Plan wird erarbeitet  In Leer wird genau auf die Wärmeerzeugung in Häusern geschaut

| | 14.03.2024 11:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wieviel Wärme für die Gebäude in der Stadt Leer erzeugt werden muss, wird derzeit zusammengefasst. Foto: Ortgies
Wieviel Wärme für die Gebäude in der Stadt Leer erzeugt werden muss, wird derzeit zusammengefasst. Foto: Ortgies
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Wie soll in Zukunft die Wärme in Gebäuden produziert werden – und das möglichst klimaneutral? Mit dieser Frage beschäftigt man sich jetzt in der Stadt Leer.

Leer - Wie sollen in Zukunft die Gebäude in der Stadt Leer mit Wärme versorgt werden? Diese Frage soll durch den kommunalen Wärmeplan beantwortet werden. Die Stadt Leer hat jetzt damit begonnen, einen solchen Plan zu erstellen. Kooperationspartner ist der regionale Energienetzbetreiber EWE Netz. Doch was steckt eigentlich hinter dem Projekt? Wir fassen die wichtigsten Fakten zusammen.

Was ist der kommunale Wärmeplan?

Der kommunale Wärmeplan hat das Ziel, die Wärmeversorgung in Niedersachsen klimaneutral zu gestalten. Dazu sind die Kommunen gesetzlich verpflichtet. Es werde der Blick darauf gerichtet, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussieht, erläuterte Gerrit Pruss (Kommunalbetreuer EWE Netz) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr. Stadt und EWE Netz wollen einer Mitteilung zufolge den Plan gemeinsam entwickeln, „um damit lokale individuelle Strategien aufzuzeigen“. Diese sollen Grundlage für künftige Entwicklungen und Projekte sein. „Eine Vorgabe, konkrete Technologien umzusetzen, gibt es derzeit nicht“, heißt es. Die Verantwortlichen betonen, dass es nicht um Vorgaben gehe, wie man zu Hause seine Wärme erzeugen muss. „Es ist ein Konzept“, betonte Pruss.

Klimaschutzmanagerin Cindy Grätz (von links), Bürgermeister Claus-Peter Horst sowie Manuel Bründl (Projektleiter, EWE Netz) und Gerrit Pruss (Kommunalbetreuer EWE Netz) freuen sich über den Beginn der kommunalen Wärmeplanung. Foto: Stadt Leer
Klimaschutzmanagerin Cindy Grätz (von links), Bürgermeister Claus-Peter Horst sowie Manuel Bründl (Projektleiter, EWE Netz) und Gerrit Pruss (Kommunalbetreuer EWE Netz) freuen sich über den Beginn der kommunalen Wärmeplanung. Foto: Stadt Leer

Wie ist der Ablauf?

Die Projektlaufzeit für die Erstellung der kommunalen Wärmeplanung beträgt etwa ein Jahr. Sie besteht aus vier Phasen, erläuterte Pruss. „Derzeit befinden wir uns in der Bestandsanalyse“, sagte er. Dabei werde geschaut, wie die Situation der Wärmeversorgung im Stadtgebiet ist. Welchen Wärmebedarf gibt es und wie sieht die Gebäude- und Versorgungsstruktur aus, sind Fragen in dieser Phase. Im zweiten Abschnitt geht es dann um die Potenzialanalyse. Dabei geht es unter anderem darum, wo Wärmenetze zum Beispiel mit erneuerbaren Energiequellen und Abwärme geplant werden könne – alles unter dem Stichwort, klimaneutral zu werden. Anschließend bilden diese Analysen die Basis dafür, Szenarien für eine künftige klimaneutrale Wärmeversorgung entwickeln zu können. In der vierten Phase erfolgt schließlich die Festlegung einer Wärmewendestrategie, die einen Maßnahmenkatalog für das gesamte Stadtgebiet beinhaltet.

Wie werden die Daten gesammelt?

EWE Netz kann eigene Daten zum Verbrauch und der Art und Weise der Wärmeerzeugung der einzelnen Gebäude nutzen. „Außerdem können wir auf die Daten von Schornsteinfegern zurückgreifen“, erläuterte Manuel Bründl, der die Wärmeplanung für die Stadt Leer bei EWE Netz betreut. Dabei gehe es darum, zu erfahren, wie Wärme erzeugt wird, wenn es nicht mit Gas oder Strom der Fall ist.

Wie werden sie dann genutzt?

EWE Netz setzt eine spezielle Software ein, den sogenannten „digitalen Zwilling“ der Firma Greenventory GmbH. Diese Software sieht ein wenig aus wie Google Maps, so Bründl. Dadurch könne man sich den Wärmebedarf der Gebäude anzeigen lassen, auch wie alt die Gebäude jeweils sind. Dadurch könnten geplante Maßnahmen optimiert werden, um eine effektive Umsetzung zu erreichen, teilt die Stadt mit. Es könne dann geschaut werden, wo beispielsweise Wärmenetze gebildet werden könnten.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Die Verantwortlichen betonen, dass man sich immer im Rahmen des Datenschutzes bewege. Die vorliegenden Daten würden nach Ende der Wärmeplanung gelöscht. „Für öffentliche Präsentationen kann man auch Cluster von Wohngebieten bilden, damit kein Bürger sehen kann, wie viel der Nachbar genau verbraucht“, betonte Bründl.

Wie geht es im Anschluss weiter?

Nach der Veröffentlichung des kommunalen Wärmeplans sollen mindestens fünf dieser Maßnahmen in den darauffolgenden fünf Jahren umgesetzt werden, teilt die Stadt Leer mit. „Die Wärmewende ist eine der größten und wichtigsten Herausforderungen, der wir uns als Stadt Leer stellen. Für uns geht es darum, die für uns effizientesten Lösungen auszuloten, entsprechende Perspektiv-Konzepte für die künftige Wärmeversorgung in der Stadt Leer zu erstellen und zu entscheiden, welche Optionen wir letztlich umsetzen“, wird Bürgermeister Claus-Peter Horst zitiert. „Unser Ziel ist es, für das gesamte Stadtgebiet einen technologieoffenen und flexiblen Wärmeplan zu erstellen und der Kommune eine Strategie an die Hand zu geben“, so Bründl. „Dabei wollen wir Klimaneutralität und Versorgungssicherheit miteinander verbinden.“

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