Irres Kickers-Spiel  5:3 nach 1:3 – 1350 Fans feiern Emder Spektakel und Helden aus Idafehn

| | 13.08.2023 12:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dreifachtorschütze: Tobias Steffen war der Held. Fotos: Doden
Dreifachtorschütze: Tobias Steffen war der Held. Fotos: Doden
Artikel teilen:

Der BSV erwischte einen Fehlstart. Die Emder gerieten 0:2 und 1:3 in Rückstand. Zudem verschossen sie zu Beginn einen Elfmeter, ehe sie furios für die Wende sorgten.

Emden - Nach einem kompletten Horrorjahr genoss der BSV Kickers Emden bei der Oberliga-Heimspielpremiere vor einer Rekordkulisse gleich einmal anderthalb Märchenstunden. 1350 Fans waren schon seit Jahren zu keinem Punktspiel ins BSV-Stadion gepilgert. Und sie wurden am Samstag gegen den MTV Celle mit einer Fußball-Gala belohnt, wie sie es seit Drittliga-Zeiten vor eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatten. Kickers geriet nach 118 Sekunden in Rückstand, verschoss einen Elfmeter, lag später gar 0:2 und 1:3 hinten und wandelte den Fehlstart vor restlos euphorisierten Zuschauern in einen 5:3-Triumph um. Damit thront der BSV erst einmal an der Tabellenspitze. „Es war ein Spektakel“, urteilte Trainer Stefan Emmerling. „Die Zuschauer werden bestimmt wiederkommen.“

Hoch her ging es permanent im Celler Strafraum (vorne Kickers-Akteur David Schiller).
Hoch her ging es permanent im Celler Strafraum (vorne Kickers-Akteur David Schiller).

Die Kulisse war regionalligareif, die Stimmung drittligaverdächtig und die Dramaturgie hätte selbst in Deutschlands Eliteligen nicht packender inszeniert sein können – wie ein Märchen eben: böser Anfang, gutes Ende. „Für die Fans war das super“, sagte Stürmer Tido Steffens. „Aber ich brauche solch eine Dramatik nicht jede Woche.“

Der große Tag von Steffen(s)

Der Stürmer hatte am Freitag seine langjährige Freundin Lisa standesamtlich geheiratet, aber kaum damit gerechnet, dass am nächsten Tag auch ein Fußballfest folgen sollte, das ewig in Erinnerung bleiben könnte. Auch bei dieser Party stand der Name Steffen(s) im Mittelpunkt. Denn an jedem Kickers-Treffer war mindestens ein Steffen – mit oder ohne S am Ende – beteiligt. Während Tido Steffens ein Tor und zwei Vorlagen beisteuerte, avancierte sein Quasi-Namensvetter mit drei Treffern zum Helden. Der in Idafehn aufgewachsene Tobias Steffen versetzte das Publikum mit Traumtoren in Ekstase. „Normalerweise lege ich die Dinger lieber vor“, sagte der Spielmacher. „Aber ich weiß auch, wo das Tor steht.“

Jubel nach dem 3:3 von Tido Steffens (vorne).
Jubel nach dem 3:3 von Tido Steffens (vorne).

Das wussten die Gäste zunächst noch besser, weil Kickers in der ersten halben Stunde ein desolates Abwehrverhalten an den Tag legte. Nach einem langen Ball marschierte Adrian Zöfelt in der 2. Minute zunächst einsam Richtung BSV-Tor, trickste am Ende noch BSV-Kapitän Bastian Dassel aus und traf zum 0:1. Die Emder Offensive wirbelte zwar sehenswert, doch bei Gegenangriffen genossen die Gästestürmer alle Freiheiten und stürzten den unsortierten BSV oftmals ins Chaos. Kurz nachdem Steffens nach einem Foul an Julian Stöhr einen Elfmeter übers Tor gesetzt hatte (22.), hieß es sogar 0:2 durch Laurin Bonk. Das Defensivverhalten schmeckte Trainer Emmerling überhaupt nicht. „Wir hatten das ein oder andere Problem“, kommentierte er es moderat.

Traumhafter Freistoß

Das kaschierte zwischenzeitlich Tobias Steffen mit seiner Freistoßgala. Erst zirkelte er den Ball aus 23 Metern um eine Winzigkeit am Tor vorbei. Dann hob er ihn aus ähnlicher Entfernung wunderschön zum 1:2 in den Torwinkel.

Das Emder Stadion war so gut gefüllt wie seit Jahren nicht mehr bei einem Punktspiel.
Das Emder Stadion war so gut gefüllt wie seit Jahren nicht mehr bei einem Punktspiel.

Doch das Abwehrchaos ging weiter. Eine MTV-Hereingabe lenkte Kickers-Abwehrmann Dennis Engel gar zum 1:3 ins eigene Netz. „Da dachte ich, ich wäre im falschen Film“, sagte Tobias Steffen hinterher. Aber die Emder Offensiv-Maschinerie lief trotzdem unverdrossen weiter. Eine weite Flanke von Tido Steffens verwandelte sein kongenialer Sturmpartner David Schiller per Direktschuss zum 2:3. Als dann MTV-Torwart einen Volleyschuss von Kai Kaissis abprallen ließ, war Neu-Ehemann Steffens mit dem Pausenpfiff zum Ausgleich zur Stelle. „Ein 3:3 zur Halbzeit habe ich bei Kickers noch nie erlebt“, kommentierte der Schütze das Torfestival.

Ein 7:3 war am Ende möglich

Nach dem Wechsel schalteten die Gastgeber eine Dramatik-Stufe nach unten. Das lag auch daran, dass Emmerling für seinen ausgewechselten Kapitän Bastian Dassel Neuzugang Dennis Engel in die Abwehrmitte beorderte und der eingewechselte Said Abbey auf der rechten Abwehrseite nichts anbrennen ließ. Fortan dominierte der BSV vorne wie hinten. Das Traumduo des Tages sorgte dann für die erstmalige Kickers-Führung. Steffens passte auf Steffen der den Ball über den Torwart hinweg zum umjubelten 4:3 ins Netz legte.

Statistik

Kickers: Onken, Stöhr, Eilerts, Engel, Dassel (46. Abbey), Kaissis (67. Siderkiewicz), Steinwender (82. Visser), Steffen, N’Diaye (85. Konda), Schiller, Steffens (85. Frerichs)

Tore: 0:1 Zöfelt (2.), 0:2 Bonk (25.), 1:2 Steffen (28.), 1:3 Eigentor Engel (35.), 2:2 Schiller (39.), 3:3 Steffens (45. +3), 4:3 Steffen (54.), 5:3 Steffen (74.)

Als dann noch der eingewechselte Janek Siderkiewicz jeden Mittelfeldzweikampf gewann, beherrschte der BSV den Gast nach Belieben. Steffen setzte nach Zuspiel von Pascal Steinwender den 5:3-Schlusspunkt. Danach vergab Kickers noch erstklassige Gelegenheiten. „Wir hätten am Ende auch 7:3 gewinnen können“, resümierte der neue Kickers-Macher und Manager Henning Rießelmann und entdeckte trotzdem Verbesserungspotenzial. „Der Gegner hat uns aufgezeigt, wo wir den Hebel ansetzen müssen.“

Ähnliche Artikel