Startverbot  Verband will Auricher Boxer nicht – MTV schockiert

| | 19.03.2024 16:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der MTV Aurich kämpft mit dem Verband. Das Foto zeigt (von links): Trainer Rüstoum Mousto, Roba Hamo, Alexander Heidenreich, Abteilungsleiter Horst Schmidt, Wilfried Theessen und Detlev Schoone vom Kreissportbund. Foto: Lilienthal
Der MTV Aurich kämpft mit dem Verband. Das Foto zeigt (von links): Trainer Rüstoum Mousto, Roba Hamo, Alexander Heidenreich, Abteilungsleiter Horst Schmidt, Wilfried Theessen und Detlev Schoone vom Kreissportbund. Foto: Lilienthal
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Die Auricher Boxsparte gibt es schon lange. Nun wollen die Sportler zu Wettkämpfen antreten und dürfen es nicht. Die Hintergründe sind undurchsichtig.

Aurich - Die Boxsportler vom MTV Aurich bestreiten aktuell einen harten Kampf außerhalb des Rings. Der übermächtige Gegner ist der Niedersächsische Box-Sport-Verband (NBSV). Dieser verweigert dem MTV die Aufnahme und verhindert damit, dass Auricher Boxer zu Wettkämpfen antreten können. Zwei Runden haben die Auricher bereits verloren – zwei MTV-Anträge wurden vom NBSV abgeschmettert. Aber der MTV fühlt sich noch längst nicht K.o. „Wir werden weiter kämpfen“, versichert der Vorsitzende Wilfried Theessen.

Der Klubchef war bester Dinge, als sein Verein Ende August 2023 den Aufnahmeantrag für die fast 150 Sportler umfassende Sparte an den Verband schickte. Dieses Schreiben ging an Michael Bochardt, den Trainer und Vorsitzenden des BC Norden und Sportwart des Unterverbandes Weser-Ems.

Drei Vereine wollen MTV nicht

Bochardt schilderte gegenüber unserer Zeitung das weitere Prozedere. „Die Bewerbung wird auf der Homepage des Verbandes veröffentlicht. Andere Vereine haben dann die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen.“ Im Normalfall passiert so etwas nicht. Aber über die Auricher Neulinge freuten sich laut Bochardt nicht alle. „Drei Vereine haben noch am ersten Tag Widerspruch eingelegt“, sagt er.

Diese Klubs möchte er nicht namentlich nennen. „Sie sind aus Ostfriesland“, grenzt er ein. Ob auch sein BC Norden zu den „Verweigerern“ gehört? „Ich nenne keinen Verein.“ Ein vierter Klub aus dem Bereich Hannover habe zudem mündlich seine Bedenken geäußert. Bochardt nennt die Gründe für die Ablehnung. „Trainer des MTV haben versucht Sportler abzuwerben“, sagt er. „Außerdem gab es respektloses Verhalten gegenüber anderen Trainern und Vereinen.“ So lehnte der Hauptausschuss des NSBV den MTV-Antrag einstimmig ab. Der Widerspruch des MTV Aurich wurde einen Monat später ebenso abgebügelt.

Verband wird nicht konkret

Der Verband zählte bei seiner Begründung die angeblichen verbalen Verfehlungen von MTV-Trainern auf, bezeichnete sie als üble Nachrede und listete Beispiele auf: „Wenn du richtig Boxen lernen willst, musst du zu uns kommen. Bei anderen Vereinen lernst du nichts“ soll ebenso gesagt worden sein wie „in Niedersachsen haben die Trainer von anderen Vereinen keine Ahnung vom Boxen“. Wer dieses zu wem gesagt haben soll, verschweigt der Verband. „Diejenigen muss der MTV schon selber ausfindig machen“, sagt Michael Bochardt. MTV-Chef Wilfried Theessen ist entsetzt über dieses Verhalten. „Wer uns Vorwürfe macht, muss doch Ross und Reiter nennen.“ Sein Klub könne sonst Mitarbeiter nicht darauf ansprechen und nichts sanktionieren.

MTV-Abteilungsleiter Horst Schmidt zeigt sich regelrecht schockiert über die Wortwahl in einer Sprachnachricht, die er von Weser-Ems-Sportwart Michael Bochardt erhalten hat. Darin wird sogar der Name eines MTV-Trainers genannt, der einen Abwerbeversuch gestartet haben soll. Bochardt teilt zudem in dieser Nachricht mit, dass man frühestens in zwei Jahren noch mal über einen Aufnahmeantrag reden könne – wenn derjenige dann nicht mehr im MTV sei. Und für diesen „Ausschluss“ benutzt der Sportwart einen moralisch entwürdigenden Begriff, den unsere Zeitung auch vorgespielt bekam.

MTV denkt an rechtliche Schritte

Die Auricher mutmaßen ohnehin, dass der Sportwart und Norder Vorsitzende hinter der ablehnenden Haltung des Verbandes steckt. Denn etliche Auricher Jungs treten bei Titelkämpfen mangels Möglichkeit in der eigenen Stadt für den BC Norden an. „Vielleicht fürchten sie die Konkurrenz“, sagt Abteilungsleiter Horst Schmidt. Und Alexander Heidenreich, der sich in der MTV-Sparte engagiert, denkt ähnlich. „Die lassen uns ausbluten.“

Auch Vermittlungsbemühungen des Kreissportbundes (KSB) Aurich liefen bislang ins Leere. „Auch uns wird nichts Konkretes gesagt“, äußerst sich der stellvertretende KSB-Vorsitzende Detlev Schoone. „Wir kommen da nicht weiter.“ Theessen hofft trotzdem noch auf ein Einlenken des Verbandes. „Man kann vielleicht einzelne Trainer ausschließen, aber nicht einen ganzen Verein. Das ist doch Sippenhaft.“ Der MTV-Chef macht klar, dass der mit 2900 Mitgliedern zweitgrößte Sportverein Ostfrieslands so schnell nicht aufgeben wird. „Notfalls werden wir Rechtsmittel einlegen.“

Zwei harte Runden hat der MTV beim Zoff mit dem Verband hinter sich. Aber als Verlierer will der Klub auf keinen Fall abtreten. Das Ziel lautet „Ring frei für den MTV Aurich“.

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