Unternehmen im Porträt Von Leer in die Welt – Einblicke in die Produktion von Hammerlit
In Leer gibt es viele Unternehmen, an deren Hallen man oft vorbeikommt. Man weiß aber nicht genau, was dort produziert wird. Wir haben bei Hammerlit einen Blick hinter die Kulissen geworfen.
Leer - Es sind sehr markante und große Hallen, an denen man vorbeifährt, wenn man vom Leeraner Südring kommend in Richtung Seeschleuse unterwegs ist. An einigen steht groß Hammerlit, andere Gebäude sind mit Connemann beschriftet. Doch was wird dort eigentlich produziert? Wir haben einen Blick hinter die Hallentore geworfen.
Funken fliegen als Mitarbeiter Daniel Arnemann das Gerät – eine Art Schweißpistole – betätigt. Der Metallstift sitzt jetzt fest am Rahmen eines Metallgestells. „Daran wird später das Scharnier für den Deckel unseres Wäschesammlers angebracht“, erläutert Michael Schlie, Assistenz der Geschäftsführung bei Hammerlit. Der Wäschesammler ist eines der Serienprodukte von Hammerlit. „Das ist unser Brot- und Butter-Geschäft“, sagt Schlie.
Produkte von Hammerlit in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
Das Leeraner Unternehmen hat sich auf den Gesundheitssektor spezialisiert. Ob eben jene Wäschesammler, Halterungen für Desinfektionsspender, komplette Wagen für medizinische Produkte bei der Patientenversorgung oder spezielle höhenverstellbare Wagen für die Visite. Das alles wird hier in Leer hergestellt. Die meisten Produkte werden an Krankenhäuser geliefert, aber auch Pflegeheime oder andere Pflegeeinrichtungen nutzen sie. „Unsere Geräte werden in die ganze Welt geliefert“, betont Schlie. Daher habe man auch Tochterfirmen für Vertrieb und Kundenberatung in Österreich, der Schweiz und Polen. Der Hauptfokus liege aber auf Deutschland.
In der Halle für die Endmontage sind zahlreiche Mitarbeiter an verschiedenen Stationen dabei, diese Produkte zusammenzubauen. Die einzelnen Teile sind entweder in anderen Unternehmen der Connemann-Gruppe wie Connesteel und Leepanel gebaut worden oder wurden von Zulieferern zugekauft. Die Mitarbeiter von Hammerlit sind im Unternehmensverbund aber nicht nur für die Endmontage zuständig. „Der Außendienst, die Verwaltung, die Logistik, aber auch die technische Konstruktion, das Know-how, das Erstellen der Stückliste und einiges mehr. Das läuft alles bei Hammerlit“, so Schlie. Es sei mit etwa 105 Mitarbeitern auch das größte Unternehmen der Gruppe. Die Berufsgruppen sind dabei vielfältig. „Wir haben eine geringe Fluktuation“, betont Schlie.
Berufe bei Hammerlit und Connesteel
Die häufigsten Berufsgruppen bei Hammerlit und Connesteel sind:
Hammerlit-Produkte werden für Kunden auch individualisiert
Neben den Serienprodukten wie den Wäschesammlern können sich die Kunden die Produkte individuell zusammenstellen, je nachdem, ob beispielsweise mehr Schubladen, bestimmte Fächer, oder auch Halterungen für Desinfektionsspender oder Einmal-Handschuhe integriert werden sollen, erläutert Schlie. Die Konstruktion werde mit dem Kunden abgesprochen und von ihm freigegeben. Im Anschluss bauen die Mitarbeiter in der Endmontage das Produkt genau nach diesem Plan zusammen. „Wir haben aber auch Handelsprodukte, die wir zukaufen und unsere Produkte damit veredeln“, so Schlie.
Beeindruckende 18 Meter hoch ist das Gebäude nebenan, das im Jahr 2014 gebaut wurde. Im vorderen Bereich wickelt Mentor Mascholli gerade mit Hilfe einer Maschine Produkte mit einer Plastikfolie zum Schutz beim Transport ein. „Wir versuchen so gut es geht, nachhaltige Verpackungen zu nutzen“, erläutert Schlie. Das funktioniere zum Großteil auch. „In manchen Bereichen wie hier lässt sich Plastik momentan aber noch nicht vermeiden.“ Von dieser großen Logistikhalle aus werden die Produkte verladen und schließlich zu den Kunden transportiert.
Im hinteren Teil befindet sich außerdem das Hochregallager von Hammerlit. Bis unter die Decke ragt die Konstruktion in die Höhe. Ein Mitarbeiter sitzt gerade im Führerhaus eines speziellen Gabelstaplers, der ihn bis in das höchste Regalfach fahren kann, um dort Ware unterzubringen oder herauszuholen. Tausende Produkte und Teile sind hier gelagert. Was beim weiteren Gang durch die Hallen auffällt: Es stehen immer wieder Fahrräder herum. „Die können die Mitarbeiter nutzen, um schnell von A nach B zu kommen“, sagt Schlie.
