Müll in der Landschaft Neermoorerin sammelt Hunderte Zigarettenschachteln an der B 70
Wer in der Natur unterwegs ist, sieht häufig Müll in der Landschaft. Die Neermoorerin Helga Erdwiens hat jetzt ein Jahr lang Zigarettenschachteln auf dem Weg nach Leer gesammelt. Es waren eine Menge.
Leer/Neermoor - Die Menge ist eindrucksvoll: Zwei große Müllsäcke sind voller alter Zigarettenschachteln. Sie wurden von Unbekannten achtlos weggeworfen. Dass sie nicht mehr in der Landschaft liegen, ist Helga Erdwiens zu verdanken. Die 77-jährige Neermoorerin hat mehr als ein Jahr lang zwischen ihrem Haus und Leer die Schachteln eingesammelt.
„Ich habe schon länger gedacht, warum immer so viele Zigarettenschachteln in der Landschaft liegen“, sagt sie. Schließlich habe sie sich vorgenommen, diesen Müll ein Jahr lang einzusammeln. Begonnen hat sie damit am 1. Januar 2023. „Ich fahre zweimal in der Woche mit dem Fahrrad nach Leer“, sagt sie. Wenn sie auf dem Weg entlang der Bundesstraße 70 eine weggeworfene Zigarettenschachtel gesehen hat, ist sie abgestiegen. Der Müll landete dann erst einmal in ihrer Fahrradtasche. „Wenn ich wieder zu Hause war, habe ich die Schachteln dann in eine Tüte in der Garage geschmissen“, sagt Erdwiens.
504 Zigarettenschachteln in einem Jahr gesammelt
Das waren in einem Jahr eine ganze Menge: Bis zum 31. Dezember kamen insgesamt 504 Zigarettenschachteln zusammen. Helga Erdwiens machte noch bis in den März weiter. So dass jetzt 580 Schachteln in den großen Müllsäcken liegen. Ihre „Ausbeute“ ärgert sie zugleich sehr: „Ich finde es unmöglich, dass die einfach weggeschmissen werden“, sagt die Neermoorerin.
In der Stadt Leer habe sie auch noch Schachteln entlang der Heisfelder Straße bis zum Logaer Weg gefunden. „Die meisten lagen aber unterwegs“, sagt Helga Erdwiens. Marken, die besonders häufig weggeworfen werden, gebe es aber nicht. „Einmal habe ich 13 Stück auf einer Fahrt gefunden“, sagt die 77-Jährige. Das sei das meiste gewesen. „Manchmal waren es aber auch nur zwei.“ Sie habe aber immer nur auf dem Grünstreifen am Radweg gesammelt. „Ich gehe nie in die Gräben.“
Zahlreiche Sammelaktionen im Landkreis Leer
Anderen Müll habe sie auf ihren Radtouren allerdings nicht eingesammelt. „Ich habe mich auf die Zigarettenschachteln konzentriert“, sagt Erdwiens. Anders sehe es hingegen aus, wenn sie zu Fuß unterwegs ist. „Ich gehe viel spazieren“, sagt die 77-Jährige. „Ich nehme dann eine Tasche und Handschuhe mit und sammle den Müll auf dem Weg ein.“ Diesen Abfall schmeiße sie dann in öffentliche Müllereimer auf ihrer Runde. „Ich konnte das nie haben, dass Müll rumliegt“, sagt sie. „Ich habe mich immer geärgert.“
Nicht nur Helga Erdwiens sammelt den achtlos weggeworfenen Abfall in der Landschaft. Derzeit sind Hunderte Freiwillige in den Städten und Gemeinden unterwegs und holen den Müll aus Gräben, Wäldern und von Wiesen. Im Leeraner Stadtgebiet können sich einzelne Gruppen anmelden. Neun Aktionen von Parteien, Feuerwehren und sonstigen Gruppen seien entweder schon durchgeführt worden oder noch geplant, teilt Stadtwerke-Sprecher Edgar Behrendt auf Nachfrage mit. Im Schnitt seien bislang pro Aktion zwischen fünf und zehn gefüllte Müllsäcke je 80 Liter von den Stadtwerken abgeholt worden. „Wir sammeln die Säcke in einem großen Container und kümmern uns anschließend darum, dass der Müll entsorgt wird“, so Behrendt. Insgesamt seien im vergangenen Jahr im Landkreis Leer etwa 235 Tonnen wilder Müll erfasst und entsorgt worden, teilt Jens Gerdes, Sprecher des Landkreises, auf Nachfrage mit.
Tipps fürs Müllsammeln
Wer privat Müll sammelt, sollte dabei Warnweste, Handschuhe und festes Schuhwerk tragen, rät er. Für das Aufnehmen der Abfälle sollte zudem ein Greifer verwendet werden. „Generell stellen wir Einzelpersonen oder kleineren Gruppen für regelmäßige Sammelaktionen orangefarbene Sammelsäcke zur Verfügung“, erklärt der Sprecher. Nach Absprache mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb werden die Säcke von einem Mitarbeiter dann abgeholt.
„Sollten während der Sammlung größere Müllablagerungen entdeckt werden, kann mit der MyMüll-App des Landkreises Leer unter Service und Infos mit dem Betreff ,Wilde Müllablagerung’ gleich vor Ort mit einem Foto und den GPS-Daten eine Nachricht an den Abfallwirtschaftsbetrieb gesendet werden“, betont Gerdes.