BSV-Paukenschlag Kickers-Kapitän beendet Karriere und wird Chef
30 Jahre lang spielte Bastian Dassel Fußball. Im Sommer ist Schluss damit. Der 33-Jährige geht dem BSV Kickers Emden aber nicht verloren, sondern übernimmt einen spannenden Posten.
Emden - Kapitän Bastian Dassel von Fußball-Oberligist BSV Kickers redet immer locker und lässig. Als er am Montag vor dem Training zur Mannschaft sprach, sah es anders aus. „Die Worte kamen mir nur schwer über die Lippen“, gestand er. Denn der beliebte Mannschaftsführer verkündete den Mitspielern in der Kabine sein Karriereende zum Saisonschluss. Nach 30 Jahren zieht der Familienvater die Fußballschuhe endgültig aus. Doch beim zweiten Teil seiner Ansprache kehrte am Montag das Lächeln zurück ins Gesicht. Denn „Basti“, wie ihn alle nennen, verlässt nur das Spielfeld, aber nicht den BSV. Er übernimmt das Amt des Geschäftsführers der zukünftigen Kickers-GmbH.
„Ich fühle mich geehrt, dass mir dieser Posten angeboten wurde“, sagt der 33-Jährige. „Kickers ist mir ans Herz gewachsen. Dieser Titel hätte gar nicht sein müssen. Aber ich wollte unbedingt Teil des Teams bleiben.“
Trainer schwärmt vom Kapitän
Nach acht Jahren beim BSV Kickers und 190 Pflichtspielen identifiziert sich der Familienvater voll und ganz mit dem Klub. „Es ist für ihn und für den Verein die beste Lösung“, schwärmt Trainer Stefan Emmerling von dieser Variante und auch von seinem verlängerten Arm im Team. „Ich kann mir keinen besseren Kapitän vorstellen.“
Nachdem Dassel im Dezember dem Trainerteam und Manager Henning Rießelmann das bevorstehende Ende seiner Karriere mitteilte, war allen klar, dass der Prokurist des Bau-Giganten Strabag eine andere Funktion bei Kickers übernehmen wird. Rießelmann überraschte dann mit der Idee, den Chef der Mannschaft zum Leiter der GmbH zu machen. Viele hatten gedacht, der Macher aus Dinklage persönlich würde diesen Posten übernehmen. „Ich bleibe der Strippenzieher im Hintergrund, schaue auf das große Ganze und möchte die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen“, sagt Rießelmann. „Basti wird meine rechte Hand. Er kennt und lebt diesen Verein wie kaum ein Zweiter.“
Beruflich Prokurist bei Strabag
Als Prokurist kann Dassel natürlich auch mit Zahlen umgehen. Der Schwerpunkt seiner zukünftigen Arbeit liegt aber näher an der Mannschaft. „Er soll das Organisatorische rund ums Team regeln“, sagt der Manager. Somit wird der neue „Funktionär“ eng mit dem Technischen Direktor Sebastian Plog zusammenarbeiten, dessen Hauptaufgabe laut Rießelmann im Bereich Scouting und Transfers liegen soll.
„Ich werde so ein bisschen ins kalte Wasser geworfen“, sagt Dassel zur neuen Herausforderung. „Aber ich habe ja viele Unterstützer.“ Und die sind überzeugt, dass der perfekte Kapitän auch zum idealen Geschäftsführer werden wird. „Er ist beruflich in einer gehobenen Position und hat sich auch im Fußball alles hart erarbeitet“, sagt sein Trainer. Bastian Dassel war auf dem Feld nie ein filigraner Techniker, sondern ein Arbeiter und Kämpfer. „Er kam als Bezirksligaspieler 2016 nach Emden und hätte es sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, einmal in der Regionalliga zu spielen“, sagt Emmerling. Sein Kapitän weiß selber, dass er in seiner Laufbahn nie als Dribbelkönig oder Supertechniker gerühmt wurde. „Viele haben mir 2016 bei meinem Wechsel einen Stammplatz bei Kickers nicht zugetraut.“ Mit Engagement und Ehrgeiz verblüffte er aber alle.
Titel wäre Karriere-Krönung
Der kleine Basti begann einst schon mit drei Jahren bei den „Bambinis“ von Germania Wiesmoor mit dem Fußball. In der B- und A-Jugend lief er für Kickers Emden auf. Als Herrenspieler kehrte er nach Stationen beim TuS Sandhorst, TuS Esens und dem SV Großefehn zum BSV Kickers zurück. Seit der Geburt seiner Kinder Leonard (4) und Jonathan (3) hatte er den Abschied vom Fußballfeld immer im Hinterkopf. „Mal sind wir aufgestiegen, dann wieder abgestiegen. Es war nie der richtige Zeitpunkt.“
Nach seiner Knieverletzung im Herbst spürte Bastian Dassel aber zu Hause bei seinen Kindern und seiner Ehefrau Olga in Aurich, dass nun endgültig der Moment gekommen ist, um das Spielfeld zu verlassen. Der Kapitän, der in Kürze seinen 34. Geburtstag feiert, wünscht sich zum Ende seiner Laufbahn aber nicht nur Blumen und Dankesworte. „Zweimal bin ich mit Kickers als Vizemeister aufgestiegen. Der Titel in dieser Saison wäre die Krönung“, sagt er. Sein Trainer Stefan Emmerling weiß um diesen Traum. „Wir werden alles geben, um Basti den schönsten Abschied zu bereiten.“