Kickers fliegt aus dem Pokal  Bei Simones Ja-Wort und Atlas-Gala sind Emder nur Statisten

| | 03.10.2023 19:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mangelnden Einsatz kann man Kickers-Akteur David Schiller (links) nicht vorwerfen. Er lieferte sich körperbetonte Duelle mit Yunus Sari. Fotos: Doden
Mangelnden Einsatz kann man Kickers-Akteur David Schiller (links) nicht vorwerfen. Er lieferte sich körperbetonte Duelle mit Yunus Sari. Fotos: Doden
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Die Emder Defensive machte einen desolaten Eindruck. So führten die Delmenhorster nach 59 Minuten schon 4:0. In der Pause wurden den Fans etwas fürs Herz geboten.

Delmenhorst - Bei der großen Pokal-Party in Delmenhorst waren die Fußballer des BSV Kickers Emden nur Statisten. Das Viertelfinale im Verbandspokal entwickelte sich vor 1200 Zuschauern zu einer Gala des SV Atlas Delmenhorst. Selbst in der Pause feierten die Gastgeber. Ein Heiratsantrag mitten auf dem Fußballfeld krönte die Atlas-Party. Danach herrschte Dauerjubel, als die Gastgeber die 1:0-Führung bis zur 59. Minute auf 4:0 ausbauten. Mit zwei sehr späten Toren machte Kickers aus der Blamage eine ergebnistechnisch etwas erträglichere 2:4-Pleite.

An Unterstützung mangelte es den Emdern in Delmenhorst nicht. Rund 250 Fans feuerten das Team zumindest 50 Minuten lang lautstark an.
An Unterstützung mangelte es den Emdern in Delmenhorst nicht. Rund 250 Fans feuerten das Team zumindest 50 Minuten lang lautstark an.

Doch nie in dieser Saison herrschte wohl eine derartige Ratlosigkeit. „Wir haben es nicht geschafft, das Herz auf dem Platz zu lassen“, resümierte Trainer Stefan Emmerling. „Wir sind enttäuscht vom Auftritt und von der Verteidigung bei den Gegentoren.“ Vor diesen Worten hatte er die Akteure minutenlang im Mannschaftskreis versammelt. Dort ergriff auch sein Assistent Markus Unger das Wort und hielt mit finsterer Miene und wilder Gestik eine längere Ansprache.

Desolate Defensive

Die Wirkung aller Worte wird sich am Sonntag zeigen, wenn der SV Atlas nach dieser Machtdemonstration zum Punktspiel in Emden aufkreuzt. „Da muss eine Reaktion folgen“, sagte der Sportliche Leiter der Emder, Sebastian Plog. „Dieses Spiel war auch eine große Enttäuschung für die Fans.“

Sven Lameyer (rechts) erzielte bei seinem Startelfdebüt ein Tor für den BSV.
Sven Lameyer (rechts) erzielte bei seinem Startelfdebüt ein Tor für den BSV.

Nach drei Gegentoren in Meppen, drei in Schöningen und zwei bei Lupo Martini Wolfsburg wirkte die Kickers-Defensive auch in Delmenhorst von der 1. Minute an konzeptlos. Ständig entdeckten die Gastgeber freie Mitspieler und stürzten die Emder von einer Verlegenheit in die andere.

1:0 in der 4. Minute

In der 3. Minute verfehlte ein Volleyschuss noch um Zentimeter das Emder Tor. Doch als Weckruf für den Gast diente diese Szene nicht. Die BSV-Konfusion in der Defensive setzte sich fort. So erzielte nur eine Minute später Osman Mansaray freistehend aus 18 Metern das 1:0. „Wir waren am Anfang hinten zu offen“, stellte auch BSV-Mittelfeldmann Sven Lameyer bei seinem Startelfdebüt fest. Durch die verunsicherte Emder Defensive glückte kein Spielaufbau. Die viel gerühmte BSV-Offensive kam gar nicht zum Zuge. Ein Lameyer-Schuss blieb die einzige Emder Chance bis zur Pause.

Das künftige Brautpaar zeigt sich auf der Tribüne sehr innig.
Das künftige Brautpaar zeigt sich auf der Tribüne sehr innig.

Die Halbzeit bot weit mehr fürs Herz als der Kickers-Auftritt. „Simone, mein Schatz, komm‘ mal auf den Platz“, tönte es durch die Lautsprecher. Und als die strohblonde Dame das Feld betrat, ging der Bräutigam in spe in die Knie und formulierte seinen Heiratsantrag. Die Fans jubelten über die Eheanfrage, über Simones Ja-Wort und kurz nach der Herz-Schmerz-Zeremonie über drei weitere Atlas-Tore in nur zehn Minuten. Nach einem langen Ball eilte Phil Gysbers der BSV-Abwehr davon und traf zum 2:0. Raoul Cissé köpfte eine Ecke zum 3:0 ins Netz, ehe Mustafa Azadzoy erneut nach einer weiten Flanke allein aufs Tor zulief und zum 4:0 vollendete.

Späte Kosmetik

Danach zogen sich die Gastgeber zurück. Kickers wechselte fünf frische Akteure ein und bemühte sich um mehr Offensive. In der 88. Minute verkürzte Marvin Eilerts - der Ball sprang von der Latte an den Torwart und offenbar hinter die Linie - auf 4:1. Lameyer, der mehrfach Torgefahr ausstrahlte, köpfte eine Minute später das 4:2.

Mehr war für Kickers nicht möglich. Die Spieler traten am Ende den „Bußgang“ zu den zunächst 250 Fans an, von denen viele das Stadion vorzeitig verlassen hatten. Am Ende herrschte allenthalben Rätselraten über die Gründe für die eklatante Abwehrmisere, die mittlerweile auch zur Verunsicherung im Aufbauspiel führt. Egal, ob es am Einsatz oder am kompletten System liegt - das Pokalspiel offenbarte, dass Kickers zumindest auswärts von Titelreife meilenweit entfernt ist.

Statistik

Emden: Onken, Stöhr (64. Eilerts), Herbst, Kaissis (53. N‘Diaye), Steinwender (64. Abbey), Lameyer, Schiller (70. Visser), Steffen (64. Konda), Siderkiewicz, Steffens, Engel.

Tore: 1:0 Mansaray (4.), 2:0 Gysbers (49.), 3:0 Cissé (53.), 4:0 Azadzoy (59.), 4:1 Eilerts (88.), 4:2 Lameyer (89.).

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