BSV-Platzwarte im Dauerstress  Schlaflose Nächte für Kickers-Helden der Matsch-Wiese

| | 15.12.2023 11:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Marco Hufert (links) und Uwe Eeten betreten den Platz aktuell meistens mit Gummistiefeln. Das Foto zeigt sie beim Abkreiden des Spielfeldes vor der Partie gegen den TuS Bersenbrück. Fotos: Doden
Marco Hufert (links) und Uwe Eeten betreten den Platz aktuell meistens mit Gummistiefeln. Das Foto zeigt sie beim Abkreiden des Spielfeldes vor der Partie gegen den TuS Bersenbrück. Fotos: Doden
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Uwe Eeten und Marco Hufert kämpfen seit Monaten gegen die Wassermassen im Emder Ostfriesland-Stadion. Die schönste Belohnung erhalten sie von den Spielern.

Emden - Der bundesweit regenreichste November seit 1944 ließ den Emder Uwe Eeten häufig schlecht schlafen. „Vor allem wenn ein Kickers-Heimspiel anstand – dann war ich richtig aufgeregt“, sagt der 39-Jährige. An solchen Tagen blickte der Platzwart des BSV Kickers Emden schon um 7 Uhr aus dem Fenster und stand spätestens um 8 Uhr auf „seinem“ heiligen Stadionrasen, auch wenn der Anpfiff für seinen Klub erst um 18 oder 19 Uhr ertönen sollte. Gemeinsam mit Marco Hufert kämpfte er nahezu mit Wunderhänden den ganzen Tag auf einem der regenanfälligsten Sportplätze der Region für den BSV. Und wenn der Schiedsrichter dann am Abend zum Oberligaspiel in die Pfeife blies, hatte das emsige Duo sein Duell gegen die Wassermengen wieder einmal gewonnen. „Dann waren wir glücklich“, sagt Marco Hufert.

Uwe Eeten
Uwe Eeten

Die beiden Männer hatten dann meist mit Unterstützung anderer Helfer wieder einmal erfolgreich geschippt, gebuddelt, gepumpt oder mit dem Laubbläser den Rasen „gefönt“. Aus einer Matschwiese zauberten sie fast immer ein halbwegs spieltaugliches Fußballfeld – ihre Arbeitsstunden zählten sie nicht. „Wir sind auf 520-Euro-Basis beschäftigt“, sagt der 43-jährige Hufert. Doch den Teilzeitjob verrichten sie mit ganzem Herzen. „Das Stadion ist mein zweites Zuhause“, sagt Uwe Eeten. „Und der Rasen ist für mich fast wie ein eigenes Kind.“

Tägliches Rasenmähen

Eeten ist quasi der Herr der Milliarden Grashalme. „Bei gutem Wetter mähe ich den Rasen jeden Tag.“ Dann verbringt er Stunde für Stunde auf dem Spindelmäher. Denn das Gras auf dem Nebenplatz wird ebenso gepflegt wie im Stadionareal. Und weil die Oberligakicker in nassen Zeiten ihre Trainingseinheiten oft auf dem trockeneren Gelände des RSV Emden absolvieren, übernehmen Eeten und Hufert die Rasenpflege dann beim Nachbarklub gleich mit. „Wir tun das für die Mannschaft“, sagt Marco Hufert. „Das sind alles tolle Kerle.“

Marco Hufert
Marco Hufert

Hufert ist eigentlich der Hausmeister von Kickers. Das Klubheim samt Katakomben und Kabinen ist sein Revier. Bei den Spielen ist er zudem als Ordner im Einsatz oder versorgt Getränke- und Wurststände mit Nachschub. Doch weil die zwei Hände seines Kumpels in diesem Regenherbst bei weitem nicht für die Platzpflege reichen, ackert der gebürtige Thüringer auch die ganze Woche über am sensiblen Stadionplatz mit.

Bierchen mit dem Team

Die wahre Belohnung für Hufert und Eeten, die erst in diesem Jahr ihre Kickers-Arbeit aufnahmen, sind nicht die 520 Euro, sondern die Anerkennung von Spielern, Trainern und Betreuern. „Nach jedem Sieg bitten sie uns nach unten in die Kabine“, erzählt Eeten. „Dann trinken wir ein Bier mit der Mannschaft.“ Nach dem 4:3-Erfolg beim Match im Matsch im November gegen den Titelkonkurrenten TuS Bersenbrück waren es sogar zwei oder drei.

Vor dem Spiel gegen TuS Bersenbrück wurde das Spielfeld verkleinert. Das Foto zeigt Marco Hufert (rechts) mit Reiner Bruns vom BSV-Altherrenteam.
Vor dem Spiel gegen TuS Bersenbrück wurde das Spielfeld verkleinert. Das Foto zeigt Marco Hufert (rechts) mit Reiner Bruns vom BSV-Altherrenteam.

„Das Spiel war der Hammer“, sagt Eeten. Die beiden Rasen-Experten hatten nach den heftigen Regenfällen am Morgen kaum Hoffnung auf die Austragung der Partie. Das teilten sie auch Trainer Stefan Emmerling und Manager Henning Rießelmann mit. „,Das wird wohl nichts‘, haben wir zu Henning gesagt“, erzählt Hufert. Doch der Manager mochte nicht resignieren.

Stolz auf Zeigler-Video

Also dokterten die Platzpfleger samt Fans und Vereinsmitgliedern den ganzen Tag mit Schaufel, Besen, Sand und Pumpen am schwer nässekranken „Patienten“ herum. „Dann haben wir den Platz in Absprache mit dem Schiedsrichter noch auf beiden Seiten um genau 8,50 Meter schmaler gemacht“, schildert Eeten den besonderen Coup. Gekrönt wurde er nicht nur durch das 4:3-Siegtor in der Nachspielzeit, sondern durch das bundesweite Interesse an den Videos vom Spiel. „Zwei Millionen Menschen haben die Szenen gesehen“, sagt Eeten. „Das ist unfassbar.“

Auch Sportmoderator Arnd Zeigler, der im WDR-Fernsehen und in den sozialen Medien Fußball-Kuriositäten präsentiert, zeigte einen Videoclip vom Fußball-Wahnsinn in Ostfriesland. Der Film begann mit Bildern von Eeten und Hufert bei der Arbeit. Natürlich waren die beiden stolz auf diese Szenen. Vor allem aber sind sie überglücklich über die Emder Heimsieg-Serie und die Tabellenführung. Denn eines ist klar: Ohne die beiden „Zauberer“ vom Kickers-Stadion würden die BSV-Spieler wohl kaum als Wintermeister der Oberliga unterm Weihnachtsbaum sitzen.

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