ Und ein unrunder Jogging-Stil kommt für die fünffache Ossiloop-Siegerin, die auf den rund 65 Kilometern immer im Rampenlicht der Zuschauer steht, nicht in Frage.

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24.04.2024

Rekord geht an den Ehemann

So wird Hilde Steinke vermutlich schon bei der zweiten Etappe einen Rekord verlieren – an den eigenen Ehemann. Dietrich Steinke versäumte nämlich in 42 Jahren wegen eines Unfalls auch erst eine einzige Etappe und stand deshalb immer ein wenig im Schatten seiner Hilde und in der Rekordliste der absolvierten Abschnitte auf Platz zwei.

Am Dienstag wird der 82-Jährige in dieser Wertung zu seiner Gattin aufschließen und am Freitag dann vermutlich erstmals seit Jahrzehnten bei der Zahl der Etappen an ihr vorbeiziehen. „Mir ist das egal“, sagt Hilde Steinke. „Ich habe da überhaupt kein Problem mit.“

Auch ein Sohn muss passen

Allerdings läuft es auch bei Gatte Dietrich Steinke nicht mehr ganz so locker und lässig wie bei der Ossiloop-Premiere vor 42 Jahren, als gerade einmal 24 Athleten das Ziel erreichten. Er ist nun eher im flotten Walking-Schritt unterwegs und genießt – wie schon im Vorjahr – das Sonderrecht, sich deutlich vor dem Hauptfeld auf die Strecke machen zu dürfen, um nicht zu spät das Ziel zu erreichen.

Während der Senior aber den Kultlauf bestreiten möchte, fehlt neben der „Königin“ ein weiteres Mitglied der Steinke-Familie in der Meldeliste. Sohnemann Rolf laboriert noch an einem Knöchelbruch, den er sich beim Heiligabendlauf zugezogen hat.

Hilde Steinke als Fahrerin

Sein Bruder Peter Steinke, der sogar neunmal den Ossiloop gewann, wird hingegen antreten. „Ich bin heiß und freue mich drauf“, sagt der 57-jährige Schornsteinfeger, der auch schon 204 Ossiloop-Abschnitte gemeistert hat und die Nummer vier unter den fleißigsten Etappensammlern ist.

Hilde Steinke wird ihre beiden startenden Männer nicht nur vom Seitenrand anfeuern. „Ich übernehme in diesem Jahr auch mal den Fahrdienst“, erzählt sie lächelnd. Die Mutter der Steinke-Kompanie hat offenbar alles geregelt. Sie informierte auch schon am vergangenen Freitag telefonisch den Ossiloop-Chef Edzard Wirtjes über ihren Startverzicht. „Am Samstag bin ich dann noch bei ihm im Geschäft gewesen und habe es noch einmal genau erklärt.“

Hilde Steinke sieht ihre Absage ganz realistisch und keineswegs dramatisch: „Ich werde einfach mal aussetzen. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr wieder.“

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