Unternehmen im Porträt  Riesige Stahlteile werden in Loga mit Präzision produziert

| | 20.03.2024 20:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Alexander Klut (rechts) und Eike Frerichs, Mitarbeiter der Qualitätssicherung, prüfen ein großes Stahlteil. Foto: Ortgies
Alexander Klut (rechts) und Eike Frerichs, Mitarbeiter der Qualitätssicherung, prüfen ein großes Stahlteil. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

In Leer gibt es viele Unternehmen, an deren Hallen man oft vorbeikommt. Man weiß aber nicht genau, was dort produziert wird. Wir haben bei Logaer Maschinenbau einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Leer - Wer aus Richtung Brinkum nach Leer fährt, dem fallen die großen Hallen auf der rechten Seite sofort ins Auge. Viele Meter hoch ragen sie nach der Abfahrt zur Maiburger Straße in die Höhe. Dank großer Buchstaben an der Fassade erkennt man, dass dort das Unternehmen Logaer Maschinenbau seinen Sitz hat. Doch was wird dort eigentlich genau produziert? Wir haben einen Blick hinter die Hallentore geworfen.

Die Hallen von Logaer Maschinenbau liegen unweit der Bundesstraße 436 (im Hintergrund). Foto: Logaer Maschinenbau
Die Hallen von Logaer Maschinenbau liegen unweit der Bundesstraße 436 (im Hintergrund). Foto: Logaer Maschinenbau

Der erste Blick in die Produktionshallen am Ende der Straße Roggenmühle sorgt für Staunen. Die tatsächliche Größe dieses Gebäudes überrascht. Riesige Maschinen sind zu sehen. Wie groß diese sind, lässt sich erahnen, wenn man die kleinen Menschen daneben sieht. Es riecht nach verarbeitetem Metall. „Insgesamt haben wir 20.000 Quadratmeter Hallenfläche“, sagt Gerhard Müller. Gemeinsam mit Rainer Lüger ist er Geschäftsführer der Logaer Maschinenbau GmbH.

Drei Schwesterfirmen mit einer gemeinsamen Verwaltung

Der ursprüngliche Standort des Unternehmens liegt zwischen Hohe Loga, Fünftelweg und Mühlenweg. Dort sind heute allerdings die Schwesterfirmen Complete Logistics Systems international GmbH (CLSI) und Safety Climbing Systems GmbH (SCS) sowie die LMB Verwaltungs GmbH untergebracht. CLSI entwickelt und produziert automatische Verladesysteme, SCS stellt unter anderem Steigleitern für Windkraftanlagen oder Funktürme her. „Bei drei Schwesterfirmen macht es Sinn, eine übergreifende Verwaltung zu haben“, erläutert Thomas Otten. Er ist Geschäftsführer der LMB Verwaltungs GmbH.

Rainer Lüger (von links) und Gerhard Müller sind die Geschäftsführer der Logaer Maschinenbau GmbH. Thomas Otten ist Geschäftsführer der LMB Verwaltungs GmbH. Foto: Ortgies
Rainer Lüger (von links) und Gerhard Müller sind die Geschäftsführer der Logaer Maschinenbau GmbH. Thomas Otten ist Geschäftsführer der LMB Verwaltungs GmbH. Foto: Ortgies

Gegründet wurde Logaer Maschinenbau im Jahr 1974 durch Wilhelm Buse. Er habe vorher fast 20 Jahre lang als Instandhaltungsleiter bei den Olympia-Werken auf der Nesse gearbeitet und habe sich dann selbstständig gemacht, sagt Müller, der seit dem Jahr 2000 im Unternehmen ist und seit 2006 in der Geschäftsführung. „Angefangen hat Wilhelm Buse bei sich zu Hause.“ Schließlich habe er seinen ersten Standort hinter dem Aldi-Markt eröffnet, dem Ursprungswerk. „Er hat 1974 ganz klassisch mit einem Gesellen und einem Hilfsarbeiter in seiner Garage in Logaerfeld angefangen und ab 1976 die erste Halle in Loga bezogen“, so Müller. Anfangs seien kleine Stahlkonstruktionen wie Metallzäune produziert worden, dann kamen unter anderem die Instandsetzung von Motoren, Werkzeugbau sowie Aluminiumfenster und -türen hinzu. Schließlich übernahm Ende der 1980er Jahre Wilhelm Buses Sohn Heinz die Leitung des Unternehmens und es wuchs weiter – auch durch den Erfolg der Windenergie. Heute hat alleine die Logaer Maschinenbau GmbH 170 bis 200 Mitarbeitende.

