Ausgliederung wird zur Hängepartie Kickers Emden kämpft mit den Altschulden
Zu diesem Zeitpunkt wollte Fußball-Oberligist Kickers Emden beim Thema Ausgliederung schon wesentlich weiter sein. Am Donnerstag trifft sich der Vorstand mit Henning Rießelmann.
Emden - Sportlich läuft es beim Fußball-Oberligisten Kickers Emden richtig rund. Nach zwei Spieltagen grüßen die Ostfriesen von der Tabellenspitze, den Heimauftakt gegen Celle wollten 1350 Anhänger verfolgen. Auf der Anlage im Ostfriesland-Stadion hat sich in der Sommerpause jede Menge getan. Dank der Zusammenarbeit mit dem Team um Henning Rießelmann wurden schon viele Dinge angepackt und verbessert. (u.a. Catering, Rasen, LED-Werbebanden). Eigentlich könnte eitel Sonnenschein bei den Ostfriesen vorherrschen.
Doch bei einem wichtigen Punkt knirscht es im Hintergrund allerdings ganz gewaltig. Denn die geplante Ausgliederung der ersten Herrenmannschaft in eine Spielbetriebs-GmbH wird zu einer Hängepartie. Und noch ist die Kuh lange nicht vom Eis. Eigentlich war schon lange geplant, die Jahreshauptversammlung von 2022 nachzuholen, zusammen mit einer Infoveranstaltung zur Ausgliederung.
Altschulden von über 100.000 Euro
„Der Hauptpunkt sind ganz klar die Altschulden von über 100.000 Euro. Sicher gab es schon zahlreiche Gespräche mit Gönnern und Sponsoren, aber bislang haben wir das noch nicht so hinbekommen, dass bilanztechnisch und steuerrechtlich alles sauber ist“, erklärte BSV-Vorsitzender Dr. Jörg Winter. Die Bilanz zum 30.6.2022 sei erstellt worden, die zum 30.6.2023 allerdings noch nicht. Diese Bilanz sei allerdings die Voraussetzung für eine Ausgliederung. Als Verein musste der BSV solche Bilanzen bisher nicht erstellen.
Als neuer Termin für die Jahreshauptversammlung mit Infoveranstaltung war der 31. August angedacht gewesen, doch dieser Termin ist auch aufgrund eines Krankheitsfalls im BSV-Vorstand nicht mehr zu halten. „Ich hoffe jetzt sehr, dass wir einen neuen Termin Anfang September anvisieren können“, so Dr. Winter. Auf einer folgenden, außerordentlichen Jahreshauptversammlung müssten die Mitglieder dann die Ausgliederung beschließen.
Rießelmann: „Gehen voll ins Risiko“
Diese war und ist eine Grundvoraussetzung für den Einstieg von Henning Rießelmann mit seinem Team. Dieser würde an der GmbH dann 49 Prozent besitzen, 51 Prozent würden beim Verein Kickers Emden bleiben. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, viel in die Mannschaft und die Infrastruktur investiert und gehen voll ins Risiko. Jetzt ist der Vorstand von Kickers Emden am Zug“, so Rießelmann. Er sei auch geduldig und wolle keinen Druck aufbauen, an seiner Forderung, nur dann weiterzumachen, wenn der Stammverein keine Schulden mehr habe, halte er aber nach wie vor fest.
„Es ist natürlich auch möglich, in einer Übergangsphase die Zusammenarbeit mit Kooperationsverträgen zu regeln. Aber am Ende muss der Verein schuldenfrei sein. Wir werden nicht auch noch die Altschulden übernehmen und tilgen.“ Neue Sponsoren und auch er würden nur in die Zukunft investieren wollen. „Das Ganze soll ja auch nachhaltig sein.“ Der Ball liege nun klar beim Vorstand. Er hoffe, dass es in Kürze zu Lösungen komme, schließlich habe er auch die Mannschaft zusammengestellt und fühle sich auch den Spielern gegenüber verantwortlich. Klar ist für Rießelmann allerdings auch: Sollte der Vorstand die Entschuldung nicht hinbekommen, würde das zu einem Ende der Zusammenarbeit führen.
Treffen am Donnerstag
„Wenn wir sehen, was am Samstag in Emden los war, haben wir richtig Spaß an der Sache, wir sind ja auch erst am Anfang. Daher wäre es sehr schade, wenn wir dieses gerade erst angefangene Projekt nicht weiterführen könnten.“ Am Donnerstagabend wird sich der Kickers-Vorstand um Dr. Jörg Winter mit Henning Rießelmann treffen, um die aktuell wichtigsten Fragen zu besprechen. „Klar ist, zu der Zusammenarbeit mit Henning Rießelmann gibt es keine Alternative, wir brauchen die Unterstützung auf Biegen und Brechen“, so Dr. Jörg Winter. Er habe auch vollstes Verständnis dafür, dass der Verein bei den Schulden auf Null gesetzt werden müsse. „Diese Prozesse benötigen aber auch Zeit.“
Winter lässt Zukunft offen
Ob er auch weiterhin für den Kickers-Vorstand kandidieren wolle, ließ Winter offen. „Nach zehn Jahren wäre vielleicht jetzt durch die Zusammenarbeit mit einem neuen Partner auch ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel. Mir wäre allerdings wichtig, dass wir einen sauberen Übergang hinbekommen“, so Winter. Zudem müssten natürlich auch erst einmal Mitglieder gefunden werden, die sich diese Aufgabe vorstellen könnten. Winter geht zudem davon aus, sollte es zu der Ausgliederung dann eines Tages kommen, dass jemand aus dem Team von Henning Rießelmann für einen Vorstandsposten kandidieren würde.