2:1-Sieg bei Atlas  Kickers stürmt beim Derby historisch Richtung 4. Liga

| | 06.04.2024 20:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kickers feierte das 1:0 durch Tobias Steffen schon nach sieben Minuten. Fotos: Doden
Kickers feierte das 1:0 durch Tobias Steffen schon nach sieben Minuten. Fotos: Doden
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Im Derby zeigte Kickers vor 1530 Zuschauern bis zur Pause eine wahre Meister-Gala. Nach der 2:0-Führung wurde es noch einmal eng. Am Ende war es ein historischer Erfolg.

Delmenhorst - Fußball-Oberligist BSV Kickers Emden stürmt unaufhaltsam und mit einer historischen Superserie Richtung Regionalliga. Beim Derby am Samstag in Delmenhorst schaffte der BSV den elften Saisonsieg in Folge, blieb das 17. Mal hintereinander unbesiegt und feierte mit dem 2:1-Triumph den ersten Erfolg bei Atlas seit mehr als 20 Jahren. „Ich habe es selbst schon vier oder fünfmal hier probiert - aber nie war es mir bisher gelungen‘“, sagte Kickers-Kapitän Tido Steffens. „Endlich haben wir es geschafft.“

Pascal Steinwender (rechts) hat soeben das 0:1 erzielt.
Pascal Steinwender (rechts) hat soeben das 0:1 erzielt.

So lag sich die Mannschaft nach dem Abpfiff vor 1530 Zuschauern in den Armen, feierte minutenlang mit ihren lautstarken Anhängern und genoss den wohl schönsten Triumph des Jahres anschließend bei einem Partyabend in Oldenburg.

M-Wort ist tabu

Das größte Lob sprach Atlas-Trainer Dominik Schmidt den Emdern hinterher aus. „Der Sieg war absolut verdient.“ Und der SVA-Coach äußerte auch so seine Meinung, wohin der Emder Weg nun führt: zur Meisterschaft. „Ihr werdet auch die restlichen Spiele ziehen“, gab er seinem Kollegen Stefan Emmerling mit auf den Weg. Die Emder Spieler scheuten sich hingegen nach einer zumindest 45-minütigen Meistergala, das M-Wort in den Mund zu nehmen. „Darüber spreche ich noch nicht“, wiegelte Janek Siderkiewicz ab. Pascal Steinwender äußerte sich ebenso diplomatisch. „Wir haben noch nichts geschafft.“ Und Kai Kaissis lächelte ein wenig verschämt. „Ich weiß, es ist eine Floskel. Aber wir schauen nur von Spiel zu Spiel.“

Lediglich Manager Henning Rießelmann gab sich etwas weniger zurückhaltend. „Fünf Siege brauchen wir noch. Dann sind wir durch.“ Elf Partien liegen noch vor Kickers. Bei sechs Erfolgen kann auch theoretisch nichts mehr anbrennen.

Überragender Steinwender

Doch Kickers rechnet noch nicht in höheren Sphären. „Wir zählen nur unsere Siege“, sagte Steinwender lächelnd. Er gehörte am Samstag zu den überragenden BSV-Akteuren - ebenso wie Kai Kaissis als Dieselmotor im Kickers-Mittelfeld. Der Dauerrener mit griechischen Wurzeln ging mit einer Extra-Portion Motivation ins Spiel. Denn neben Freundin und Schwester erlebte der Papa seinen Sohn erstmals live im Kickers-Trikot. „Er hat richtig stark gespielt“, lobte Sotorios Kaissis hinterher seinen Filius. „Wir haben eine Gastronomie. Deshalb kann ich am Samstagabend nie nach Emden kommen.“ So kam die 15-Uhr-Partie in Delmenhorst für ihn gerade recht. „Meine Frau hält so lange die Stellung.“

Sotorios Kaissis, der Vater von Kickers-Akteur Kai Kaissis, erlebte seinen Sohn erstmals live im Emder Trikot.
Sotorios Kaissis, der Vater von Kickers-Akteur Kai Kaissis, erlebte seinen Sohn erstmals live im Emder Trikot.

Vater Kaissis staunte ebenso wie die rund 300 mitgereisten Emder Anhänger über den Kickers-Superstart. Die BSV-Akteure ließen sich vom Gegner ebenso wenig beeindrucken wie von den Hass- und Schmähgesängen beider Fangruppen, die sich oft sogar unter grenzwertigem Niveau bewegten („Hurensöhne“, „Fi. . .ers Emden“). Die Emder Akteure hingegen bewiesen höchste Spielkultur. Sie fingen die Atlas-Angriffe allesamt früh ab und sorgten in der Offensive von Beginn an für Gefahr.

Vor der Pause meisterlich

Wirbelwind Pascal Steinwender hatte schon in der 2. Minute das 0:1 auf dem Fuß, scheiterte aber an Torhüter Damian Schobert. Fünf Minuten später jubelten dann die Ostfriesen. Natürlich war es wieder einmal eine S-Kombination. Steinwender flankte, Steffens verlängerte per Kopf und Tobias Steffen traf per Direktschuss ins Tor. Auch fortan trumpfte der BSV im Stile einer Meistermannschaft auf. Per Lehrbuchkonter traf Kickers zum 0:2. Kaissis schickte Steffen mit einem tollen Pass auf die Reise. Der legte weiter in den Lauf von Steinwender. Und der vollendete. Fast hätte Steinwender seine Gala noch mit dem 0:3 gekrönt. Doch er traf kurz vor der Pause nur die Unterkante der Latte.

Auf Janek Siderkiewicz war als starker Zweikämpfer und Passgeber im Emder Mittelfeld wieder mal Verlass.
Auf Janek Siderkiewicz war als starker Zweikämpfer und Passgeber im Emder Mittelfeld wieder mal Verlass.

Vater Kaissis war begeistert von der Emder Darbietung. „Die lassen nichts mehr anbrennen“, prognostizierte er. Der Gastronom sollte damit nur halbwegs richtig liegen. Denn nach überragender erster Hälfte verlor Kickers die Kontrolle. Plötzlich drängte der SV Atlas, der deutlich mehr Offensive wagte. Doch bis auf ein paar Getümmel im Emder Torraum nach hohen Bällen sprang für die Gastgeber nichts heraus.

Spannung am Ende

Auf der anderen Seite leistete sich Kickers im Angriff vermehrt Abspielfehler. Nach 70 Minuten plätscherte das Spiel auf bescheidenem Niveau dahin. Dann flog ein hoher Atlas-Ball fast bis in den Torraum und Phyl Gisbers verlängerte per Kopf zum 1:2. „Das Tor fiel aus dem Nichts“, ärgerte sich BSV-Trainer Emmerling. Doch Kickers wankte nur kurz, fing sich zumindest in der Defensive schnell wieder. So gab es nur noch eine einzige dicke Chance für den Gegner. In der 90. Minute schoss Kickers-Torwart Moritz Onken einen Gegenspieler an, der Ball sprang zurück und am Torhüter vorbei, doch ein Emder Verteidiger rettete in höchster Not.

Am Ende kannte der Gäste-Jubel keine Grenzen. Auch Sotorius Kaissis ballte die Faust und klatschte. „Es war ein verdienter Sieg, aber zum Schluss bin ich doch noch nervös geworden“, sagte er. Wenig später schloss er seinen jubelnden Sohnemann in die Arme.

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