Historisches Fußballlduell Fast 1000 Zuschauer erleben Jubelsturm des TuS Borkum
Erstmals seit 60 Jahren trafen der Gastgeber und der TuS Norderney aufeinander. Auch der Siegtorschütze vom Duell 1963 und das Magazin „11 Freunde“ erlebten ein letztes Tor zum 2:2 in der 96. Minute.
Borkum - Für das spektakuläre Ende eines historischen Inselderbys sorgte am Sonntagnachmittag ein Eisverkäufer aus Borkum. Ovidiu-Alexandru Cinaru traf in der sechsten und letzten Minute der Nachspielzeit zum 2:2-Ausgleich für den TuS Borkum gegen den TuS Norderney. Der vor neun Jahren mit seinen Eltern aus Rumänien auf die Insel gekommene Cinaru arbeitet – wie viele Spieler auf beiden Seiten – in der Tourismusbranche. Mitten in der Hochsaison sorgte er nun für das spektakuläre Ende des Saisonhöhepunktes beider Fußball-Mannschaften aus der Ostfrieslandklasse A (Staffel II).
„Wir wussten, dass viele Zuschauer kommen werden. Von dieser Resonanz waren wir dann aber doch überrascht und auch überwältigt“, sagte Borkums Trainer Christoffer Lübben. Die gedruckten Eintrittskarten reichten hinten und vorne nicht. Das erste Duell beider Inselvereine seit 60 Jahren hatte solch eine Strahlkraft, dass es eine Traumkulisse für ein Spiel der 1. Kreisklasse wurde. „Wir haben noch scherzhaft gesagt, dass manche Borkumer Fans vielleicht sogar zuletzt zum Schulsport auf der Anlage gewesen waren“, sagte ein lachender Lübben, für den das 2:2 ein gefühlter Sieg war.
Anreise per Schiff und Flugzeug
Die Norderneyer ärgerten sich hingegen, einige ihrer Chancen nicht zum entscheidenden 3:1 genutzt zu haben. „Für uns wird das Spiel dennoch in schöner Erinnerung bleiben. Es war ein toller Tag. Wir hatten so viel Zeit vor und nach einem Auswärtsspiel wie noch nie“, erklärte Norderneys Spieletrainer Jens Harms. Nach der 13.30-Uhr-Partie blieb bis zur Abfahrt um 18 Uhr noch reichlich Zeit zum Duschen, Bier trinken und sogar Essengehen.
Mit einer Sonderfähre der Reederei Frisia waren die Norderneyer am Sonntagmorgen um 8 Uhr losgefahren, gegen 11 Uhr am Borkumer Hafen eingelaufen und um 22.30 Uhr nach viereinhalbstündiger Rückfahrt wieder zu Hause. Dreimal im Halbjahr werde diese Tagestour von der Reederei angeboten – kurioserweise fiel ein Termin auf den Spieltermin am Sonntag. So reisten auch viele Tagestouristen mit, die nicht das Spiel besuchten. „Es haben uns aber sicherlich auch mehr als 100 Norderneyer beim Spiel unterstützt. Manche reisten auch mit eigenen Booten, ein paar flogen hinüber“, berichtet Jens Harms.
Gegenspieler von 1963 treffen sich
Einer von den Rüberfliegern war ein Überflieger früherer Jahre, Norderneyer Stammzuschauer und ganz besonderer Gast dieses Spiels: Waldo Forner. Der 85-Jährige war beim letzten Duell beider Vereine vor 60 Jahren nicht nur als Spieler dabei – er hatte im Herbst 1963 auch das 2:1-Siegtor der Norderneyer erzielt. Bei der Rückreise fuhren die Norderneyer auf eine Sandbank auf, mussten umkehren. „So waren sie damals von Samstag bis Montag bei uns auf der Insel. Diese Infos haben wir einem alten Artikel im Archiv der Borkumer Zeitung entdeckt“, erzählt Christoffer Lübben.
Auch die Borkumer hatten mit Gerd Michaelsen einen Zuschauer am Platz, der beim Spiel 1963 als Spieler auf dem Feld stand. Forner und Michaelsen kamen am Rande des 2023-Spiels auch ins Gespräch. Der Norderneyer konnte dann berichten, dass bei der historischen Neuauflage wieder ein Forner mitspielt. Mit Jonas Forner wirbelte der Enkel des Siegtorschützen im Mittelfeld.
Magazin „11 Freunde“ vor Ort
Und dann waren da noch besondere Gäste aus Berlin. Das bekannte Fußball-Magazin „11 Freunde“ reiste extra für das historische Spiel der 9. Liga nach Borkum. Der aus Aurich stammende Redakteur Tim Jürgens und ein Fotograf reisten mit den Norderneyern auf der Fähre an und schnappten allerhand Inselgeschichten rund um das Spiel auf. „Ich hatte ,11 Freunde‘ vor einiger Zeit einfach mal angeschrieben. Wir hatten dann öfters Kontakt und irgendwann stand fest, dass jemand kommt. Wir sind nun sehr gespannt auf den Artikel, der vermutlich in der nächsten Ausgabe erscheinen wird“, erzählte Borkums verletzter Spieler Eike Müller.
Er durfte am Sonntag nach einer weitestgehend ausgeglichenen ersten Halbzeit nach 49 Minuten das 1:0 durch Ovidiu-Alexandru Cinaru bejubeln. Schon zwei Minuten später besorgte Renke Fischer per Elfmeter das 1:1. Nun sahen die fast 1000 Zuschauer ein rassiges Derby, in dem Norderney mehr als das eine Tor von Tom Hahnen (80.) hätte erzielen können. So blieb der Gastgeber im Spiel. Und als Eisverkäufer Cinaru die Schlussoffensive in der 96. Minute mit dem 2:2 krönte, brachen jubeltechnisch alle Dämme bei den vielen Borkum-Fans unter den fast 1000 Zuschauern.
Die waren nicht nur hungrig (Hunderte Bratwürste), sondern auch besonders durstig. „Sieben 50-Liter-Fässer Bier sind aufgekommen“, erzählte Borkums Trainer Christoffer Lübben am Montag. Für das Rückspiel hoffen die Norderneyer auf ähnlich viele durstige Fußballfreunde. Da wird die Getränkekarte möglicherweise noch um Glühwein erweitert – angesetzt ist das zweite Inselderby auf Norderney für den 26. November.