Bauwerk für die Zukunft  Großbaustelle im Borkumer Ostland nimmt Formen an

| | 10.09.2023 09:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Blick von oben: die Großbaustelle aus der Drohnenperspektive. Foto: Mönter/ Hofschröer GmbH & Co. KG
Blick von oben: die Großbaustelle aus der Drohnenperspektive. Foto: Mönter/ Hofschröer GmbH & Co. KG
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Gegenüber des alten Wasserwerks im Ostland entsteht eine neue Wasseraufbereitungsanlage für Borkum. Von dem Bauwerk sollen Generationen etwas haben.

Borkum - Die Mischung macht‘s, weiß Polier Marcel Mönter. „Man muss aufpassen, wenn man die Kolonne zusammenstellt, dass die Leute miteinander können. Man sucht sich die Leute aus.“ Denn die meist siebenköpfige Stammmannschaft, die im Borkumer Ostland mit dem Neubau der Wasseraufbereitungsanlage beschäftigt ist, muss für viele Monate miteinander auskommen – auf der Baustelle, aber auch nach getaner Arbeit in den Containern nebenan. Dort gibt es unter anderem einen Sozial- und Besprechungsraum, aber auch kleine Einzelzimmer mit Küchenzeile, Bett, Dusche, Toilette.

„Es ist wichtig, dass jeder seine Privatsphäre hat, wenn man die Woche über zusammen ist“, betont Frank Schönball, bei den Borkumer Stadtwerken Experte und Ansprechpartner für das Thema Trinkwasser-Erzeugung. Mönters Truppe ist von montags bis donnerstags im Einsatz, anschließend geht es ins Wochenende nach Hause. „Dann haben sie ihre Stunden auch gemacht, die arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“, berichtet Schönball. Durch die Nähe zur Baustelle könne man früh loslegen, etwa wenn Lieferungen anstehen.

250 Tonnen Stahl und 850 Kubikmeter Beton

Und geliefert wurde bereits einiges für das Großprojekt der Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG), dessen Kosten mit rund sechs Millionen Euro beziffert werden. Von mittlerweile 250 Tonnen Stahl und 850 Kubikmeter Beton ist bei einem Baustellenrundgang die Rede. Dem schließt sich neben Polier Marcel Mönter vom Bauunternehmen Hofschröer aus Lingen (Ems) und Frank Schönball auch Stadtwerke-Leiter Axel Held an. Er betont noch einmal die Bedeutung des Vorhabens für die Wasserversorgung der Insel – „Es ist generationsübergreifend; wir bauen für unsere Kinder und Kindeskinder.“ – und verweist auf die mehr als zehnjährige Planungs- und Vorbereitungszeit.

Gute Laune auf der Baustelle: Stadtwerke-Leiter Axel Held (von links), Kollege Frank Schönball und Polier Marcel Mönter. Foto: Ferber
Gute Laune auf der Baustelle: Stadtwerke-Leiter Axel Held (von links), Kollege Frank Schönball und Polier Marcel Mönter. Foto: Ferber

Der Neubau auf 530 Quadratmetern Grundfläche soll künftig das seit 1965 betriebene, in die Jahre gekommene, alte Ostland-Wasserwerk vis-à-vis ersetzen. Dessen Technik entspricht zwar längst nicht mehr dem neuesten Stand, es ist aber immer noch für die Aufbereitung von zwei Dritteln des benötigten Trinkwassers (der Rest kommt aus dem Wasserwerk Hindenburgstraße) zuständig. Die künftige Anlage besteht unter anderem aus drei Absetzbecken mit einem Gesamtvolumen von zusammen fast 1000 Kubikmeter (eine Million Liter). Klingt viel? „Wir haben zurzeit einen Tagesabsatz von 2300 Kubikmeter. Diese Behälter reichen also nicht mal für den halben Tagesverbrauch auf der Insel“, zeigt Axel Held die Relationen auf. Es habe auch schon Zeiten mit einem Verbrauch von bis zu 4000 Kubikmeter/Tag gegeben.

Die Größen-Dimensionen der Absetzbecken lassen sich bereits absehen. Foto: Ferber
Die Größen-Dimensionen der Absetzbecken lassen sich bereits absehen. Foto: Ferber

„Pipitaste“ hilft Wasser zu sparen

Das andere Extrem, ergänzt Frank Schönball, gab es in der Corona-Zeit, als alle Nicht-Borkumerinnen und Nicht-Borkummer die Insel verlassen mussten, es keine Touristen gab. „Da hatten wir einen Tagesverbrauch von 690 Kubikmeter.“ Das überschüssige Reinwasser sei dann vor allem fürs Filterspülen verwendet worden. „Eigentlich stagniert der Wasserverbrauch aber, die Leute werden ressourcenbewusster“, so die Feststellung von Stadtwerkechef Axel Held. Er verweist in dem Kontext unter anderem auf die Wasser sparende „Pipitaste“ beim (kleinen) Toilettengang.

Die neue Aufbereitungsanlage, die laut Stadtwerke in der Lage sein wird, über drei Millionen Liter Wasser am Tag aufzubereiten, wird unter anderem sechs vorgeschaltete, offene Filter bekommen. Nach langem Entscheidungsprozess und Feldtests hatte man sich seitens der Stadtwerke für die bewährte Technik und gegen Alternativen wie Filtermembran oder Aktivkohle ausgesprochen. Ebenfalls wichtiger Bestandteil wird die sogenannte Kaskade sein. Hier läuft das Rohwasser, das die zahlreichen Brunnen auf der Insel aus der bis zu 60 Meter tiefen Süßwasserlinse fördern, durch, wird berieselt. Dabei werden Luft und Sauerstoff eingebracht, Gase wie Schwefelwasserstoff(e) und Methan werden ausgeblasen.

Fertigstellung voraussichtlich im November 2024

Bis zum Wintereinbruch, so das Ziel, soll der Bau geschlossen sein, sodass innen mit dem weiteren Ausbau begonnen werden kann. Für Polier Marcel Mönter ist es nach Mönchengladbach „sein“ zweites Wasserwerk. Aber: „Jedes Wasserwerk ist anders.“ Voraussichtliche Fertigstellung auf Borkum ist im November 2024. „Wann wir dann in Betrieb gehen und wie der Prozess genau abläuft, müssen wir noch abstimmen“, erklärt Axel Held. Die bisherige Aufbereitungsanlage, ergänzt Frank Schönball, bleibe bis zur Übergabe im Parallelbetrieb, bis alle Parameter – Mikrobiologie, Filter und mehr – exakt eingestellt sind. Was danach mit dem Altgebäude passiert, ist noch unklar. Eine Option wäre ein Teilabriss.

Die neue Anlage entsteht genau gegenüber des alten Wasserwerks Ostland. Foto: Ferber
Die neue Anlage entsteht genau gegenüber des alten Wasserwerks Ostland. Foto: Ferber

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