Arnd Zeigler zeigt Kickers  Halb Deutschland spricht vom Match im Emder Matsch

| | 13.11.2023 18:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Spieler und Fußballschuhe waren am Ende vom Kampf schwer gezeichnet. Fotos: Doden
Spieler und Fußballschuhe waren am Ende vom Kampf schwer gezeichnet. Fotos: Doden
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Das denkwürdige Fußballspiel am Samstag im Kickers-Stadion macht nun bundesweit Furore. Dass es überhaupt zustandekam, ist auch dem pfiffigen Schiedsrichter zu verdanken.

Emden - Das Schlammspektakel im Stadion von Fußball-Oberligist Kickers Emden macht nun bundesweit Furore. Sportjournalist Arnd Zeigler, der allwöchentlich im WDR-Fernsehen Fußball-Kuriositäten aus Deutschland und der ganzen Welt präsentiert („Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“), verbreitete am Montagmittag auf Facebook und Instagram ein Video vom Matschfußball zwischen Kickers Emden und TuS Bersenbrück. Die Ostfriesen gewannen am Samstag das Morastduell auf einem spontan verkleinerten Spielfeld mit 4:3.

Innerhalb einer halben Stunde schauten sich schon mehr als zehntausend Leute auf Social Media die spektakulären Bilder vom „Wattfußball“ gleich hinterm Deich an und kommentierten sie auf teils urige Art. „Die hätten besser in Gummistiefeln gespielt“, meinte ein Nutzer. „Das ist Fußball in Reinkultur – ohne Rasenheizung ohne heidideidi“, schrieb ein anderer.

Schiri erlebte Saarbrücker Wasserspiel

Dass solche denkwürdigen Szenen in Emden überhaupt entstehen konnten, ist auch Schiedsrichter Marco Scharf vom TSV Altenwalde (Cuxhaven) zu verdanken. Er entwickelt sich aktuell zum Experten für besonders nasse Fußball-Angelegenheiten. Vor zwei Wochen stand Scharf als Linienrichter in Saarbrücken im prasselnden Regen, als das Drittligaspiel gegen Dynamo Dresden wegen großflächiger Pfützen auf dem Spielfeld abgebrochen werden musste. Am Samstag stapfte er in Emden durchs „Moor“. „Ich scheine solche Spiele anzuziehen“, kommentiert der 32-Jährige süffisant seine Wasserball-Erlebnisse. Nur seiner Besonnenheit und seiner Idee, das Spielfeld zu verkleinern, war es letztlich zu verdanken, dass 1749 Zuschauer im Stadion eine Art „Jahrhundertspiel“ erlebten.

Schiedsrichter Marco Scharf machte das Spektakel möglich.
Schiedsrichter Marco Scharf machte das Spektakel möglich.

Scharf hatte selber am Morgen um 10 Uhr nicht wirklich an den Anpfiff um 18 Uhr geglaubt. Weil er für seinen Wochenendurlaub in Emden schon am Freitag angereist war, eilte er bereits am Vormittag nach einem Kickers-Anruf vom Hotel ins Stadion, um mit der Platzkommission die Lage zu erörtern. „Es standen überall Pfützen auf dem Feld. Da hätten wir nicht spielen können“, äußerte sich der Spielleiter zu dem Zeitpunkt skeptisch.

Beide Klubs mussten unterschreiben

Doch weil die Emder Verantwortlichen versprachen, das Feld von den Mini-Seen zu befreien und auch die Gäste unbedingt anreisen und antreten wollten, gab Scharf dem Spitzenspiel noch eine Chance.

Als er dann mit seinen Assistenten um 16 Uhr das Spielfeld inspizierte, sah es besser aus. „Nur am Spielfeldrand rollte der Ball nicht“, lautete sein Einwand. Also schlug der pfiffige Pfeifenmann vor, die Außenlinien um etliche Meter nach innen zu verlegen. Die Vereine zeigten sich angetan von diesem Vorschlag. Weil Scharf auf Nummer sicher gehen wollte, ließ er sich das Einverständnis zur Schaffung eines Minispielfelds – die Mindestnorm von 45 Metern Spielfeldbreite war noch erfüllt – von beiden Kapitänen und Trainern schriftlich geben. „Es hat mich selber gewundert, dass wirklich alle Akteure unbedingt spielen wollten.“

Stadionsprecher-Legende beeindruckt

Er sah dann auch keine Veranlassung mehr, die Begegnung abzusagen. „Der Ball rollte überall.“ Auf dem butterweichen Rasen flogen trotzdem die Grassoden und Kleifetzen. „Die Spieler agierten aber fair“, lobte der souveräne Spielleiter, der bei der Rutschpartie lediglich drei Gelbe Karten zücken musste.

Am Ende war es nicht nur für den 32-Jährigen ein in dieser Art nie dagewesenes Spektakel gewesen. Auch der mit 79 Jahren älteste Oberliga-Stadionsprecher Deutschlands zeigte sich beeindruckt: „Ich bin schon lange dabei“, sagte Gerd Krauledat, der seit 1977 am Kickers-Mikro sitzt. „Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Das denken nach dem Video von Arnd Zeigler nun wohl viele Menschen im ganzen Land.

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