Marodes Bauwerk  Ledabrücke – weite Umwege, weniger Kunden und höhere Kosten

| | 14.03.2024 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Esklumer Landwirt Weert Beening darf mit diesem Treckergespann nicht mehr über die Ledabrücke fahren. Foto: Bothe
Der Esklumer Landwirt Weert Beening darf mit diesem Treckergespann nicht mehr über die Ledabrücke fahren. Foto: Bothe
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Die meisten schweren Fahrzeuge dürfen die Ledabrücke in Leer nicht mehr passieren. Drei betroffene Betriebe berichten uns, welche schwerwiegenden Folgen das für ihre Arbeit hat.

Leer/Westoverledingen - Wer derzeit auf der Ledabrücke in Leer unterwegs ist, dem begegnen kaum noch schwere Fahrzeuge. Eventuell überquert ein Linienbus oder ein Müllfahrzeug den Fluss. Für die gibt es Ausnahmegenehmigungen, ansonsten dürfen nur noch Fahrzeuge die Ledabrücke nutzen, die nicht schwerer als 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht sind. Das gilt auch für Gespanne.

„Wir haben jetzt ein Riesenproblem“, sagt Folkmar Grünefeld aus Esklum. Der Landwirt hat nicht nur Flächen in Westoverledingen. „Wir haben auch noch welche in Nortmoor“, sagt er. Das sei etwa ein Drittel seiner Flächen. „Die neueren landwirtschaftlichen Maschinen übersteigen aber bei weitem die Gewichtsbeschränkungen der Ledabrücke“, sagt er. Mit kleineren Schleppern könne man zwar noch fahren, aber mit Anhängern werde es dann schon sehr schwierig. „Das sind starke Einschnitte“, sagt Grünefeld. „Wenn wir über Stickhausen fahren müssen, ist es mindestens die doppelte Strecke.“ Das bedeute einen hohen Zeitaufwand und hohe Kosten.

Lieferanten und Milchwagen fahren große Umwege

Derzeit sei man dabei, Lösungen zu suchen. „Wir machen uns Gedanken“, so Grünefeld. Das könnte auch bedeuten, dass er Flächen zum Bewirtschaften tausche. „Ich weiß noch von einigen anderen Landwirten, auch auf der anderen Seite der Leda, die jetzt ebenfalls Probleme haben“, sagt Grünefeld.

Die Ledabrücke in Leer ist marode. Die Gewichtsbeschränkungen wurden verschärft. Foto. Bothe/Archiv
Die Ledabrücke in Leer ist marode. Die Gewichtsbeschränkungen wurden verschärft. Foto. Bothe/Archiv

Auch sein Nachbar Weert Beening merkt schon die Auswirkungen der neuen Gewichtsbeschränkungen. „Es ist schon eine große Beeinträchtigung“, sagt der Landwirt. Er arbeite normalerweise mit dem Meierhof bei der Evenburg zusammen. „Wir bringen einen Teil unseres Mistes im Frühjahr dorthin und bekommen dafür im Herbst Mais“, sagt er. Das sei in dieser Form jetzt aber nicht mehr möglich. Das Kraftfutter für die Tiere komme eigentlich aus Leer. Die Lastwagen müssten jetzt große Umwege fahren. Gleiches gelte für die Milchwagen der Molkerei Ammerland. „Die kommen jetzt etwa eine halbe Stunde später als sonst“, sagt Beening. Der Landwirt fürchtet, dass die höheren Fahrtkosten an die Landwirte direkt weitergegeben werden. „Irgendjemand muss es ja bezahlen“, sagt der Esklumer. Das sieht auch Grünefeld so: „Wir Landwirte sind dabei das letzte Glied.“

Ärger über langjährige Planungen für Ledabrücke

Die beiden Esklumer ärgern sich vor allem darüber, dass die Planungen für den Neubau so lange dauern. „Es ist ja nicht seit gestern so“, sagt Beening. „Die Ledabrücke ist eine wichtige Verkehrsverbindung.“ Planungen und Genehmigung dauern extrem lange. „Das ärgert mich am meisten daran“, sagt der Landwirt. Auch Folkmar Grünefeld kann die lange Planungszeit für den Neubau nicht nachvollziehen. „Was haben die Verantwortlichen in den letzten elf, zwölf Jahren denn gemacht?“, fragt er. „Jeder steht doch dem anderen im Weg.“ Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Brücke ruckzuck fertig gewesen.

Doch nicht nur Landwirte sind von der verschärften Gewichtsbeschränkung betroffen. Auch andere Unternehmen, die auf schwere Fahrzeuge angewiesen sind, kommen an dieser Stelle nicht mehr über die Leda. Einer von ihnen ist Holger Veldhuis. Er ist Inhaber eines Baustoffhandels und Transportunternehmens in Ihrhove. „Wir haben schon einigen Schaden dadurch, dass der Bund nicht in die Füße kommt“, sagt der Unternehmer. „Wir haben keine Kunden mehr in Leer“, nennt er eine Konsequenz der neuen Beschränkung. Vorher habe man beispielsweise für den Privatverkauf Mutterboden mit einem 14-Tonner nach Leer gebracht. „Das geht jetzt gar nicht mehr“, sagt Veldhuis.

Kritik an Ausnahmen für Busse und Müllfahrzeuge

„Die Mehrkosten für die Umwege bezahlt uns ja keiner.“ Das seien nicht nur die Fahrtkosten, sondern auch längere Arbeitszeiten, aber auch Mautgebühren. „Auf direktem Weg fahre ich 20 Minuten nach Leer, jetzt wäre es eine Stunde“, sagt der Unternehmer. „Ich bin dadurch in Leer nicht mehr wettbewerbsfähig.“

Mehrfach hört man in den Gesprächen mit den Betroffenen das Argument, dass in den Niederlanden schon längst eine neue Brücke oder zumindest eine Hilfsbrücke stehen würde. Folkmar Grünefeld und Holger Veldhuis kritisieren außerdem die ungleiche Behandlung gegenüber Müllfahrzeugen und Bussen. „Alles, was den Landkreis Leer Geld kostet, fährt drüber“, sagt Veldhuis. Das könne er nicht nachvollziehen. Folkmar Grünefeld kann eine Sonderregelung für Rettungsfahrzeuge nachvollziehen. „Für alle anderen aber nicht“, sagt der Esklumer. Der Landkreis argumentiert hingegen, dass beispielsweise die Müllabfuhr zur kritischen Infrastruktur zähle.

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