Neues Wasserwerk für die Insel  Der Rohbau von Borkums größter Baustelle steht

| | 30.11.2023 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sitzt der Richtkranz? Bauleiter Hendrik Wiesmann (von links), Johannes Krieger und Polier Marcel Mönter sind nah dran. Foto: Ferber
Sitzt der Richtkranz? Bauleiter Hendrik Wiesmann (von links), Johannes Krieger und Polier Marcel Mönter sind nah dran. Foto: Ferber
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An der künftigen Wasseraufbereitungsanlage im Ostland ist am Donnerstag, 30. November 2023, Richtfest gefeiert worden. Zum Einsatz kam neben Richtkranz und Richtspruch auch Hochprozentiges.

Borkum - So kalt, dass das Richtwasser gefriert, ist es am Donnerstagmorgen auf Borkums Großbaustelle im Ostland nicht. Dafür sind die Temperaturen noch nicht niedrig genug, der Alkoholgehalt des Getränks tut sein Übriges. Dennoch ist es ziemlich eisig, zeitweise fällt leichter Schnee auf den Ort des Geschehens. Sämtliche Gäste, zum Beispiel aus der Stadtverwaltung oder von der Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG), sind dick eingepackt. Gekommen sind sie, um Richtfest zu feiern. Der Rohbau für die neue, rund sechs Millionen Euro teure Wasseraufbereitungsanlage steht.

Zahlreiche Gäste waren Ohrenzeugen des Richtspruchs. Foto: Ferber
Zahlreiche Gäste waren Ohrenzeugen des Richtspruchs. Foto: Ferber

Nicht fehlen darf besagtes Richtwasser – Borkums feinstes, aus den Tiefen der Süßwasserlinse gewonnen, mit viel Liebe und Knowhow aufbereitet und gereift, haltbar, bis es getrunken wird, zitiert Thomas Budden, Oberbauleiter der Bauunternehmung Hofschröer GmbH & Co. KG aus Lingen (Ems), vom Flaschenetikett. Anschließend geht es für drei seiner Kollegen samt Hochprozentigem zum Anstoßen (und Trinken) rauf aufs Gerüst bis vors Dach des Neubaus. Dort oben muss zunächst der Richtkranz – passend zur Insel mit hängenden Möwen verziert – platziert werden, hochgehoben per Kran.

Oberbauleiter Thomas Budden verteilt das Richtwasser – unter anderem an Stadtwerke-Mitarbeiter Olaf Look (rechts). Foto: Ferber
Oberbauleiter Thomas Budden verteilt das Richtwasser – unter anderem an Stadtwerke-Mitarbeiter Olaf Look (rechts). Foto: Ferber

Spezieller Beton kommt zum Einsatz

„Links, rechts, etwas runter.“ Als das Dirigieren abgeschlossen ist und alles sitzt, ist Zeit für den Richtspruch. Kein Standardtext, sondern extra auf am Großprojekt beteiligte Personen zugeschnitten und gereimt. Dank geht unter anderem an Polier Marcel Mönter und sein Team, das seit vielen Monaten für mehrere Tage pro Woche in Containern auf dem Gelände wohnt. Gedankt wird auch Stadtwerke-Direktor Axel Held und „unseren Wasserwerksleuten“ Olaf Look und Frank Schönball, „die immer wissen, wann hier starke Winde weh‘n und uns mit Rat und Tat zur Seite steh‘n“. Am Ende heißt es „Prost“, ehe die kleinen Schnapspinnchen zerschlagen werden. Soll ein gutes Omen sein.

Bevor es zur Stärkung ins Warme geht, führt Thomas Budden über die Baustelle. Er spricht über die Herausforderungen des Projektes auf der Insel – und meint damit nicht nur die Materiallogistik. Sondern auch, dass die Straßen eine Gewichtsbeschränkung von zwölf Tonnen haben, was den Beton-Transport sehr langwierig und umständlich gestalten würde. „Deswegen haben wir hier unser eigenes Betonwerk aufgebaut“, erklärt Budden. Und darin wird kein 08/15-Beton angemischt, auch keiner, der bei Brücken eingesetzt wird, sondern ein sehr spezieller. „Wir reden hier schließlich von Trinkwasser, einem Lebensmittel, das später in die Becken kommt.“ Mittlerweile, so der Oberbauleiter, habe man rund 1500 Kubikmeter Beton verbaut, geschätzte 200 Kubikmeter könnten noch für Winkelstützen etc. dazukommen.

Aufs Dach kommt eine Photovoltaikanlage

Die Gäste dürfen sich den Rohbau – soweit möglich – auch von innen anschauen. Dort dienen später unter anderem große Becken und Filterkammern der Aufbereitung des Wassers aus der Süßwasserlinse (über drei Millionen Liter pro Tag) . Mit dem Dach, erläutert Thomas Budden, als alle wieder draußen sind, werde in der nächsten Woche begonnen. Dann kommen die Pfannen drauf, später auch noch eine Photovoltaikanlage. Innen geht es mit dem Einbau der umfangreichen Elektro- und Maschinentechnik weiter. Das laufe alles „Hand in Hand“, beschreibt Budden das Zusammenspiel der beteiligten Gewerke und Firmen. Als voraussichtliche Fertigstellung der Anlage wurde zuletzt der November 2024 angepeilt.

Die Teilnehmenden des Richtfestes konnten sich einen Eindruck vom Neubau verschaffen. Foto: Ferber
Die Teilnehmenden des Richtfestes konnten sich einen Eindruck vom Neubau verschaffen. Foto: Ferber

Die Bedeutung der neuen Wasseraufbereitung im Ostland, der eine mehr als zehnjährige Planungs- und Vorbereitungszeit voranging, hat Stadtwerke-Direktor Axel Held bereits mehrfach betont: „Es ist generationsübergreifend; wir bauen für unsere Kinder und Kindeskinder.“ Der Neubau soll künftig das seit 1965 betriebene, in die Jahre gekommene alte Ostland-Wasserwerk vis-à-vis ersetzen, dessen Technik längst nicht mehr dem neuesten Stand entspricht. Das aktuelle Projekt ist übrigens nicht das erste auf Borkum, an dem das mittelständische Unternehmen Hofschröer – beschäftigt rund 270 Mitarbeitende – beteiligt ist. Man habe, berichtet Thomas Budden, in der Vergangenheit unter anderem zum Beispiel den Neuen Leuchtturm mit saniert.

Die neue Anlage soll die Wasseraufbereitung auf der Insel für Jahrzehnte sicherstellen. Foto: Ferber
Die neue Anlage soll die Wasseraufbereitung auf der Insel für Jahrzehnte sicherstellen. Foto: Ferber

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