Jungen Menschen besondere Angebote machen

„Fast 90 Prozent der Mitarbeiter an den großen Maschinen haben wir selbst ausgebildet“, sagt Gerhard Müller, während er auf die Ausbildungs-Werkstatt in einer Halle zeigt. „Hier haben wir auch noch konventionelle Maschinen, die wir sonst nicht mehr nutzen.“ Die Auszubildenden sollen sich unter Aufsicht ausprobieren. „Sie stellen hier eigene Produkte her“, ergänzt Rainer Lüger. Solche Angebote seien wichtig, um die jungen Leute zu gewinnen. Thomas Otten nennt als weiteres Beispiel die Teilnahme am Erasmus-Plus-Programm samt Auslandsaufenthalt für Auszubildende. Mehr als 10 junge Menschen erlernen derzeit bei Logaer Maschinenbau einen Beruf. „Wir müssen denen schon etwas bieten“, betont Otten. Bis neue Mitarbeiter oder auch fertige Auszubildende schließlich die großen Maschinen bedienen können, vergeht auch noch einige Zeit.

Berufe und Ausbildungsberufe

Ausbildungsberufe

Feinwerkmechaniker Fachrichtung Zerspanungstechnik (w/m/d)

Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik (w/m/d)

Fachkraft für Lagerlogistik (w/m/d)

Fachkräfte

Feinwerkmechaniker Fachrichtung Zerspanungstechnik (Dreher, Fräser, Bohrwerker)

Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik (Schlosser / Schweißer)

(Maschinenbau-) Ingenieure und Techniker

Meister

Qualitätsprüfer

Am Ende der Halle sieht man gerade ein riesiges, langes Stahlteil. „Wir bauen hier zwar keine Flugzeuge, aber wir bauen die Maschinenteile, um sie zu produzieren“, erläutert Müller. In Loga wird aber nicht nur für den Flugzeugbau produziert. Schiffbau, Windkraftanlagen, Großanlagen oder auch klassischer Maschinenbau gehören zu den Industriezweigen, die beliefert werden. Kunden seien beispielsweise Enercon, Siemens oder auch die Meyer-Werft. Details dürfe man wegen Geheimhaltungsklauseln aber nicht sagen. „Wir sind letztendlich ein Zulieferer, wir konstruieren nicht selbst“, sagt Müller. Einige Teile, die in Loga gefertigt werden, werde man in Deutschland nicht finden. „Die Endprodukte gehen in die ganze Welt“, macht der Geschäftsführer deutlich. „Wir haben schon Teile für ein 80 Meter hohes Kettenkarussell nach Kanada geliefert“, sagt Müller. Aber auch Riesenräder standen schon in den Auftragsbüchern.

Mitarbeiter Detlef Scheetz zeigt die große Walze, die dicke Bleche biegen kann. Foto: Ortgies
Mitarbeiter Detlef Scheetz zeigt die große Walze, die dicke Bleche biegen kann. Foto: Ortgies

Genaue Kontrolle der einzelnen Stahlteile

In der nächsten Halle schauen sich die Mitarbeiter der Qualitätssicherung Alexander Klut und Eike Frerichs gerade ein großes Stahlteil ganz genau an. „Jedes Bauteil wird abteilungsunabhängig geprüft“, erläutert Otten. Diese Mitarbeiter seien bei den Kollegen besonders beliebt, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Und auch mit Hilfe der Technik wird die Arbeit kontrolliert. In einem klimatisierten Raum in einer weiteren Halle steht eine spezielle Maschine. „Die kann bis auf einen Tausendstelmillimeter genau messen“, betont Gerhard Müller. Wenn man sich das riesige Schweißgerät sowie die größte Maschine von Logaer Maschinenbau anschaut, die beide wenige Meter weiter stehen, ist das schon erstaunlich. Teile bis zu einem Gewicht von 150 Tonnen und einer Höhe von 6,5 Metern können hier computergesteuert sowohl gedreht als auch gefräst werden. Und das Schweißgerät wird anders als die kleinen Varianten in einem Stuhl sitzend mit einem Joystick bedient. Beide Maschinen sind in der höchsten Halle des Unternehmens untergebracht. „Mit 26 Metern Höhe, 35 Metern Breite und 145 Metern Länge ist sie die größte Maschinenbauhalle im Landkreis Leer “, sagt Müller. Bei Logaer Maschinenbau ist einfach alles mindestens eine Nummer größer.

