Marodes Bauwerk  So geht es mit der Müllabfuhr über die Ledabrücke weiter

| | 16.03.2024 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wegen der maroden Ledabrücke verändern sich die Touren für die Müllabfuhr im Landkreis Leer. Foto: Ortgies/Archiv
Wegen der maroden Ledabrücke verändern sich die Touren für die Müllabfuhr im Landkreis Leer. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Ledabrücke darf fast ausschließlich nur noch von leichteren Fahrzeugen genutzt werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Müllabfuhr. Dort gibt es jetzt eine Lösung – zumindest teilweise.

Leer - Der Müll aus dem nördlichen Kreisgebiet und aus dem Rheiderland wird seit dem 1. März über Umwege zum Entsorgungszentrum nach Breinermoor gebracht. Grund ist die marode Ledabrücke in Leer. Dort gilt seit Anfang des Monats die neue Gewichtsbeschränkung auf 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Die Müllfahrzeuge sind jedoch schwerer. Nun wurde jedoch eine Sondergenehmigung erteilt.

„Wir dürfen nur mit leeren Fahrzeugen über die Brücke fahren“, erklärt Ingo Helmers, Geschäftsführer der Bohmann-Gruppe, die im Auftrag des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landkreis Leer (ALL) die Müllabfuhr übernimmt. Außerdem müsse ausgeschlossen werden, dass es keinen Begegnungsverkehr mit anderen Müllfahrzeugen sowie mit Bussen gibt. Diese dürfen die Ledabrücke ebenfalls weiterhin nutzen.

Busse sind bei dieser Beschilderung ohnehin ausgenommen

Die Stadt Leer als zuständige Verkehrsbehörde bestätigt die neue Sondergenehmigung: „Gemäß Vorgabe der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sind Ausnahmegenehmigungen nur für Müllsammelfahrzeuge, die im Auftrag des Landkreises tätig sind, zugelassen“, teilt Sprecher Edgar Behrendt mit. „Diese dürfen die Brücke auch nur im leeren Zustand passieren.“ Sind sie beladen, müssen auch diese Fahrzeuge die Umleitungen in Kauf nehmen. „Busse sind per se von dieser Beschilderung ausgenommen“, betont Behrendt. „Hierfür bedarf es keiner weiteren Beschilderung oder Ausnahmeregelung.“ Weitere Ausnahmen gebe es nicht.

Es gibt nur noch wenige Ausnahmen für schwere Fahrzeuge für die marode Ledabrücke. Foto: Bothe/Archiv
Es gibt nur noch wenige Ausnahmen für schwere Fahrzeuge für die marode Ledabrücke. Foto: Bothe/Archiv

Helmers betont, dass es auch schon vor der neuerlichen Verschärfung der Gewichtsbeschränkung eine Sondergenehmigung für Müllfahrzeuge gegeben habe. „Wir zählen zu den systemrelevanten Gewerken“, sagt er. Die Sondergenehmigung helfe bei der Abfuhr enorm weiter. Er lobte auch die gute Zusammenarbeit zwischen dem ALL, Nehlsen (für Sperrmüll zuständig) und seinem Unternehmen. „Wenn wir komplett umfahren müssen, wäre es sehr teuer“, betont Helmers.

Weite Umwege für beladene Fahrzeuge

Allerdings gibt es durchaus Einschränkungen: „Die Beschränkung auf 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht wird dazu führen, dass beladene Müllfahrzeuge nicht mehr über die Ledabrücke fahren dürfen“, hatte Landkreis-Sprecher Philipp Koenen kürzlich mitgeteilt. An den Tagen, an denen der Abfall in den nördlich gelegenen Kommunen (Leer, Moormerland, Uplengen, Hesel, Jümme) sowie im Rheiderland abgeholt werde, müssen die Fahrzeuge über Jümme und das Oberledingerland zur Deponie in Breinermoor zurückfahren, aus dem Rheiderland über Papenburg. „Das bedeutet weite Umwege“, machte Koenen deutlich.

Wenn beispielsweise ein Müllfahrzeug vom Schreiberskamp in der Leeraner Oststadt zurück nach Breinermoor fahren will, wäre der direkte Weg über die Ledabrücke fünf Kilometer lang. Wenn man über Stickhausen fahren muss, ist man hingegen 34 Kilometer unterwegs. Ähnlich sieht es von Jemgum (43 statt 16 Kilometer) und Oldersum (48 statt 25 Kilometer aus). Das bedeutet deutlich mehr Spritverbrauch und die Müllwerker arbeiten wegen der Fahrtzeit länger.

Das betont auch Ingo Helmers. Die Touren dauerten meist etwa eine halbe Stunde länger. „Die Abholzeiten verschieben sich teilweise nach hinten“, sagt der Geschäftsführer. Eine endgültige Aussage über die Auswirkungen könne er aber erst am Ende des Jahres sagen. Das liege unter anderem daran, dass im Sommer deutlich mehr Grünschnitt abgefahren werde. „Die Zeiten werden sich über das Jahr verschieben“, so Helmers. Wichtig sei daher, dass die Säcke bereits alle morgens an die Straße gestellt werden, weil es immer noch Veränderungen bei den Touren geben könne. Vorher sei es häufig so gewesen, dass die Müllabfuhr pünktlich zu einer bestimmten Zeit dagewesen sei.

Kostenfrage ist noch nicht genau geklärt

Und wer trägt die Kosten der längeren Routen? „Da wir noch nicht konkret wissen, wie der Verkehr nun rollen und welche genauen Auswirkungen dies auf die Touren der Müllfahrzeuge haben wird, können wir diese Frage zu diesem frühen Zeitpunkt nicht seriös beantworten“, hatte Landkreis-Sprecher Philipp Koenen kürzlich mitgeteilt. „Es ist natürlich davon auszugehen, dass die längeren Touren aus dem nördlichen Kreisgebiet auf dem Rückweg zur Deponie auch zu höheren Kosten führen werden.“ In welchem Rahmen sich die Steigerung tatsächlich bewegen werde, müsse zunächst abgewartet werden.

Bohmann-Geschäftsführer Ingo Helmers macht deutlich: „Wir versuchen natürlich, die zusätzlichen Kosten an den Landkreis Leer weiterzugeben.“ Man habe schon einen Antrag auf Angleichung gestellt. „Ob das dann allerdings an den Bürger weitergegeben wird, entscheidet der ALL beziehungsweise die Politik“, erklärt Helmers. Er macht deutlich, dass die Kosten nicht nur durch die weiten Umwege gestiegen seien. Auch die CO2-Steuer und die Maut sei angehoben worden. „Das kann man als Spediteur gar nicht selbst wegatmen“, betont der Geschäftsführer.

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