4:1 gegen Hannover Kickers Emden feiert Retter-Tag mit Singen und Sieg
„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“, sang das Emder Publikum am späten Mittwochabend. Vorausgegangen war eine besinnliche Aktion und ein torreiches Fußballspiel.
Vor dem rauschenden Abend hieß es erst ein wenig „Stille Nacht“. Im weihnachtlich geschmückten Stadion – sogar ein Weihnachtsbaum wurde am Mittelkreis platziert – standen zunächst Sänger und Sängerinnen im Fokus. Auf einer Bühne neben dem Stadionsprecherturm versammelte sich der Emder Chor „Ligante“. Nach einem kurzen Einsingen und einem lockeren Interview von Kickers mit Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) begann das Weihnachtssingen. Im abgedunkelten Stadion hielten die Fans eine Kerze in der Hand. Gemeinsam wurden sieben weihnachtliche Lieder gesungen – von „Lasst uns froh und munter sein“ bis „Stille Nacht“.
Kickers-Nikolaus führt Teams aufs Feld
Während in vielen Teilen Niedersachsens dieser Tage an Fußballspielen nicht zu denken ist und sogar schon Regionalliga-Spiele für das kommende Wochenende abgesagt wurden, konnte in Emden tatsächlich gespielt werden. Am Dienstag und auch Mittwoch noch hatten viele Helfer und auch Teile des Kickers-Teams den Platz vom Schnee befreit. Vom Schiedsrichter als „matschig“ gesehene kleine Stellen wurden noch mit Sand ausgebessert.
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Angeführt von einem Kickers-Nikolaus im blau-weißen Kostüm schritten die Mannschaften dann um 19 Uhr auf den aufgeweichten, aber bespielbaren Rasen. Der Nikolaus hatte dann auch Geschenke dabei – aus dem Sack rollten die drei Spielbälle.
Spieldaten
Emden: Djokovic; Ndiaye, Herbst, Eilerts, Engel (82. Konda), Siderkiewicz, Lameyer (57. Kaissis), Steinwender (67. Stöhr), Steffen (76. Buß), Steffens, Schiller (67. Abbey).
Tore: 1:0 Schiller (9.), 2:0 Herbst (35.), 3:0 Steinwender (46.), 4:0 Steffens (Foulelfmeter, 84.), 4:1 Bautista (88.).
Arminia-Trainer lobt Emdens Schiller
Einer lag dann schon nach neun Minuten im Netz. Nach starker Vorarbeit und Hereingabe von Tido Steffens scheiterte Fabian Herbst zunächst am Arminia-Keeper, den Abpraller verwertete David Schiller zum frühen Emder 1:0. „Er hat einfach diesen Riecher dafür, ist ein Mann der zweiten Bälle“, lobte Armina-Trainer Zan Semir David Schiller.
Das 2:0 nach dann 35 Minuten durch Fabian Herbst im Winter-Spiel war verdient, weil Kickers den Ton angab und weitere gute Offensivaktionen besaß. Die Emder spielten auf dem seifigen Boden, bei dem auch mal ein Akteur ausrutschte, rigoros in der Defensive und gradlinig im Angriff. Beim 2:0 köpfte Verteidiger Herbst den Ball nach einer gefühlvollen Flanke von Janek Siderkiewicz aus vier Metern über die Linie.
Joker Buß holt Elfer heraus
Die Vorentscheidung fiel dann wenige Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit. Nach einem Schuss von Tobias Steffen aus spitzem Winkel staubte Pascal Steinwender den zunächst abgewehrten Schuss ab: 3:0 nach 46 Minuten, danach ließ Kickers nichts mehr anbrennen. „Es war aber kein Spaziergang. Arminia hat uns alles abverlangt. Für uns war es ein großer Ansporn, Tabellenführer werden zu können“, sagte Kickers-Trainer Stefan Emmerling, der selbst am Dienstag und Mittwoch Schnee vom Platz geschippt hatte und sich bei allen Helfern bedankte. „Ein großer Dank an alle.“
In der Schlussphase holte Joker Keno Buß noch einen Foulelfmeter heraus, den Tido Steffens zum 4:0 verwandelte (84.). Weil Kickers-Torwart Isaak Djokovic dann noch patzte, konnte Luis Prior Bautista noch den Ehrentreffer erzielen. „Aber unterm Strich haben wir auch in der Höhe verdient verloren, weil Kickers ein klares Chancenplus hatte“, sagte der faire Verlierer Zan Semir, der von schwierigen, aber nicht unmöglichen Platzverhältnissen sprach und von der Atmosphäre im Ostfrieslandstadion angetan war: „Die Fans sind der absolute Wahnsinn.“
Kruithoffs Wunsch geht in Erfüllung
Die hatten am Rande des Spiels auch eine große Verlosung organisiert, mit vielen attraktiven Preisen. Auch der Erlös kommt dem Retter-Konto zugute. „Es war ein besonderer Abend. Schon beim Einlaufen hatte ich das Gefühl, dass die Fans noch lauter sind als sonst“, sagte der gute Verteidiger Marvin Eilerts. So als wollten die Zuschauer Kickers zum Sieg und zur finanziellen Rettung schreien.
Die erhofft sich auch der Oberbürgermeister, der den neuen Kickers-Weg begrüßt, unterstützt und auch schon beim Weihnachtssingen im Stadion war. Da verriet Tim Kruithoff im Interview mit Hardy Kloßek und Gerd Krauledat, dass er kein guter Sänger sei. Das Gegenteil gilt für den Chor „Ligante“, der den tollen Kickers-Abend mit 250 Mitsingenden einleitete. Für den sportlichen Teil hatte Tim Kruithoff nur einen Wunsch: „Einen Sieg.“ So folgte nach dem besinnlichen „Stille Nacht“ ein paar Stunden später das euphorische „Spitzenreiter“.