Sorgen über Konflikte  Weltlage ist Thema in Borkumer Klassenzimmern

| | 24.11.2023 11:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Solidaritätsbekundungen mit Israel und Demonstration gegen Antisemitismus gibt es dieser Tage viele – wie hier kürzlich in Berlin. Foto: Annette Riedl/dpa
Solidaritätsbekundungen mit Israel und Demonstration gegen Antisemitismus gibt es dieser Tage viele – wie hier kürzlich in Berlin. Foto: Annette Riedl/dpa
Artikel teilen:

Der Israel-Gaza-Krieg und der damit einhergehende Antisemitismus lassen auch die Schülerschaft der Borkumer Inselschule nicht unberührt. Der Schulleiter verrät, wie man mit der Thematik umgeht.

Borkum - Seit dem 7. Oktober 2023, dem Tag, an dem die Terror-Organisation Hamas Israel angegriffen hat, bestimmt der eskalierte Nahost-Konflikt mit seinen zahlreichen Opfern und Zerstörungen weltweit die Schlagzeilen. Im Zuge dessen rückt auch das Thema Antisemitismus – unter anderem in Deutschland – immer stärker in den öffentlichen Fokus. Eine Herausforderung für die Gesellschaft im Allgemeinen. Auch Schulen sehen sich mit der komplexen Thematik konfrontiert.

Das Niedersächsische Kultusministerium schreibt dazu auf seiner Homepage: „Die schrecklichen Ereignisse in Israel lösen bei vielen Schülerinnen und Schülern Ängste und Sorgen aus. Lehrkräfte stehen in dieser Situation vor der großen Herausforderung, wie sie die Themen Krieg, Friedensbildung und Antisemitismus behandeln sollen.“ Gerade in Krisenzeiten seien Lehrkräfte wichtige Bezugspersonen, die den Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Orientierung vermitteln könnten.

Noch etwas mehr „heile Welt“ auf der Insel

Darum ist man auch seitens der Inselschule Borkum bemüht. Man trete „Antisemitismus, Hass, Ausgrenzung und Intoleranz, wo er uns begegnet, entschieden entgegen“, unterstreicht Schulleiter Philipp Wenning. Die Einschätzung aus Hannover kann er bestätigen: „Die momentane Weltlage ist erschreckend und weckt auch bei unseren Schülerinnen und Schülern Ängste, aber auch Fragen. Ängste versuchen wir Lehrerinnen und Lehrer möglichst zu nehmen und Fragen ausgewogen und sachlich zu beantworten.“ Dies geschehe sowohl im Unterricht als auch im allgemeinen Austausch mit den Schülerinnen und Schülern. „Im Geschichts- und Politikunterricht wird regelmäßig auch über tagesaktuelle Entwicklungen gesprochen“, berichtet Wenning.

Bezüglich der wahrzunehmenden Sorgen der Schülerschaft ergänzt der Schulleiter: „Unsere Insel bietet in dieser Hinsicht allerdings noch ein wenig mehr ,heile Welt‘, in der die großen gesellschaftlichen Entwicklungen, anders als auf dem Festland, nicht so deutlich für unsere Schülerinnen und Schüler spürbar sind.“ Themen wie der Umgang mit Migration, Antisemitismus, Islamismus oder auch kriegerische Auseinandersetzungen in der Ukraine und in Gaza seien daher weiter weg als in Berlin, Köln oder Hamburg.

Philipp Wenning ist seit August Schulleiter der Inselschule. Foto: Archiv/Inselschule
Philipp Wenning ist seit August Schulleiter der Inselschule. Foto: Archiv/Inselschule

Aktionen gegen den Ukraine-Krieg

Dennoch bemühe man sich in allen Fächern, in denen es sich anbiete, die Schülerinnen und Schüler für ein tolerantes Miteinander zu sensibilisieren. Philipp Wenning: „Natürlich wird auch der brutale Angriff auf Israel durch die Hamas regelmäßig im Unterricht thematisiert. Auch wenn die politischen und historischen Hintergründe dieses Konflikts nicht immer leicht zu verstehen sind, sind wir besonders seit dem 7. Oktober bemüht, diese zu vermitteln.“ In diesem Zuge stelle sich unweigerlich auch die Frage nach der „eigenen leidvollen deutsch-jüdischen Geschichte und der Verantwortung, ein ,nie wieder‘ mit Leben zu füllen“.

Mit Leben gefüllt, das macht Philipp Wenning deutlich, wird an der Inselschule, die das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ trägt, einiges. „Neben verschiedenen Aktionen gegen zum Beispiel den Krieg in der Ukraine, legen unsere Schülersprecher im Namen aller Borkumer Schulen und der gesamten Inselschülerschaft in jedem Jahr am Volkstrauertag einen Kranz nieder, um ein lebendiges Zeichen gegen Krieg und Hass in aller Welt zu setzen.“ Des Weiteren werde in der Schule mindestens einmal im Schuljahr ein Projekttag durchgeführt, der sowohl die Schüler- als auch die Lehrerschaft für Themenbereiche wie Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus sensibilisiere.

Gedenkstättenfahrt in das KZ Bergen-Belsen

„Außerdem“, listet der Schulleiter weiter auf, „bietet die Inselschule seit dem letzten Schuljahr eine Gedenkstättenfahrt in das KZ Bergen-Belsen an. Diese Fahrt ist ein sehr eindrückliches Erlebnis und soll in diesem Schuljahr wiederholt werden und dann möglichst als fester Termin in den Jahreskalender aufgenommen werden.“ Die Inselschule Borkum zeige damit, dass sie sich der besonderen Verantwortung ihres Siegels bewusst ist und „es mit dem entschiedenen Handeln von Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern mit Leben füllt“.

Ähnliche Artikel