Ostfriese erhielt begehrten Ausbildungsplatz Neue Trainer-Lizenz von Aurichs Stefan Wilts kostet 20.500 Euro
Der DFB hat seine Trainer-Ausbildung reformiert. Der Weg nach ganz oben ist steiniger und teurer geworden. Aurichs U17-Trainer wurde nun überraschend für den neuen A+-Kursus angenommen.
Aurich - Stefan Wilts erhielt am Anfang der Woche eine überraschende Nachricht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der Trainer der U17-Juniorinnen der SpVg Aurich (Bundesliga) und Interimscoach der Bezirksliga-Männer (bis Winter) hat einen der begehrten 20 Plätze für den Trainerlehrgang der Lizenzstufe A+ erhalten. Der Kursus beginnt Anfang nächsten Jahres, erstreckt sich über fast ein Jahr und kostet die Teilnehmer jeweils stattliche 20.500 Euro.
„Ich habe mich sehr über die Zusage gefreut und werde die Chance natürlich nutzen“, erklärte der Trainer und Geschäftsführer der SpVg Aurich. Er wird der erste Ostfriese sein, der die neu geschaffene Lizenz erreichen könnte – und möglicherweise auch für einige Zeit der letzte.
DFB führte Punktesystem ein
Denn nach einer DFB-Reform der Trainerausbildung ist der Kreis derer, die höhere Trainerlizenzen erreichen können, durch ein Punktesystem und viel weniger Ausbildungsplätze drastisch eingeschränkt worden. Kritiker meinen, dass diese Türen fast nur noch der „Elite“, also Trainern aus Nachwuchsleistungszentren von Profiklubs und Ex-Profis, geöffnet wird: in Hinblick auf das Punktesystem (Trainer-Erfahrung, Spielerlaufbahn, relevante Bildung) und die Kosten. „Ich habe bei meiner Bewerbung natürlich enorm davon profitiert, dass ich seit fünf Jahren mit unserer U17 in der Bundesliga spiele und sie trainiere“, sagt Stefan Wilts. Dass diese Extra-Punkte dafür reichten, viele andere Mitbewerber auszustechen, überraschte ihn dennoch.
Vor der Reform sah die Lizenztreppe beim DFB wie folgt aus: C-Lizenz, B-Lizenz, Elite-Jugend-Lizenz (B+), A-Lizenz, Fußball-Lehrer. Die Zugangskriterien erlaubten auch Amateurtrainern bei entsprechenden Voraussetzungen, die A-Lizenz zu erwerben. Auch in Ostfriesland gibt es einige Trainer mit dieser Ausbildung. Fußball-Lehrer sind sogar die beiden ostfriesischen Profi-Trainer Timo Schultz (zuletzt FC Basel, jetzt vereinslos) und Imke Wübbenhorst (Frauenteam Young Boys Bern).
„Fußball-Lehrer für Nachwuchstrainer“
Stefan Wilts hatte vor zwei Jahren die B+Lizenz erworben. Die erlaubte es ihm nun, sich für die neu geschaffene A+Lizenz zu bewerben. Während die A-Lizenz sich vor allem an Erwachsene-Trainer richtet, werden mit der A+-Variante Nachwuchstrainer aus dem obersten Regal angesprochen. „Im Grunde ist es der Fußball-Lehrer für Nachwuchstrainer“, meint Stefan Wilts. Oberhalb der A+- und A-Lizenz gibt es nur noch die Pro-Lizenz, den Fußball-Lehrer.
Kosten und Zeitaufwand für die A+Lizenz sind enorm, auch für die A-Lizenz gestiegen. Die Ausbildung verteilt sich auf elf Präsenzwochen im DFB-Campus in Frankfurt am Main, in Sportschulen (Kaiserau und Geisenheim) oder bei Bundesliga-Nachwuchszentren (Schalke, Leverkusen) und diversen Anwendungsphasen im Verein. „Ich habe mit dem Verein natürlich darüber gesprochen, das bekommen wir hin“, sagt der 42-jährige, der hauptamtlich bei der SpVg arbeitet und auch als Geschäftsführer tätig ist.
Wer zahlt die 20.500 Euro?
Auf der finanziellen Seite wird Wilts auch nicht ganz alleine gelassen. Während er die 8.500 Euro für Verpflegung und Unterkunft komplett selber trägt, bekommt er bei den Lehrgangskosten von 12.000 Euro Unterstützung. „Der Verein gibt etwas dazu, da er ja auch davon profitieren wird. Zudem bekomme ich Fördergelder.“ Für ihn ist sein enormer Beitrag im fünfstelligen Bereich für alles auch eine Investition auch in seine Zukunft.
Von dem neu erworbenen Wissen soll dann aber nicht nur seine Mannschaft, sondern auch der gesamte Verein profitieren. Beim Blick auf die bisherigen A+-Teilnehmer, die fast allesamt bei Bundesligisten angestellt sind, hat er keinen Bammel als Trainer der „kleinen“ SpVg Aurich unter all den großen Klubnamen mitzuwirken. „Da haben viele natürlich einen gewissen Vorteil, weil sie in großen Nachwuchsleistungszentren arbeiten. Aber ich habe nichts zu verlieren und freue mich auf spannende Monate.“