Die Geschichte von Hammerlit
Hammerlit wurde 1954 von Wilhelm Connemann, dem Großvater des heutigen Geschäftsführers Dr. Markus Connemann, sowie Curt Th. Meseke gegründet. Die Familie Connemann produzierte eine Schmierseife am heutigen Ernst-Reuter-Platz, die Connemanns Hammer hieß, erläutert Dr. Markus Connemann im Gespräch. Mesekes hatten eine Firma, die Gomelit hieß. „Diese ist in den letzten Kriegsjahren aber insolvent gegangen“, so Connemann. Curt Th. Meseke besaß aber noch Rezepte für Spezialwaschmittel. Man tat sich zusammen. Meseke führte Hammerlit bis Ende 1996. „Er war eine starke, tolle Persönlichkeit“, sagt der heutige Geschäftsführer. Er selbst sei 1995 ins Unternehmen gekommen. Nach dem Ausscheiden Mesekes habe dieser seine Anteile an Connemann verkauft.
Das Unternehmen zählt sich zu einem der Marktführer auf seinem Gebiet. Es gebe einige Marktbegleiter, „die aber nicht ein so umfassendes Programm bieten“, so Schlie. Die seien spezialisierter.
Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien
Großen Wert legt Dr. Markus Connemann mit seinen Firmen auf das Thema Nachhaltigkeit. Ein großer Solarpark zwischen der Sägemühlenstraße und der Straße An der Seeschleuse produziert drei Gigawattstunden (GWh) Strom im Jahr. Dieser Strom werde komplett ins öffentliche Netz eingespeist. In den vergangenen Jahren sind weitere Solaranlagen auf zwei neuen Hallen mit 0,8 GWh hinzugekommen. Um noch weniger Strom zukaufen zu müssen, werde derzeit zudem ein 300-kWh-Batteriespeicher in Betrieb genommen. „Energieautark sind wir aber noch nicht“, sagt Connemann. „Wir kommen aber dahin CO2-neutral zu sein.“ Die Heizungsanlagen wurden selbst in den größten Hallen auf Wärmepumpen umgestellt. „Und auch dort funktioniert es sehr gut“, freut sich Connemann.
Die Produktion der Edelstahl- und Aluminium-Teile hat sich die Connemann-Gruppe 2019 ins eigene Haus geholt. „Wir haben 25 Jahre lang mit Hansa Polytechnik zusammengearbeitet“, sagt Connemann. Dann habe man sich überlegt, „warum machen wir das nicht einfach selbst.“ Die Firma Connesteel wurde gegründet. „Jetzt haben wir es in einer Hand“, betont Connemann.
Die Halle von Connesteel war früher Teil der dortigen Ölmühle. Für die neuen Zwecke wurde sie renoviert und umgebaut. Hier ist es lauter als in den Hallen von Hammerlit. Die Mitarbeiter tragen teilweise Schweißhelme mit aktiver Belüftung. Metall wird gebogen. „In dieser Halle werden die zugekauften Edelstahlrohre weiterverarbeitet“, erläutert Schlie beim Rundgang. Sie werden gebogen, verschweißt, verbunden. In einer Art „Box“ in der Halle steht ein Mitarbeiter in Schutzausrüstung. „Hier werden die Schweißnähte nachbearbeitet“, so Schlie.
Produkte auch für die Halbleiterindustrie
Nach einer kurzen Autofahrt mit einem Firmenwagen – „Alle Dienstwagen sind mittlerweile auf E-Autos umgestellt“ – biegen wir auf ein weiteres Grundstück der Connemann-Gruppe ab. Hier fertigt Connesteel in einer weiteren Halle Edelstahl- und Aluminium-Bleche – nicht nur für die Gesundheitsprodukte, sondern auch für Tische und Schränke in der Halbleiterindustrie. Letztere vertreibt die Tochterfirma Halitec. „In dieser Halle stehen die größten Maschinen, die wir haben“, sagt Mats Ruiter, Betriebsleiter bei Connesteel. Ein sogenannter Kombilaser kann sowohl Bleche als auch Rohre bearbeiten. Außerdem werden hier Bleche gebogen, geschweißt und die Nähte dann nachbearbeitet.
Nach einer großen Nachfrage während der Corona-Pandemie, arbeite man derzeit auf kleiner Flamme, sagt Dr. Markus Connemann. Es gebe einen großen Investitionsstau in Deutschland im Gesundheitswesen. „Wir hängen ein bisschen am Tropf unserer Kunden“, sagt der Geschäftsführer. Der Vorteil der Unternehmensgruppe sei, dass man nicht nur Kunden in Deutschland habe und auch die Halbleiterindustrie in der ganzen Welt beliefert werde. Sollte die Nachfrage wieder ansteigen, sei man aber gut aufgestellt. Zwei neue Hallen seien bereits gebaut worden. „Wenn man sich die Gesamtumstände anschaut, stehen wir sehr gut da“, betont Dr. Markus Connemann.