Warum Germania Leer?  Einst gegen Erling Haaland, jetzt gegen SV Holtland

| | 08.02.2024 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eugeniu Gliga (links) und Nichita Murovanii möchten mit Germania Leer in die Landesliga aufsteigen. Foto: Herzog
Eugeniu Gliga (links) und Nichita Murovanii möchten mit Germania Leer in die Landesliga aufsteigen. Foto: Herzog
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Einige moldawische Neuzugänge vom Bezirksligisten Germania Leer haben schon gegen die ganz Großen des Fußballs gespielt. Nichita Murovanii und Eugeniu Gliga sprechen über ihre Gründe für den Wechsel.

Leer - Den Gegner aus dem Jugendspiel gegen Molde FK erwähnt Nichita Murovanii nur so beiläufig. In der UEFA Youth League spielte er mit seinem damaligen Verein Sheriff Tiraspol mal gegen den norwegischen Nachwuchs. Am Ende schied der moldawische Verein zwar knapp aus, aber an das Stürmertalent von Molde kann er sich noch gut erinnern. Auf der anderen Seite kickte ein gewisser Erling Haaland (jetzt Manchester City) mit, in diesem Jahr nur auf dubiose Art und Weise knapp bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres an Lionel Messi gescheitert. Statt Haaland heißt es nun Holtland, am 1. März steht für den Fußball-Bezirksligisten Germania Leer das erste Ligaspiel des Jahres 2024 an.

Neben Murovanii stehen noch neun weitere moldawische Spieler bei Leer im Kader und haben ganz entscheidend mit dazu beigetragen, dass sich die Leeraner bei nur einem Punkt Rückstand und einer weniger absolvierten Partie auf Tabellenführer TV Bunde berechtigte Aufstiegshoffnungen machen dürfen. Aber was treibt die moldawischen Spieler an, in jungen Jahren ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück bei einem deutschen Siebtligisten zu suchen?

Gliga spielte gegen Ronaldo

„Es ist natürlich der Mix. Wir sind in erster Linie wegen der Arbeit und des Jobs in Deutschland, möchten aber natürlich auch noch so hoch wie möglich Fußballspielen“, erklärte Stürmer Murovanii am Dienstagmorgen im Germania-Vereinsheim auf Englisch. Fast alle haben während ihrer Jugendzeit beim moldawischen Ausnahmeverein FC Sheriff Tiraspol gespielt und somit eine erstklassige Ausbildung genossen.

Während der 22-jährige Murovanii schon einen sehr selbstbewussten Eindruck hinterlässt, wirkt Eugeniu „Jan“ Gliga noch sehr schüchtern. Erst im Winter kam der 22-Jährige nach Deutschland. Noch im Sommer gehörte er zum Kader von Milsami Orhei und machte zwei Spiele bei der Qualifikation zur UEFA Conference League mit. Im Oktober 2022 kam Gliga sogar wenige Minuten beim Gastspiel von moldawischen Topklub Sheriff Tiraspol in der UEFA Europa League bei Manchester United mit Cristiano Ronald zum Einsatz, seit wenigen Tagen trainiert er nun bei der Germania mit.

Arbeit auf der Meyer-Werft

„Bei meinem Verein in Moldawien gab es Probleme mit den Gehaltszahlungen, also habe auch ich den Schritt nach Deutschland gewagt“, so Gliga. Vermittelt hat sie der neue Sportliche Leiter der Leeraner, Vitali Daniltschenko, der über die Kontakte nach Moldawien verfügt. Daniltschenko ist Inhaber mehrerer Firmen, vermittelt die Jobs und ist somit teilweise auch der Arbeitgeber der Spieler. Murovanii und Gliga arbeiten für eine Daniltschenko-Firma aktuell auf der Meyer-Werft in Papenburg.

Eugeniu Gliga spielte in der Europa League im Oktober 2022 in der Schlussphase einige Minuten beim Gastspiel von Sheriff Tiraspol bei Manchester United mit. Foto: Privat
Eugeniu Gliga spielte in der Europa League im Oktober 2022 in der Schlussphase einige Minuten beim Gastspiel von Sheriff Tiraspol bei Manchester United mit. Foto: Privat

„Um 4.30 Uhr klingelt der Wecker, ab 6 Uhr beginnt die Arbeit. Wenn wir dann am Nachmittag nach Hause kommen, gibt es noch etwas zu Essen und dann geht es meistens schon ab zum Training oder ins Fitnessstudio“, beschreibt Murovanii den Tagesablauf. Die Spieler leben in Monteurswohnungen in Westoverledingen, zwei arbeiten auch für die Baufirma vom zweiten Germania-Vorsitzenden Ferhat Özdemir und leben mittlerweile in Leer. „Wir stellen als Firma die Wohnungen und teilweise auch die Autos, da fallen für sie keine Kosten an“, erklärt Daniltschenko.

Unterstützung für die Familie

Murovanii berichtete auch, dass er mit seinem Lohn noch seine Eltern und die Familie in Moldawien unterstützen kann. Jetzt sei für sie aber zunächst das große Ziel, mit Germania Leer in die Landesliga aufzusteigen. „Ich würde ungefähr einschätzen, dass die erste moldawische Liga in etwa das Niveau der vierten Liga in Deutschland hat.“ Als er vor anderthalb Jahren nach Deutschland kam, absolvierte er auch ein Probetraining bei Kickers Emden, spielte dann aber doch unterklassig bei der SG Collinghorst/Rajen, bevor er dann im Sommer nach Leer wechselte.

„Ich kann mir gut vorstellen, noch einige Jahre in Deutschland zu bleiben und zu arbeiten“, so Murovanii, der sich besonders gefreut hat, dass seine Freundin Julia nach dem Weihnachtsurlaub mit nach Ostfriesland kam.

Großteil der Spieler soll bleiben

Daniltschenko traut dem ein oder anderen auch zu, den Sprung zu einem höherklassigen Verein in Deutschland zu schaffen. „Jan Gliga oder auch einige andere haben sicher ein sehr großes Talent. Ob sie sich letztlich hier wohlfühlen und auch sportlich voll einschlagen, werden wir sehen.“ Sollte mal ein für die Spieler interessanter Verein anklopfen, werde man ihnen sicher keine Steine in den Weg legen. „Mit dem Trainerteam um Erhan Colak haben wir jetzt verlängert, wir gehen davon aus, dass auch ein Großteil der Spieler in der neuen Saison bleiben wird“, so Daniltschenko.

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