Neuer Bundestrainer  Ostfriesen-Trainer wollen Sammer – oder einen 35-Jährigen

| | 11.09.2023 15:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Viele Köpfe sind als Flick-Nachfolger im Gespräch. Bei Ostfrieslands Experten gibt es klare Favoriten. Fotomontage: Imago
Viele Köpfe sind als Flick-Nachfolger im Gespräch. Bei Ostfrieslands Experten gibt es klare Favoriten. Fotomontage: Imago
Artikel teilen:

Kickers-Trainer Emmerling litt mit Hansi Flick. Die Kumpels spielten vor 40 Jahren gemeinsam für Sandhausen. Stefan Marx (SV Holtland) traf einst in der DDR-Oberliga auf Sammer und schätzt ihn sehr.

Ostfriesland - Ganz Fußball-Deutschland forderte spätestens nach der 1:4-Blamage der Nationalelf gegen Japan den Rauswurf von Hansi Flick. Nur der Trainer von Oberligist Kickers Emden sah es anders. Stefan Emmerling spielte vor rund 40 Jahren beim SV Sandhausen mit Hansi Flick in einem Team. Flick und Emmerling schrieben sich auch nach Jahrzehnten noch Glückwunsche zum Geburtstag. So litt „Emma“ am Samstag vor dem Fernseher beim deutschen Untergang auch mit Kumpel „Hansi“. Nach der Ablösung von Flick nennt der Emder Coach seine Wunschnachfolge: „Matthias Sammer soll es machen.“ Der Ex-Nationalspieler steht auch bei anderen ostfriesischen Experten hoch im Kurs.

Stefan Emmerling (Kickers Emden)

„Matthias Sammer wäre der Richtige, weil er die Entwicklung im deutschen Fußball kritisch betrachtet. Der würde eine Menge aufarbeiten“, glaubt Ex-Bundesligaprofi Emmerling. Seiner Meinung nach verkörpert Sammer auch wichtige Tugenden, die es wieder in den Vordergrund zu rücken gilt. „Deutschlands Mannschaft hat immer die Zweikampfstärke und die Körperlichkeit ausgezeichnet. Das ist leider abhanden gekommen“, sagt Emmerling. Die Schuld daran sieht er aber nicht bei Hansi Flick. „Er hat mit Bayern in kurzer Zeit sechs Titel geholt“, lobt er seinen alten Kumpel.

Stefan Emmerling
Stefan Emmerling

Den lernte er übrigens schon in Jugendzeiten kennen. Emmerling kickte als Kind bei Germania Meckesheim, der ein Jahr ältere Flick 14 Kilometer entfernt beim BSC Mückenloch. Ab der A-Jugend spielten sie gemeinsam beim SV Sandhausen und gehörten einer Busfahrgemeinschaft an. Danach feierten sie mit den Herren des SV Sandhausen die Oberligameisterschaft. „Wir spielten beide auf der rechten Seite – ich hinten, er vor mir im Mittelfeld“, erzählt „Emma“.

Danach trennten sich die Wege der Kumpels, die Verbundenheit blieb. Und so schmerzten Emmerling zuletzt auch viele gehässige Kommentare zu Flick. Deshalb hätte der Neu-Ostfriese noch einen Wunsch für die Bankplätze neben einem Mann wie Matthias Sammer. Da würde er sich zwei Chef-Kritiker des Boulevards wünschen. „Lothar Matthäus und Didi Hamann sollen mal selber zeigen, was sie können.“

Stefan Marx (SV Holtland)

Auch für den neuen Trainer des SV Holtland wäre Sammer eine realistische Lösung. „Jürgen Klopp wäre top. Aber der ist nicht zu kriegen und ein Julian Nagelsmann wird es nicht machen wollen. Auch Oliver Glasner überzeugt mich nicht“, sagt Marx. Der Leeraner votiert deshalb ganz klar für Matthias Sammer. „Sammer weiß, wie ein Team funktioniert und er kennt die grundlegenden Schwierigkeiten des deutschen Fußballs“, sagt Marx und hat deshalb auch eine Befürchtung: „Vielleicht will er deshalb den Job auch nicht machen, aber er wäre der ideale Mann.“

Stefan Marx
Stefan Marx

Der Holtlander Coach ist sich sicher, dass Sammer auch bei der Nachwuchsförderung die besten Ideen mit einbringen könnte. „Das DFB-Stützpunktsystem hat er als DFB-Sportdirektor schon maßgeblich vorangetrieben. Nun müsste er es an die gesellschaftlichen Veränderungen anpassen.“

Stefan Marx verhehlt nicht, dass seine Sympathien für Sammer auch auf der gemeinsamen Vergangenheit basieren. Marx wuchs wie Sammer in der ehemaligen DDR auf und spielte als Akteur von Lokomotive Leipzig auch in der Juniorennationalelf. Und in der DDR-Oberliga traf der heutige Lehrer mit Lok Leipzig auch auf Dynamo Dresden und Matthias Sammer. „Sammer war ein Held in der DDR.“ Mit Erfolgen im Nationalteam könnte er auch eine neue Heldenrolle im aktuellen deutschen Fußball einnehmen. Stefan Marx würde es ihm wünschen.

Ralf Backhaus(TuS Esens)

Der Trainer des Landesliga-Aufsteigers könnte sich eine völlig andere Bank-Lösung für das Nationalteam vorstellen. „Ich würde niemanden aus dem DFB-Stall nehmen“, sagt Ralf Backhaus. „Deshalb wäre für mich auch jemand wie Stefan Kuntz nicht die beste Lösung. Unsere Mannschaft braucht einen ganz anderen Typen. Sandro Wagner könnte das machen.“

Ralf Backhaus
Ralf Backhaus

Wagner wäre mit 35 Jahren zwar der jüngste Bundestrainer aller Zeiten, aber genau deshalb für Backhaus der richtige Mann in dieser schwierigen Zeit. „Er ist ein Supertyp, der Spieler richtig motivieren kann“, glaubt der Esenser. „Er zeigt auch als TV-Experte immer klare Kante und könnte mit den Spielern der aktuellen Generation wahrscheinlich am besten umgehen. Sandro Wagner finde ich gut.“

Michael Zuidema (TuRa Westrhauderfehn)

Der neue Trainer von TuRa 07 Westrhauderfehn könnte sich eine erfolgreiche Doppellösung vorstellen. Und die berücksichtigt die Argumente der anderen befragten Experten. „Ich würde mir Sammer und Wagner als Duo wünschen“, sagt Zuidema. „Das könnte so klappen wie einst bei Löw und Klinsmann.“ Der TuRa-Coach aus Moormerland sieht Sammer dabei als Taktik-Experte. „Und Sandro Wagner wäre der optimale Motivator.“ Dagegen sieht er einen Julian Nagelsmann eher als Vereinstrainer denn als Bundescoach. „Sammer für die Erfahrung und Wagner für die Emotionen. Das wäre super.“

Michael Zuidema
Michael Zuidema

Michael Zuidema bricht aber auch eine Lanze für Hansi Flick. „Das ist ein Super-Trainer. Das Amt des Bundestrainers hatte er einfach zum falschen Zeitpunkt.“

Ähnliche Artikel