Hendrik Meyer schiebt an einer Karusselldrehmaschine die großen Eisenspäne zur Seite. Foto: Ortgies
Hendrik Meyer schiebt an einer Karusselldrehmaschine die großen Eisenspäne zur Seite. Foto: Ortgies

Damit die großen Teile auch transportiert werden können, ist jede Halle mit großen, auf Schienen fahrenden Kränen ausgerüstet. „Der stärkste kann bis zu 200 Tonnen heben“, sagt der Geschäftsführer. Und was passiert, wenn ein solches Teil in eine andere Halle muss? „Wir haben eine fahrende Halle entwickelt“, sagt Müller. Einfach gesagt stehen die Stahlteile auf einer Plattform, die auf Schienen steht. Zwischen den Hallen gibt es eine weitere überdachte Halle, die von links nach rechts ebenfalls auf Schienen bewegt werden kann. Somit kann die Plattform aus einer Halle, in die überdachte, fahrende Halle bewegt werden und von dort wieder in die nächste. „Das haben wir mit unserer Schwesterfirma CLSI entwickelt“, sagt Müller. Es erspare Kranzeiten, sei sicherer und man habe keine Probleme durch Temperaturunterschiede. „Wir haben das Konzept auch schon weiterverkauft“, sagt der Geschäftsführer nicht ohne Stolz.

Einige Stahlteile sind so groß, dass man Leitern nutzen muss, um an ihnen zu arbeiten. Foto: Ortgies
Einige Stahlteile sind so groß, dass man Leitern nutzen muss, um an ihnen zu arbeiten. Foto: Ortgies

Schwertransporte erfordern viele Genehmigungen

Die fahrende Halle wird unter anderem dazu genutzt, die Produkte in die Konservierungsabteilung zu bekommen. Dort werden die schweren Stahlteile lackiert. Eine Hochleistungsbelüftung sorgt dafür, dass man als Beobachter theoretisch während des Lackierens ohne Schutzausrüstung in der Halle stehen könnte, erläutert Müller. Sämtliche kleinste Teile würden nach unten auf den Boden gepustet. „Wir haben dadurch hier immer reine Luft“, sagt der Geschäftsführer.

So sieht die fahrende Halle von außen aus. Foto: Ortgies
So sieht die fahrende Halle von außen aus. Foto: Ortgies

Wenn die Stahlteile schließlich fertig sind, werden sie auf der Straße zum Kunden transportiert. Dafür sind Schwertransporte notwendig – und ist laut den Geschäftsführern nicht immer einfach. „Sie können besser ein Großbauteil aus China herholen, als hier die Sondergenehmigung für Schwertransporte zu bekommen“, sagt Müller – und Thomas Otten fügt an: „Das limitiert uns in manchen Bereichen. Firmen, die etwas bei uns produzieren wollen, bekommen die Teile gar nicht hierher.“ Ein bisschen weniger Richtlinien wären gut, macht Gerhard Müller deutlich. „Wir haben mal ein Riesenrad für ein niederländisches Unternehmen gebaut. Bis zur Grenze lief der Transport unter Begleitung, in den Niederlanden konnte er dann ohne fahren“, nennt er ein Beispiel.

Das Unternehmen aus Loga steht dabei im globalen Wettbewerb, „Wir können uns nicht allein auf Deutschland konzentrieren“, sagt Gerhard Müller. Die Auswirkungen durch den Krieg in der Ukraine habe man ganz gut auffangen können. „Es hat uns auch getroffen, aber nicht so wie andere“, sagt der Geschäftsführer. Aber auch die Störung von Transportwegen wie derzeit im Suez-Kanal spürt das Unternehmen. „Die längeren Lieferzeiten haben dann auch direkte Auswirkungen auf Leer in Ostfriesland“, sagt Thomas Otten. Dort konzentriert man sich derweil auf die eigenen Qualitäten: „Je schwerer das Material ist, je dicker die Schweißnähte sind, umso mehr gehen wir darin auf.“ Die Präzision bei hochbeanspruchten, großen Bauteilen sei die Stärke von Logaer Maschinenbau.

Ähnliche Artikel